Vulkan Chaparrastique San Miguel, El Salvador | picture alliance / dpa

Plan aus El Salvador Bitcoin-Schürfen mit Vulkanenergie?

Stand: 10.06.2021 12:45 Uhr

Völlig sauber, komplett erneuerbar: El Salvadors Präsident Nayib Bukele plant das Schürfen von Bitcoins mit Hilfe von Energie aus Vulkanen. So will das Land den hohen Energieverbrauch in den Griff bekommen.

El Salvador will für das energieintensive Schürfen der Kryptowährung Bitcoin die Erdwärme aus Vulkanen nutzen. Er habe den staatlichen geothermischen Stromkonzern LaGeo beauftragt, einen entsprechenden Plan auszuarbeiten, twitterte Präsident Nayib Bukele.

Das sei sehr billig, 100 Prozent sauber und erneuerbar, verbreite keine Emissionen und werde sich schnell weiterentwickeln, ist der Präsident überzeugt. In El Salvador gibt es mehr als ein Dutzend Vulkane, von denen viele noch aktiv sind.  

Riesiger Energiebedarf    

Der immens hohe Energiebedarf des Bitcoin-Minings wird seit längerem in der Öffentlichkeit kritisch diskutiert. Das Cambridge Centre for Alternative Finance (CCAF) befasst sich mit diesem Thema und hat dazu einen Index erstellt. Der Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index soll praktisch in Echtzeit einschätzen, wieviel Strom aktuell für das Mining aufgewendet wird.

Die Daten werden dann auf das Jahr hochgerechnet. Der ermittelte Wert liegt derzeit bei rund 111 Terawattstunden. Das entspricht etwa dem jährlichen Stromverbrauch der Niederlande. Deutschland verbrauchte 2020 nach Angaben des Umweltbundesamtes rund 553 Terawattstunden.

Nach einer Studie der Bank of America emittiert die globale Bitcoin-Industrie jährlich insgesamt 60 Millionen Tonnen CO2, das entspreche dem Ausstoß von rund neun Millionen Autos.      

Bitcoin als Zahlungsmittel…

Vor wenigen Tagen hatte Bukele angekündigt, dass El Salvador als erstes Land den Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel einführen wolle. Er verspricht sich von dem Schritt Tausende neue Arbeitsplätze in dem zentralamerikanischen Land. Unter anderem sollen Steuern in Bitcoin bezahlt werden können.

Bitcoin ist die bekannteste Digitalwährung. Sie wird nicht von einer Zentralbank ausgegeben, sondern durch ein dezentrales Computerverfahren geschaffen, das sogenannte Mining oder Schürfen. Dabei ist keineswegs klar, ob sie sich überhaupt als Zahlungsmittel eignet.

… oder als Spekulationsobjekt?

Denn bislang sind Kryptowährungen vor allem als Spekulationsobjekte aufgefallen, deren Wert extremen Schwankungen ausgesetzt ist: Der Bitcoin notierte um den 10. Mai bei mehr als 55.000 Dollar, aktuell liegt der Kurs bei rund 36.000 Dollar. Wenn der Wert eines Teils der Einnahmen derart starken Schwankungen binnen kürzester Zeit ausgesetzt ist, stellt das eine staatliche Haushaltspolitik vor eine Vielzahl von Problemen.

Auch für Unternehmen ist die hohe Volatilität von Kryptowährungen ein unkalkulierbares Risiko. Der US-Elektroautobauer Tesla hatte beispielsweise im März dieses Jahres begonnen, Bitcoin als Zahlungsmittel für seine Fahrzeuge zu akzeptieren und diesen Schritt wenig später wieder rückgängig gemacht.

Zur Begründung verwies Tesla-Chef Elon Musk auf den "wahnsinnigen" Energieverbrauch des Schürfens. Aber es ist wahrscheinlich, dass Musk als Kaufmann zumindest auch diese Kursschwankungen im Blick hatte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 07. Juni 2021 um 09:13 Uhr.