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Kurswechsel bei Tesla Umweltsünder Bitcoin

Stand: 14.05.2021 10:56 Uhr

Aus Umweltschutz-Aspekten lässt Tesla künftig keine Bitcoins mehr als Zahlungsmittel zu. Die Kehrtwende von Elon Musk rückt den Energiebedarf der Kryptowährung ins Rampenlicht. Und der ist gigantisch.

Es war ein Schock für die Kryptowelt: Überraschend hat Tesla-Chef Elon Musk angekündigt, aus Klimaschutzgründen keine Bitcoins mehr als Zahlungsmittel zuzulassen. "Wir sind besorgt über die schnell zunehmende Nutzung fossiler Brennstoffe für das Schürfen von Bitcoin - und die damit verbundenen Transaktionen", teilte er auf Twitter mit.

Insbesondere der Einsatz von "Kohle, die die schlimmsten Emissionen aller Brennstoffe hat", mache ihm Sorgen. Später legte Musk noch einmal nach und bezeichnete den Bitcoin-Energieverbrauch als "wahnsinnig". Sein Sinneswandel kommt für viele Beobachter unerwartet. Bislang galt der Unternehmer als großer Verfechter von Kryptowährungen.

Musk und der Bitcoin

In den vergangenen Monaten hatte Musk noch regelmäßig Werbung für das digitale Geld gemacht und den Bitcoin als Zukunftswährung bezeichnet. Anfang Februar kaufte er Bitcoins für 1,5 Milliarden Dollar. Die Bilanzen des Elektroautobauers sind unter anderem deshalb so positiv, weil kräftig in die Kryptowährung investiert wurde. Als einer der ersten Großkonzerne gab Tesla zudem Mitte März bekannt, die Währung als Zahlungsmittel für die Elektroautos akzeptieren werde. Damit hatte Musk den Boom der Kryptowährung befeuert, die in der Folge ein Rekordhoch erreichte.

"Die Idee, eine Kryptowährung als Bezahlung für ein energieeffizientes Auto zu nutzen, das ist doch widersprüchlich", sagt CNN-Finanzexpertin Christine Romans. Woher der Sinneswandel komme, habe Tesla nicht gesagt. In Musks Tweet heißt es, Tesla wolle seine Bitcoins nicht verkaufen, sondern dann verwenden, wenn die Herstellung des Kryptowährung auf umweltfreundlichere Energienutzung umgestellt wird.

"Mining-Farmen" mit hohem Rechenaufwand

Der Bitcoin und andere Cyberdevisen stehen schon länger in der Kritik, weil für die Abwicklung von Transaktionen große Rechnerkapazitäten benötigt werden. Der Strom hierfür kommt bislang überwiegend aus Kraftwerken, in denen fossile Brennstoffe verfeuert werden - und damit nicht aus nachhaltigen Quellen.

Die virtuelle Währung wird meist in riesigen "Mining-Farmen" in Ländern mit niedrigen Strompreisen hergestellt. Dort rechnen zahlreiche Computer mit Hochleistungschips rund um die Uhr, um die nächste Rechenaufgabe zu lösen. Neue digitale Münzen werden erschaffen, indem Nutzer für die Verschlüsselung und Validierung von Transaktionen Rechnerkapazitäten zur Verfügung stellen. Sie werden dafür in Bitcoin entlohnt. Allerdings kommt immer nur derjenige zum Zug, der das Ergebnis zuerst liefert.

Mit dem steilen Siegeszug von Bitcoin als Geldanlage und Zahlungsmittel stieg dessen Energiebedarf steil an. Anfangs reichte zum Schürfen noch ein normaler PC. Doch je mehr "Miner" aktiv sind und sich auf die Suche nach neuen Blöcken machen, desto schwieriger ist die Rechenaufgabe (Hash-Rate). Damit erhöht sich der Rechenaufwand - und vor allem der Stromverbrauch.

Gigantischer Stromverbrauch

Einer Untersuchung der Universität von Cambridge und der Internationalen Energieagentur IEA zufolge verbraucht das Mining mit rund 141 Terawattstunden jährlich so viel Strom wie die Niederlande, ein Land mit 17 Millionen Einwohnern. Bereits rund 0,5 Prozent des globalen Stromverbrauchs eines Jahres würden demnach für das Bitcoin-Schürfen aufgewendet.

Wie hoch der Strombedarf des Bitcoin tatsächlich ausfällt, kann allerdings niemand exakt berechnen. Die Plattform Digiconomist des niederländischen Ökonomen Alex de Vries schätzt etwa, dass jährlich knapp 100 Terawattstunden dafür anfallen.

Bitcoin-Befürworter halten Kritikern entgegen, dass das klassische Finanzsystem mit seinen Millionen Beschäftigten, die in klimatisierten Büros an ihren Computern sitzen, ebenfalls große Mengen Energie benötigt.

22 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß pro Jahr

Nach Angaben der Universität von Cambridge werden rund 70 Prozent aller neuen Bitcoins von Schürfern in China gewonnen. In den regenreichen Sommermonaten nutzten diese zwar häufig Strom aus Wasserkraft, in den restlichen Monaten dagegen vor allem Energie aus Kohlekraftwerken.

Die Forscher haben ausgerechnet, dass jede Bitcoin-Transaktion somit einen ökologischen Fußabdruck von 428 Kilogramm des Klimagases CO2 hinterlässt - vergleichbar mit knapp einer Million Buchungen beim Kreditkartenanbieter Visa oder dem Konsum von rund 71.000 Stunden YouTube-Videos.

Einer Studie im Wissenschaftsmagazin "Joule" zufolge sorgen die Bitcoin-Serverfarmen jährlich für einen Ausstoß von 22 bis 22,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Dies entspricht in etwa den Emissionen in Ländern wie Jordanien oder Sri Lanka. Da fossile Brennstoffe in China vergleichsweise billig seien, gebe es wenig Anreize, komplett auf teurere erneuerbare Energien umzustellen, sagen Experten. Daher lasse sich der Fußabdruck von Bitcoin kurzfristig kaum verkleinern.

Gibt es Lösungen?

Ansätze hierzu gibt es allerdings. So werden bei Projekten Wohngebäude oder Gewächshäuser mit der Abwärme der Serverfarmen geheizt. Einige Experten regen zudem an, dass Schürfer zum Ausgleich Emissionszertifikate erwerben. Andere verweisen darauf, dass jeder Bitcoin bis zum Schürfer zurückverfolgt werden kann. Dieser könnte dann einen Aufschlag für "Grüne Bitcoin" erhalten, die mit Hilfe erneuerbarer Energien gewonnen werden.

Auch ein anderes Herstellungsverfahren ("Proof of Stake"), das bereits bei kleineren Kryptowährungen verwendet wird, könnte eine Lösung sein. Dabei spielt die Rechenleistung der "Miner" keine Rolle, die Arbeitsaufgaben zur Blockbildung werden wie bei einer Lotterie vergeben. Weil der Besitz von Hochleistungsrechnern bei diesem neuen Verfahren nicht mehr entscheidend ist, lehnen die meisten Mitglieder der Bitcoin-Community Experten zufolge einen Umstieg auf das umweltfreundlichere Konsensverfahren ab. Schließlich hätten sie große Summen in ihre Technik investiert. Auch die Sicherheit des "Proof of Stake"-Ansatzes wird in der Szene diskutiert.

Experten wie de Vries sehen vor diesem Hintergrund keine Perspektive, dass der Bitcoin irgendwann weniger Energie verschlingen wird - ganz im Gegenteil. Der steigende Kurs animiere immer mehr kommerzielle Bitcoin-Schürfer, ins Geschäft einzusteigen - selbst mit älteren teuren Rechenzentren. Denn aktuell beträgt der Wert eines Bitcoins laut Coinmarketcap.com trotz des Absturzes am Donnerstag immer noch mehr als 41.000 Euro und damit fast 75 Prozent mehr als zu Jahresbeginn.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Mai 2021 um 07:35 Uhr.