Außenansicht der Halbleiterfabrik von Bosch in Dresden | REUTERS

Anhaltender Chipmangel Bosch eröffnet Chipfabrik in Dresden

Stand: 07.06.2021 13:19 Uhr

Der Chipmangel beschäftigt die Auto- und Konsumgüterindustrie. Flex, einer der großen Hersteller, schreckt jetzt mit einer finsteren Prognose. Bosch will mit seiner neuen Fabrik in Dresden auf die nächste Chip-Krise vorbereitet sein.

Nicht nur Autohersteller müssen aufgrund des Chipmangels teilweise ihre Produktion drosseln. Auch in der Konsumgüter- und Computerindustrie überfordert die hohe Nachfrage die Kapazitäten der Chipindustrie. Hintergrund sind neben der unerwartet kräftig gestiegenen Auto-Nachfrage die Lockdowns rund um den Globus, die auch die Nachfrage nach Unterhaltungselektronik - wie etwa Spielekonsolen oder TV-Geräten - massiv steigen ließen.

Der daraus folgende Mangel wird wohl länger anhalten als gedacht. Selbst Smartphones oder Haushaltsgeräte könnten von den Engpässen betroffen werden. Flex, der weltweit drittgrößte Chiphersteller aus Singapur, teilte jetzt mit, dass bei der Versorgung noch mindestens ein Jahr mit Engpässen zu rechnen sei. Wie die "Financial Times" (FT) schreibt, sei der Flex-Ausblick einer der düstersten der Branche.

Chipmangel bis 2023?

Die "FT" zitiert die zuständige Managerin Lynn Torrel, die davon spricht, dass der Mangel bis etwa Mitte, Ende des Jahres 2022 anhalten könnte. Einige würden sogar damit rechnen, dass sich das Problem bis in das Jahr 2023 hinziehen werde, so die Expertin.     

Mehr regionale Produzenten

Denn die Autoindustrie wird immer abhängiger von moderner Informationstechnologie und den dazu erforderlichen Bauteilen. Mittlerweile wird ein Großteil der komplexer werdenden Fahrzeug-Prozesse elektronisch gesteuert. Jia Xinguang, Direktor der Vereinigung der chinesischen Autohändler, beklagte, dass die Autoindustrie nicht in der Lage sei, ihre eigenen Chips herzustellen.

Flex-Vorstands-Chefin Revathi Advaithi ergänzt in der FT, dass die aktuelle Chipkrise für die Unternehmen ein Anlass sei, ihre Lieferketten zu überdenken und eventuell mehr auf regionale Produzenten zu setzen.     

Boschs Hightech-Chipfabrik in Dresden

Der Technologiekonzern und Autozulieferer Bosch nimmt heute, knapp drei Jahre nach der Grundsteinlegung, eine neue Halbleiterfabrik in Dresden in Betrieb. Damit erfüllt das Unternehmen zum einen den Wunsch der Industrie nach eigenen Chip-Kapazitäten. Zum anderem ist damit auch, zumindest was Deutschland betrifft, für regionalen Nachschub gesorgt.

Bosch will in Dresden künftig auf 300-Millimeter-Wafern Chips für das Internet der Dinge und die Automobilindustrie fertigen. In dem neuen Werk soll erstmals durchgehend Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte den Bau der Hightech-Firma in Dresden mit rund 140 Millionen Euro gefördert, Bosch investierte rund eine Milliarde Euro.

Langfristig sollen dort rund 700 neue Arbeitsplätze entstehen. Der vollständige Produktionsstart ist für Ende 2021 geplant, Mitte 2022 sollen die ersten Chips verkauft werden.

Bessere Optimierungsmöglichkeiten

Gegen die aktuelle Knappheit wird die neue Bosch-Fabrik bestenfalls bedingt helfen können. Gleichwohl unterstreicht Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach im "Handelsblatt", dass diese strategische Entscheidung ein Resultat der langfristigen Orientierung des Unternehmens sei. Im Jahr 1970 habe Bosch in Reutlingen bereits mit der Halbleiterfertigung begonnen.

Vorstandschef Volkmar Denner fügt hinzu, dass Bosch durch die Eigenfertigung der aktuelle Chipmangel nicht mit voller Wucht treffe. Bei der Entwicklung der für das Auto immer wichtiger werdenden Software sei es von Vorteil, das Thema bis auf die Chip-Ebene zu durchdringen: "Mit dem kompletten Systemverständnis hat man völlig andere Optimierungsmöglichkeiten zwischen Hardware und Software", erklärt Denner.  

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sprach vom Beginn einer "neuen Ära der Mikroelektronik". Die Investition sei "ein klares Zukunftssignal für Deutschland und Sachsen und Ausdruck der hervorragenden Forschungskompetenz und Innovationskraft im Mikroelektronik-Cluster Silicon Saxony", erklärte Altmaier.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 07. Juni 2021 um 12:09 Uhr.