Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1. | dpa

Problem der Infrastruktur Eigentlich gibt es Gas im Überfluss

Stand: 11.07.2022 17:06 Uhr

Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs ist Gas knapp und ein begehrtes Gut. Dabei gibt es in vielen Regionen der Welt große Gasvorkommen - doch der Transport ist in den meisten Fällen schwieriger als per Pipeline aus Russland.

Von Bibiana Barth, ARD-Börsenstudio

Eigentlich könnte man beim Gas aus dem Vollen schöpfen. Denn neben Russland haben noch viele andere Länder große Gasvorkommen. Verteilt seien diese auf der ganzen Welt, erklärt Gabriele Widmann, Energieexpertin bei der Deka Bank, auf tagesschau24: "Die liegen in den USA, aber auch Iran, Katar hat Riesen Vorräte. Nordafrika - Algerien beispielsweise, aber auch China und Norwegen und Australien, haben alle große, große Gasvorräte."

Es mangelt nicht an Gas, sondern an Infrastruktur

Das Problem ist jedoch ein ganz Simples. Man kommt schlicht nicht an das Gas heran. Denn Erdgas ist im Vergleich zum Öl schwer zu transportieren. Deshalb haben viele Abnehmer bisher auf Öl gesetzt. Gas kann entweder per Pipeline oder per Schiff transportiert werden. Auf Pipelines zu setzen, war bisher verhältnismäßig bequem und günstig. Russland ist nicht weit weg - das ist ein Grund, warum Gas bislang so billig war. "Die anderen großen Gaslieferländer, die sind nicht so leicht zu erreichen", erklärt Expertin Widmann. "Da brauchen wir Schiffe. Dazu müssen wir es auf -165 Grad Celsius kühlen. Das ist aufwendig, das kostet mehr Zeit, das kostet mehr Geld."

Und auch die Schiffe an sich sind ein Problem. Die sogenannten FSRU - Floating Storage Regasification Units - sind wahre Alleskönner, aber gerade knapp auf dem Weltmarkt, weiß Widmann. "Zum einen hat Deutschland versucht, diese Schiffe mitzunutzen, aber das ist schwierig, weil andere diese auch nutzen wollen." Auch Neubestellungen seien wegen der globalen Lieferengpässe ebenfalls schwierig. "Es dauert Monate, bis so ein Schiff gebaut ist und auch wirklich im aktiven Betrieb sein kann."

Mittelfristig zurück zur Energiestabilität?

Neben den Schiffen fehlen aber auch Anland-Stationen an den Häfen, sogenannte die LNG Terminals, also Flüssigerdgasterminals. In Wilhelmshaven an der Nordsee entsteht nun Deutschlands erstes LNG-Terminal. Bis LNG-Terminals fertig sind, braucht es Übergangslösungen so Claudia Kemfert, Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, auf tagesschau24. "Entweder über die Terminalkapazitäten in Belgien oder Holland, oder wir werden ja jetzt übergangsweise auch schwimmende Terminals haben im Norden, die erstmal temporär da sind im Norden Deutschland."

Und auch die Pipelines haben noch nicht ausgedient. Während die Pipelines aus dem Osten über die Ukraine, Polen und Russland nicht mehr für Stabilität sorgen, könnten andere Pipelines zum Beispiel nach Katar zukünftig für Entlastung sorgen. Mittelfristig, so die Expertinnen, kann durch neue Gaslieferungsmethoden und durch das Setzen auf erneuerbare Energien die Situation wieder stabilisiert werden.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 26. Juni 2022 um 17:48 Uhr.