Mischlingshündin Franky liegt auf einem Fell auf der Couch.  | dpa

"Dog Phone" Wenn der Hund kurz durchruft

Stand: 26.12.2021 09:38 Uhr

Das Babyphone ist aus dem Haushalt junger Familien nicht mehr wegzudenken. Nun haben britische Forscher das "Dog Phone" entwickelt: Damit können Hunde Kontakt zu Herrchen und Frauchen aufnehmen.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

Hat der Hund heute schon angerufen? Die Frage steht wohl bald im Raum. Denn Herrchen und Frauchen bekommen eine neue Möglichkeit, mit ihrem Vierbeiner zu kommunizieren, oder genauer gesagt: Der Vierbeiner bekommt die Chance, sich bei seinen Besitzern zu melden - per "Dog Phone". Bei dem Hunde-Telefon steckt ein Bewegungssensor in einem Spielball. Der Sensor ist mit einem Laptop verknüpft. Bewegt der Hund den Ball, löst er damit ein Videotelefonat aus.

Imke Köhler ARD-Studio London

"Das sind soziale Tiere"

Die Leiterin des Forschungsprojekts an der Glasgow University, Ilyena Hirskyj-Douglas, hat die Erfindung an ihrem neunjährigen schwarzen Labrador Zack getestet. "Zum Schluss hat er mich ungefähr fünf Mal pro Tag angerufen", schildert sie das Ergebnis der dreimonatigen Testphase. "Er hat dann verschiedene Sachen gemacht: Mal hat er Spielzeug nach mir geworfen, mal nur geschaut, mal ist er sehr nah an den Bildschirm gekommen." Das sei von Tag zu Tag und von Anruf zu Anruf verschieden gewesen, so die Forscherin.

Manchmal ist er aber wohl auch nur aus Versehen gegen den Ball gestoßen und hat sich dann mehr fürs Körbchen interessiert als fürs Telefonieren. Immerhin habe sie gesehen, dass es dem Hund gutgeht, sagt Hirskyi-Douglas. Ihre eigenen Anrufe hat der Labrador allerdings ignoriert.

Hilfe gegen den Trennungsschmerz

Dennoch: Das Dog Phone soll Hunden bei Trennungsschmerz helfen, heißt es. Gerade nach all den Lockdowns, in denen Herrchen und Frauchen viel zu Hause waren, zeige sich, wie schwierig es für Hunde sei, plötzlich wieder über viele Stunden allein zu sein. In solchen Fällen könne das Dog Phone helfen.

Und dann ruft also der Hund seinen Besitzer an? Tierpsychologe Roger Mugford ist überzeugt davon, dass die Kommunikation über das elektronische Spielzeug funktionieren kann. "Was diese Forschung wirklich bedeutend macht, ist, dass sie uns weitere Einblicke gewährt, wie clever Hunde sind. Und das sind soziale Tiere", sagt Mugford in der BBC. "Für Hunde, die alleingelassen werden, ist das eine echte Entbehrung. Technologie, die ihnen ein interessanteres Leben verschafft, werden sie nutzen. Natürlich."

Mehr "Teilhabe" für den Hund?

Der Hund im Video-Call, das ist für Studienleiterin Hirskyj-Douglas nur der erste Schritt hin zu einer ganz neuen Lebenswirklichkeit für Haustiere. "Ich glaube, das ist der Beginn davon, wie Technologie Tieren Kontrolle über ihr Zuhause geben kann: das Licht anzumachen, die Heizung anzustellen, sich mit einander zu verbinden oder einfach nur ihre Umgebung zu kontrollieren", sagt sie und ist überzeugt: "Das ist der Beginn davon, den Hund zu befähigen, viel mehr mit dem Internet zu machen und zu viel mehr Dingen Zugang zu haben."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. Dezember 2021 um 05:44 Uhr.