Rauchwarnmelder mit eingebauter Kamera | picture alliance / dpa

Smarte Haushaltsgeräte Der Spion im Rauchmelder

Stand: 06.02.2022 15:41 Uhr

Tischlampen mit Mikrofon, Rauchmelder mit Kamera: Manche smarten Geräte können heimlich Gespräche und Videos aufzeichnen. Experten warnen vor solchen unbemerkten Spionen im Haushalt, die auch für Hacker ein lohnendes Ziel sind.

Von Sabina Wolf, BR

Manchem Gerät daheim oder am Arbeitsplatz sieht man bestimmte zusätzliche Funktionen nicht an: Da gibt es Rauchwarnmelder mit eingebauter Minikamera oder eine Tischlampe, die laut Produktbeschreibung des Verkäufers in Echtzeit mithören kann. Auch manche Kugelschreiber und Feuerzeuge können filmen und Tonaufnahmen machen. Solche Alltagsgeräte erfüllen nicht nur ihren eigentlichen Zweck, sondern haben fragwürdige Zusatzfunktionen.

Wer sich mit den Geräten nicht gut auskennt, merkt womöglich gar nicht, dass eine Unterhaltung mitgeschnitten oder die Umgebung mitgefilmt werden kann. Das sei problematisch, denn Spionagegeräte seien in Deutschland verboten, warnt Fiete Wulff von der Bundesnetzagentur. "Spionagegeräte sind solche Geräte, die Ton- oder Bildaufnahmen von Menschen machen können, die diese dann über eine Funkverbindung - über eine Mobilfunkverbindung zum Beispiel - an eine andere Stelle übermitteln und bei denen nicht erkennbar ist, dass hier Ton- und Bildaufnahmen stattfinden", erklärt Wulff.

Alltagsgegenstände mit fragwürdigen Funktionen

Dazu zählen auch Telefone, die neben Onlinefunktionen auch noch über eine Abhörfunktion verfügen. Diese nennen Hersteller oftmals "voice monitoring", "Babyphone-Funktion" oder "one-way conversation". Die Bundesnetzagentur hat Geräte untersucht und vom Markt genommen, bei denen Mikrofon oder Kamera sogar per App oder per SMS-Befehl aktiviert werden kann. Mit Smartwatches, die entsprechende Funktionen haben, können beispielsweise Dritte Stimmen im Umfeld der Uhr abhören. Im vergangenen Jahr hat die Bundesnetzagentur insgesamt mehr als 4600 verbotene Produkte vom Markt nehmen lassen - doppelt so viele wie im Jahr zuvor; darunter Saugroboter, Duftspender oder Taschentuchboxen mit Kamera- und Audiofunktion.

Doch nicht alle Geräte mit diesen Zusatzfunktionen sind illegal. Verboten sind sie nur, wenn sie sich mit dem Internet verbinden und die Bild- und Sprachdateien versenden können. So regelt es das neue Gesetz über Datenschutz, kurz TTDSG, das seit dem 1. Dezember 2021 gilt. Zu einem bestimmten Rauchmelder, der Video aufzeichnen und speichern kann, bestätigte die Bundesnetzagentur auf Anfrage, dass das Gerät legal im Handel in Deutschland sei. Dennoch, so Wulff, könnte dieser Rauchmelder auch illegal genutzt werden. Das sei dann der Fall, wenn eine Person damit heimlich aufgezeichnet würde. Das sei eine Straftat.

Smarte Geräte bieten Angriffe für Hacker

Spionagegeräte, die sich mit dem Internet verbinden, sind nicht nur verboten. Sie stellten noch ein weiteres Problem dar, erklärt IT-Sicherheitsexperte Oded Vanunu von der Firma Checkpoint in Tel Aviv. Zweifellos würden all diese smarten Geräte, die sich mit dem Internet verbinden, Risiken für die privaten Daten in einem Haushalt oder auch in Unternehmen darstellen: "Denn dieser Internetzugang kann auch von Hackern genutzt werden", so Vanunu.

Er demonstriert dies mit dem Hack einer Tischlampe. Der IT-Sicherheitsexperte kann nicht nur die volle Kontrolle über die Lampe übernehmen, sie also ein- und ausschalten und die Farbe ändern: "Die Lampe dient mir nicht nur als Einstiegs-, sondern auch als Angriffspunkt auf alle anderen Geräte, die im Haus verbunden sind. Ich kann auf alles zugreifen und irgendetwas anstellen," erklärt Vanunu. Auch den Computer des Opfers könnten Hacker über die Lampe angreifen und Daten stehlen.

Eigenschaften von Geräten genau prüfen

Beim Kauf von Geräten mit Zusatzfunktionen sollten Verbraucherinnen und Verbraucher besonders darauf achten, ob ein Produkt über eine funkfähige Kamera oder Mikrofon verfügt, ob Bild- oder Audiodateien kabellos an Dritte übertragen werden können, ohne dass der Aufgenommene davon weiß, und ob Dritte heimlich auf Mikrofon oder Kamera von extern zugreifen können.

Bundesnetzagentur-Sprecher Wulff empfiehlt Verbraucherinnen und Verbrauchern, "dass sie sich die Produktbeschreibung intensiv durchlesen". Im Zweifel könne man sich an die Bundesnetzagentur wenden, so Wulff: "Wir schauen uns das dann an". Denn wer will schon einen Spion im eigenen Zuhause haben?

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Juni 2020 um 17:00 Uhr.