Oberfläche des Mars | EPA

Umstrittene Besiedlungspläne Die Mars-Utopien des Elon Musk

Stand: 25.04.2021 09:24 Uhr

Der US-Milliardär und Weltraum-Unternehmer Elon Musk will auf dem Mars eine Kolonie aufbauen - für Hunderttausende. Doch vieles spricht dagegen, dass das gelingen kann.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio

Der Planet Mars, sagt Elon Musk, biete sich zur Kolonisierung an, weil es dort Sonnenlicht und eine Atmosphäre gebe. Die Tageslänge sei vergleichbar mit der auf der Erde, und es sei möglich, Pflanzen zu züchten. Eine Million Menschen will Musk auf den Mars befördern. In weniger als zehn Jahren soll es losgehen.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Der ehemalige NASA-Wissenschaftler und Professor an Stanford-Universität Scott Hubbard bremst allerdings die Euphorie. "Die Unterkünfte werden wohl eher einer Forschungsstation in der Antarktis gleichen", sagt der Experte. "Eine begrenzte Zahl von Menschen können dort leben. Musks Visionen sind größer, sie gehen über eine Forschungsstation hinaus. Das scheint mir ein sehr sehr schwieriges Unterfangen zu sein."  

Gefährliche Reise durchs All

Hubbard ist beileibe kein Musk-Kritiker. Der 73-Jährige wird von Musk bezahlt. Er sitzt einem Beratergremium der Raketen-Firma SpaceX des US-Milliardärs vor, das sich mit Sicherheitsaspekten der Raumfahrt befasst. Alleine der Transport von Menschen und Material zu dem Planeten dauere mehr als ein halbes Jahr. Und die Reise dorthin sei sehr gefährlich. 

Auch der deutsche Wissenschaftsblogger Alderamin sieht die Visionen von Musk eher als Utopien an. Auf der Oberfläche des Mars zu arbeiten sei sehr gefährlich, weil die radioaktive Strahlung extrem hoch sei, meint der Physiker.

"Der Mars hat kein Magnetfeld wie die Erde, das heißt, die Partikel von der Sonne kommen fast ungebremst auf dem Marsboden an", sagt der Blogger. "Dazu kommt auch noch Strahlung aus der Tiefe des Weltalls als die kosmische Strahlung." Davor könne man sich durch Bleiplatten schützen, die seien aber zu schwer, um sie zum Mars zu bringen. "Oder man muss sich irgendwie mit dem bedienen, was auf dem Mars vorhanden ist."

Kosten von Hunderten Milliarden

Sprich: Mars-Spaziergänge dürften eher selten sein. Strahlung und extrem hohe Temperaturschwankungen von bis zu 100 Grad Celsius und mehr machen Exkursionen sehr aufwendig. Er habe großen Respekt vor den Raketenentwicklungen, betont Wissenschaftsblogger Aldemarin, aber in der Wissenschafts-Community werde Elon Musk einfach nicht ernst genommen. Das seien schlicht Utopien.

"Das Starship wird sicherlich als Frachtraumschiff tolle Dienste leisten, aber Millionen Menschen auf dem Mars, das sieht eigentlich niemand", sagt er. Sowieso sei Musks Beitrag eher, das "Taxi zum Mars" zu entwickeln. "Aber die ganze Infrastruktur auf dem Mars soll die NASA stellen. Und da geht es um viele Hundert Milliarden Dollar, die das kosten wird. Die muss jemand aufbringen, und die müssen sich irgendwie rechnen."

"Bis 2039 Menschen auf dem Mars"

Stanford-Professor Hubbard meint, dass die ersten Menschen bald auf dem Mars landen werden. An eine großangelegte Besiedelung glaubt der US-Wissenschaftler aber nicht. "Ich glaube, dass wir bis Ende der 2030er-Jahre die ersten Menschen auf dem Mars sehen werden. Also zwischen 2033 und 2039."

Fazit: Wenn es um belastbare Aussagen von Elon Musk geht, dann kann man ihn getrost als Mann fürs Grobe bezeichnen. Er nimmt es weder mit Terminen, noch mit der wissenschaftlichen Belastbarkeit seiner Thesen genau.