Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde in der Lausitz auf. | dpa

Wichtigster Energieträger Kohle löst Windkraft ab

Stand: 17.03.2022 15:51 Uhr

Die Stromerzeugung in Deutschland durch erneuerbare Energien ist 2021 um knapp acht Prozent gesunken. Wichtigster Energieträger war die Kohle - und löste damit die schwächelnde Windkraft ab.

Trotz der Anstrengungen im Klimaschutz ist der in Deutschland ins Netz eingespeiste Strom 2021 mehrheitlich aus konventionellen Energieträgern gekommen. Ungünstige Wetterbedingungen sorgten dafür, dass Kohle die Windkraft als wichtigsten Energieträger ablöste, wie das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden mitteilte.

Die Stromproduktion aus konventionellen Quellen wie Kohle, Erdgas oder Atomenergie stieg danach im Vergleich zum Vorjahr um 11,7 Prozent und machte 57,6 Prozent an der gesamten Erzeugung aus. Die Einspeisung aus erneuerbaren Energien sank dagegen um 7,6 Prozent und kam auf gut 42 Prozent. Lediglich im Mai lag der Anteil von Windkraft, Photovoltaik, Biogas und Wasserkraft höher.

Anteil von Kohlestrom bei 30 Prozent

Mit einem Plus von fast einem Viertel verbuchte der klimaschädliche Strom aus Kohlekraftwerken den höchsten Anstieg gemessen am Vorjahr. Der Anteil von Kohlestrom an der eingespeisten Strommenge betrug gut 30 Prozent - nach zuvor 24,8 Prozent.

Kohlestrom in Deutschland stammt zu rund 60 Prozent aus der als besonders klimaschädlich geltenden Braunkohle, wie die Statistiker mitteilten. Der Bedarf an Braunkohle wird danach "weitestgehend durch inländische Förderung" gedeckt, der Bedarf an Steinkohle durch Importe.

Bis spätestens 2038 und idealerweise bis 2030 will Deutschland aus der Stromproduktion mit Kohle aussteigen, wie es im Koalitionsvertrag heißt. Bereits 2030 soll der Anteil der Kohleverstromung nach den Plänen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz auf neun GW Braunkohle und acht GW Steinkohle sinken.

Windkraftausbau stockt

Dann sollen 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen und allein die Leistung der Windenergie an Land verdoppelt werden. Doch der Weg dahin könnte lang werden. Denn der Ausbau stockt: Einer SWR-Auswertung zufolge war 2021 eines der schlechtesten Jahre in Deutschland seit der Jahrtausendwende.

Dazu kommt, dass die Erzeugung aus erneuerbaren Energien schwankt. Die Windräder an Land und auf See steuerten im vergangenen Jahr weniger Strom bei, weil es im Frühjahr weniger windig war als im Jahr zuvor. Strom aus Windkraft hatte dadurch lediglich einen Anteil von 21,5 Prozent. 2020 war sie noch mit 25,2 Prozent erstmals der wichtigste Energieträger in der Stromproduktion gewesen. Auch die Einspeisung aus Photovoltaik sank leicht auf auf einen Anteil von 8,7 Prozent.

Anteil von Erdgas gesunken

Der Anteil von Erdgas an der Stromerzeugung, der aktuell wegen der wirtschaftlichen Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine besonders im Fokus steht, lag 2021 bei 12,6 Prozent - nach 13,7 Prozent im Vorjahr. Vor allem im dritten Quartal ging die er laut den Statistikern wegen deutlich gestiegener Preise zurück.

Die Stromeinspeisung aus Atomkraft stieg im Vergleich zu 2020 auf einen Anteil von 12,6 Prozent an der gesamten eingespeisten Strommenge. 2020 waren es 12,1 Prozent gewesen. "Ende 2021 wurden allerdings im Rahmen des Ausstiegs aus der Atomenergie drei der sechs bis dahin noch im Betrieb befindlichen Kernkraftwerke abgeschaltet", hob das Bundesamt hervor. Daher werde der Anteil deutlich abnehmen.

Insgesamt wurden demnach im vergangenen Jahr knapp 518 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist. Das waren 2,6 Prozent mehr Strom als im Vorjahr, aber 3,1 Prozent weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Dezember 2021 um 14:00 Uhr.