Windkraft und Solarenergie | imago images / photothek

Dank gesunkenen Verbrauchs Erneuerbare Energien auf Rekordniveau

Stand: 14.12.2020 16:33 Uhr

Der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix war 2020 hoch wie nie - dank gesunkenen Verbrauchs in der Krise. Mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes soll er nochmals deutlich steigen.

Damit der Strommix in Deutschland bis 2030 zu 65 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt, haben sich Union und SPD im Grundsatz auf eine Novelle des erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) verständigt. So wurden neue Regelungen für den Weiterbetrieb von Windkraft-Altanlagen und den weiteren Ausbau der Solarenergie vereinbart. Die Änderungen sollten nun in den Gesetzestext eingearbeitet und die Novelle dann noch in dieser Woche vom Bundestag verabschiedet werden, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

Zu den Onshore-Windanlagen, die wegen ihres Alters aus der Förderung herausfallen, sei eine Übergangsregelung gefunden worden. Demnach soll es für sie zunächst einen Preisaufschlag auf den Marktpreis für Strom geben, später solle dies dann durch ein Ausschreibungsmodell ersetzt werden, bei dem sich die Betreiber um die weitere Nutzung der Anlagen bewerben können. Der "Unsinn", dass funktionierende Anlagen in großer Zahl vom Netz gehen müssen, "ist damit abgewendet", betonte Bundesumweltministerin Schulze. Bei dem Deckel für den Solarausbau sei ebenfalls eine Umgestaltung vereinbart worden, damit der vorgesehene Zubau "zuverlässig erreicht wird".

Noch keine Verständigung gibt es über die konkreten Ausbauziele. Die genauen Vorgaben werden erst im Frühjahr 2021 festgelegt. Sie sollen dann in einer Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes erfolgen. "Wir brauchen nicht weniger, wir brauchen mehr erneuerbare Energie", betonte Umweltministerin Schulze.

Photovoltaik-Anlage | colourbox.de

Der Anteil von Solarenergie am Strommix soll steigen. Bild: colourbox.de

Corona-Effekt und günstige Wetterbedingungen

Der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt voran. 2020 haben Windräder, Solaranlagen und andere regenerative Energieträger fast die Hälfte des Stromverbrauchs abgedeckt. Das geht aus vorläufigen Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist der Anteil damit um fast vier Prozentpunkte gestiegen, gegenüber dem Jahr 2018 sogar um mehr als acht Prozentpunkte. Allerdings ist ein Teil dieses Anstiegs auf den vor allem durch die Corona-Pandemie gesunkenen Stromverbrauch zurückzuführen, wie ZSW und BDEW mitteilten. Denn die Erneuerbaren-Quote wird als Anteil am Stromverbrauch gemessen. Daher führt schon ein geringerer Stromverbrauch zu einem Anstieg der Erneuerbaren Energiequellen. Wäre in diesem Jahr genauso viel Strom wie im Jahr 2019 verbraucht worden, hätten Erneuerbare demnach gut 44 Prozent statt rund 46 Prozent des Stromverbrauchs gedeckt.

Ein weiterer Grund für den Ausbau des Öko-Stroms waren 2020 günstige Wetterverhältnisse. "Ungewöhnlich viele Sonnenstunden" sorgten laut ZSW und BDEW zudem für einen deutlichen Anstieg der Stromerzeugung aus Solarenergie um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch für die Windenergie war es ein gutes Jahr. Im ersten Quartal war es zeitweise recht stürmisch, so dass deutlich mehr Strom aus Wind erzeugt werden konnte als im Vorjahr.

Windkraftanlage | picture alliance / imageBROKER

Viele Sonnenstunden und niedriger Verbrauch ließen den Anteil Erneuerbarer am Strommix steigen. Bild: picture alliance / imageBROKER

Lobby-Verbände fordern mehr Tempo beim Zubau

Der Anstieg dürfe allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, "dass der Ausbau der Erneuerbaren nicht schnell genug voran geht", erklärte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae. Denn der Strombedarf werde bis 2030 "aller Voraussicht nach deutlich steigen". 

Die Lobby-Verbände machen Druck. Wenn der Zubau "weiterhin nur mit gezogener Handbremse erfolgt, können wir die gesteckten Klimaschutz-Ziele nicht erreichen", mahnte Andreae. Um dem Ausbau der Erneuerbaren wieder Schwung zu verleihen, müsse die Bundesregierung nun "eine ambitionierte EEG-Novelle beschließen und die für den Ausbau der Erneuerbaren so dringend benötigten Maßnahmen zeitnah umsetzen".

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 14. Dezember 2020 um 13:13 Uhr.