Mitsotakis und Steil | Teamviewer

Tech-Firmen in Griechenland Der Traum von Europas Silicon Valley

Stand: 24.06.2021 10:18 Uhr

Mit Steuervorteilen und gut ausgebildeten Fachkräften versucht die griechische Regierung gezielt, Tech-Unternehmen ins Land zu locken. Auch deutsche IT-Firmen entdecken Griechenland als Standort.

Von Verena Schälter, ARD-Studio Athen

Athanasios Moutsioulis war sich sicher: Im krisengebeutelten Griechenland würde er keinen guten Job finden. Deswegen verließ er 2015 das Land, machte in Großbritannien seinen Master und arbeitete dort anschließend als Software-Entwickler. Doch vor gut einem Jahr kehrte er in seine Heimatstadt Ioannina zurück, weil er einen Job bei Teamviewer bekommen hatte. Das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Göppingen ist bekannt geworden mit Softwarelösungen, die es möglich machen, aus der Ferne auf Geräte zuzugreifen, so dass man ortsunabhängig arbeiten kann.

Verena Schälter

Viel Potenzial an Fachkräften

Als Moutsioulis zum ersten Mal gehört habe, dass Teamviewer ein Büro in Ioannina aufmachen wolle, habe er es kaum glauben können: "Das war wirklich eine schöne Überraschung", erzählt Moutsioulis. Auch für Philipp Deutscher, den Leiter der griechischen Niederlassung, lag Ioannina als Tech-Standort zunächst nicht unbedingt auf der Hand. "Aber je mehr wir hier mit den Leuten gesprochen haben, umso mehr haben wir gemerkt: Das macht Sinn, hier ist Potenzial", sagt Deutscher.

Ioannina liegt liegt im Nordwesten Griechenlands, etwa drei Autostunden von Thessaloniki entfernt. Ein entscheidender Faktor, den Standort hierher zu legen, sei die Nähe zu den vier Universitäten im Einzugsgebiet von Ioannina, sagt Oliver Steil, Vorstandsvorsitzender von Teamviewer. Denn in Deutschland sei es schwer, Programmiererinnen und Programmierer zu finden. "Da ist sehr viel Wettbewerb für Talente, insbesondere für Software-Entwickler", so Steil. Aber in Ioannina gebe es viele gut ausgebildete, motivierte und innovative Leute.

Neue Jobs und Digitalisierung als wichtigste Ziele

Die griechische Regierung habe großes Interesse daran, diese Leute im Land zu halten, sagt Premierminister Kyriakos Mitsotakis im ARD-Interview. "Mein Ziel Nummer Eins ist es, Jobs zu kreieren und jungen Griechinnen und Griechen die Möglichkeit zu geben, hier in Griechenland Karriere zu machen." Um das zu erreichen, ist das Land mehr denn je auf Investoren aus dem Ausland angewiesen. Denn die Corona-Pandemie hat Griechenland besonders stark zugesetzt. Die Staatsverschuldung ist auf mehr als 200 Prozent des Bruttoinlandsproduktes gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt bei gut 16 Prozent.

Die Regierung lockt nun einerseits mit Steuererleichterungen für Unternehmen. Andererseits soll die digitale Infrastruktur stark ausgebaut werden. Dafür möchte das Land auch die Mittel aus dem Corona-Aufbaufonds der EU nutzen: insgesamt 30,5 Milliarden Euro an Zuschüssen und Krediten. Knapp ein Viertel will die Regierung in die Digitalisierung investieren: So soll zum Beispiel die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung sowie der Ausbau von Glasfasernetzen und 5G-Technologie vorangetrieben werden.

Nicht mehr "Griechenland der Krise"

Man habe bereits vor der Pandemie begonnen, Prozesse in der öffentlichen Verwaltung zu digitalisieren, so Mitsotakis. Nun habe man die zusätzlichen finanziellen Mittel, um diese Transformation noch weiter voranzutreiben. Die Botschaft des Premierministers: Man sei nicht länger ein "Griechenland der Krise", sondern vielmehr ein Griechenland, das schnell wachse und offen für ausländische Investments sei.

Tatsächlich entdecken immer mehr Unternehmen den Standort Griechenland für sich. So will beispielsweise Microsoft eine Milliarde Dollar in den Aufbau von drei Datenzentren seiner Cloud-Computing-Plattform Azure investieren.

Auch Teamviewer möchte seinen Standort in Ioannina ausweiten. Das Unternehmen begann dort mit 18 Beschäftigten - mittlerweile sind es 50. Mittelfristig sollen hier 150 bis 200 Mitarbeitende ansässig werden. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Entwicklung der Infrastruktur in Ioannina weitergehe, sagt Standortleiter Deutscher. Ein wichtiger Baustein sei der geplante Tech-Hub: ein Gelände, das ganz nach den Bedürfnissen von Unternehmen insbesondere aus dem IT-Bereich konzipiert ist. Nach den Plänen der Regierung soll er bereits bis Ende kommenden Jahres fertig sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Juni 2021 um 07:48 Uhr.