5G-Mobilfunkantenne | dpa

Superschneller Mobilfunk Europa hinkt beim 5G-Ausbau hinterher

Stand: 16.06.2021 11:11 Uhr

Der Ausbau der neuen Mobilfunkgeneration schreitet voran. Weltweit könnten in diesem Jahr eine halbe Milliarde Menschen 5G nutzen. Vorn liegen einer Studie zufolge vor allem Netze in Asien und Nordamerika.

Im Rennen um den Ausbau der fünften Mobilfunkgeneration (5G) droht Westeuropa von Nordamerika, Nordostasien und den Golfstaaten auf der arabischen Halbinsel überholt zu werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des schwedischen Netzwerkausrüsters Ericsson. Danach sind in Nordostasien (inklusive China und Südkorea) Ende 2020 bereits neun Prozent aller Mobilfunkverträge auf 5G umgestellt worden. In Westeuropa habe dieser Wert bei lediglich einem Prozent gelegen. Weltweit sei zu erwarten, dass bis Ende 2021 bereits 580 Millionen Menschen 5G-Netze nutzen.

Wegen der Corona-Pandmie seien in Europa einige Frequenzversteigerungen verschoben worden, so Ericsson in seinem "Mobility Report". Dies wirke sich kurzfristig auf die Bereitstellung und Abdeckung von 5G in der Region aus.

Früher Ausbau in den Golfstaaten

Dennoch werde die 4G-Technologie in den kommenden Jahren auch in Westeuropa weiter zurückgedrängt, zugunsten von 5G. Während 4G (LTE) derzeit die dominierende Zugangstechnologie ist und 78 Prozent aller Verträge ausmacht, prognostiziert Ericsson bis Ende 2026 einen Rückgang auf 27 Prozent. Die 5G-Durchdringung werde dann rund 69 Prozent erreichen. Ältere Standards wie UMTS (3G) verschwinden fast komplett.

Damit wäre die 5G-Durchdringung in Westeuropa niedriger als in Nordamerika, wo der Prognose zufolge im Jahr 2026 fast 84 Prozent aller Mobilfunkverträge auf dem 5G-Standard basieren könnten. In den Golfstaaten wird mit einem Anteil von 73 Prozent gerechnet. Im Jahr 2019 gehörten diese Länder bereits zu den ersten der Welt, die kommerzielle 5G-Dienste einführten. In Nordostasien würden dagegen bis 2026 voraussichtlich nur zwei Drittel (65 Prozent) aller Mobilfunkverträge auf 5G umgestellt. In absoluten Zahlen werden für Asien bei weiten die meisten 5G-Verträge vorhergesagt (1,4 Milliarden). Für Nordamerika erwartet die Studie 340 Millionen 5G-Verträge.

In anderen Regionen der Welt, darunter in Indien und Lateinamerika, bleibe auch 2026 die derzeitige 4G-Technologie dominierend. Insgesamt erwartet Ericsson, dass die Zahl der 5G-Mobilfunkanschlüsse bis zum Jahr 2026 auf 3,5 Milliarden anwachsen wird - davon fast 500 Millionen in Europa.

Mehr kabellose Festnetzverbindungen

Getragen wird die 5G-Technologie von Smartphones, die bereits heute den größten Teil des mobilen Datenverkehrs ausmachen. Bis 2026 dürfte laut Ericsson gut die Hälfte - 53 Prozent - des mobilen Datenverkehrs über 5G-Netze laufen.

Der schwedische Netzwerkausrüster prognostiziert zudem, dass die Zahl der kabellosen Festnetzverbindungen (Fixed Wireless Access, FWA) bis Ende 2026 fast 180 Millionen erreichen wird. Bis zu diesem Zeitpunkt werde der Mobilfunk für die eigenen vier Wände rund 20 Prozent des weltweiten mobilen Netzdatenverkehrs ausmachen. Die kabellosen Festnetzverbindungen über 4G oder 5G konkurrieren mit klassischen Breitbandverbindungen wie DSL, Kabel-Internet oder Glasfaserverbindungen. Sie sind vor allem in der Bereitstellung auf der "letzten Meile" günstiger, weil man dafür keine Leitungen vom Verteilerkasten in die Wohnungen oder Büros legen muss.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juni 2021 um 16:44 Uhr.