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Neues Google-Rechenzentrum Polen lockt die Tech-Branche

Stand: 17.05.2021 18:33 Uhr

Polen gibt sich fortschrittlich: Mit guter Infrastruktur und starkem IT-Sektor ist es dem Land gelungen, den Internet-Riesen Google anzulocken. Der hat kürzlich ein neues Rechenzentrum in Warschau eröffnet.

Von Martin Adam, ARD-Studio Warschau

Mit einer Liveübertragung Mitte April nimmt Google sein neues Cloudrechenzentrum in Polen in Betrieb. Etwa zwei Milliarden Dollar hat das Unternehmen investiert, um in Warschau eine "Region" zu eröffnen - eines von 25 Rechenzentren weltweit und neben dem in Frankfurt am Main ein wichtiger Knotenpunkt in Zentraleuropa. Ein Durchbruch - für Google und für Polen, beteuert die Direktorin von Google Cloud Polska, Magdalena Dziewguć.

"Seit 15 Jahren ist Google in Polen vertreten, und immer noch können wir nicht glauben, wie groß das Energie- und Kreativitätslevel hier ist, wie viel Potenzial die Polinnen und Polen haben", schwärmt Dziewguć. "Wir hoffen, dass unsere Investition ganz neue Möglichkeiten eröffnet, damit Polen zum Leader in dieser digitalen Welt wird."

Das Versprechen: schnelle IT für alle

Mehrere Hundert Arbeitsplätze wolle man schaffen, mehrere Tausend Anwenderinnen und Anwender seien schon geschult, Google sei richtig in Polen - aber auch wichtig, daran lässt Dziewguć bei ihrem Auftritt keinen Zweifel: "Die Eröffnung der Region 'Google Cloud Warszawa' werden alle bemerken", verspricht sie. "Unternehmen bekommen Zugang zu modernsten IT-Dienstleistungen wie Künstlicher Intelligenz oder maschinellem Lernen, die riesige Datenmengen in Echtzeit verarbeiten können." Und: "Die Kunden werden das spüren in Form von schnelleren Apps, schnellerer Bedienung in Online-Shops oder Callcentern."

Schnell war auch Google. Nicht einmal anderthalb Jahre lagen zwischen Ankündigung und Eröffnung der "Region" - zur großen Freude von Premierminister Mateusz Morawiecki, der bei einem Auftritt vor Wirtschaftsvertretern vor wenigen Tagen sein Land auf dem Weg zum IT-Drehkreuz zwischen Europa und den USA sah.

"Polen ist das proeuropäischste und gleichzeitig proamerikanischste Bindeglied der transatlantischen Zusammenarbeit und damit global ein sehr wichtiger Partner", so Morawiecki. "Das zeigen auch meine Gespräche mit LG Chem, die in Polen eine neue Fabrik bauen wollen, mit der Geschäftsführung von Google und von Mercedes, die über Investitionen nachdenken. Pfizer, AstraZeneca, all diese Gespräche zeigen, wie groß das Interesse an Polen ist."

"Digitales Herz Europas"?

Tatsächlich steht die polnische Wirtschaft gut da, und vor allem der IT-Sektor sorgt international für Beachtung. Der Spieleentwickler "CD Projekt" ist mit mehr als acht Milliarden Euro Börsenwert das teuerste Unternehmen der europäischen Gamingbranche. Und 2020, bereits mitten in der Pandemie, erklärte Microsoft, Polen werde das "digitale Herz Europas", weswegen man auch etwa eine Milliarde Dollar investieren werde.

Alles deute auf weiteres Wachstum hin, befinden auch die Analysten der Unternehmensberatung McKinsey: "Wir sehen sowohl Polen als auch andere Länder der Region als digitale Herausforderer", sagt Tomasz Marciniak von McKinsey. "Die Einschränkungen der Pandemie haben in diesem Sektor eine deutliche Beschleunigung bewirkt. Allein von Januar bis Mai 2020 hat sich die Digitalwirtschaft mehr als zweieinhalb mal so schnell entwickelt wie in den Vorgängerjahren." Die Entwicklungsgrundlage, befindet Marciniak, sei solide. "Die ökonomische Lage ist relativ stabil und das 4G-Netz in 94 Prozent der bewohnten Gebiete ausgebaut."

Polen zieht weiterhin Investoren aus dem Ausland an, trotz der Streitigkeiten über die nationalkonservative PiS-Regierung. Sollte der Konflikt mit der Europäischen Union allerdings wirklich darin münden, dass Brüssel irgendwann in nennenswerten Größenordnungen europäische Gelder streicht, dürfte das der polnischen Wirtschaft ernsthaft zusetzen.