Facebook hat die automatische Gesichtserkennung in Deutschland aktiviert. Das Ende der Privatsphäre? | dpa

Internetkonzern Meta Facebook schaltet Gesichtserkennung ab

Stand: 03.11.2021 08:44 Uhr

Der Internetkonzern Meta hat angekündigt, die Gesichtserkennung beim Online-Netzwerk Facebook abzuschaffen. Der Konzern begründete den Schritt mit gesellschaftlichen Bedenken gegen die Technologie.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Der von Facebook in Meta umbenannte Internetkonzern aus dem Silicon Valley gibt sich einsichtig. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben seine mehr als ein Jahrzehnt betriebene Gesichtserkennungssoftware abschalten. Man werde rund eine Milliarde Nutzerdaten löschen und die Gesichtserkennung stoppen, teilte das Online-Netzwerk mit.

Jerome Pesenti, Vize-Chef der Abteilung für Künstliche Intelligenz bei Meta schrieb in einem Blogeintrag, es gebe viele Bedenken in der Gesellschaft gegen die Technologie. Außerdem hätten es die Gesetzgeber immer noch nicht geschafft, klare Regeln für solche Systeme aufzustellen. Ein Abschaltdatum nannte der Manager aber nicht. 

Der Konzern hatte die Funktion 2010 eingeführt. Sie identifizierte automatisch Personen, die in den digitalen Fotoalben der Nutzerinnen und Nutzer auftauchten. So war eine Verknüpfung von Gesicht und Konto möglich.

640 Millionen Menschen nutzen Gesichtserkennung

Facebook hat inzwischen eines der größten digitalen Fotoarchive der Welt aufgebaut, auch dank dieser Software. Mehr als ein Drittel der täglich aktiven Facebooknutzerinnen- und -nutzer haben in den Nutzungsbedingungen eingewilligt, dass ihre Gesichter vom System der Online-Plattform erkannt werden können. Das sind rund 640 Millionen Menschen.

Weil die Technologie in den vergangenen Jahren aber stetig besser wurde, steht sie immer mehr in der Kritik. So setzt die chinesische Regierung Gesichtserkennungssoftware ein, um die muslimische Minderheit der Uiguren zu überwachen. Polizeibehörden in den USA nutzen die Technik ebenfalls. In einigen Bundesstaaten und Städten ist sie aber mittlerweile wieder verboten worden, um Missbrauch zu verhindern.

Facebook nach Whistleblowing in der Kritik

Facebook versucht derzeit, sich mit positiven Nachrichten ins Gespräch zu bringen. Der Konzern steht seit Wochen in den USA in der Kritik. Der Vorwurf: Es unternehme zu wenig gegen Fake News und Hassbotschaften, stelle Profitgier über das Wohl seiner Userinnen und User und verletze regelmäßig deren Privatsphäre.

Zudem legten durchgestochene Unterlagen der Ex-Mitarbeiterin und Whistleblowerin Frances Haugen nahe, dass das Unternehmen über die schädliche Wirkung seiner Produkte gerade für junge Leute Bescheid wusste, jedoch wenig dagegen unternommen habe.

Erst am Donnerstag hatte das Unternehmen angekündigt, dass es sich in Meta umbenennt. Die Namensänderung gilt nicht für das soziale Netzwerk selbst.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. November 2021 um 08:00 Uhr.