Amazon-Gründer Jeff Bezos sitzt begeistert in der Weltraumkapsel von Blue Origin. | REUTERS

Jeff Bezos startet ins All Der nächste Milliardär hebt ab

Stand: 20.07.2021 15:13 Uhr

Nach Richard Bransons erfolgreichem Raketenstart ist nun Konkurrent Jeff Bezos in den Weltraum aufgebrochen. Beide Milliardäre planen ein Geschäft mit Weltraumtourismus.

Von Ute Spangenberger, SWR

Für Jeff Bezos, Amazon-Gründer und Chef der US-Raumfahrtfirma Blue Origin, muss es eine unerträgliche Situation sein: Im Kräftemessen der Milliardäre um das Geschäft mit Weltraumtourismus musste er eine Niederlage einstecken. Schon lange hatte er angekündigt, heute mit seiner "New Shepard"-Rakete zum ersten Mal Menschen Richtung Weltraum zu bringen.

Ute Spangenberger

Konkurrenz um Weltraumtouristen

Ganz kurzfristig und überraschend hatte Konkurrent Richard Branson, britischer Milliardär und Chef des Raumfahrtunternehmens Virgin Galactic, seinen Flug vorverlegt und war vor neun Tagen gestartet. Damit waren ihm die Schlagzeilen sicher. Der nicht minder ehrgeizige und egozentrische Bezos muss jetzt nachziehen. Über Social Media machte er gute Miene zum bösen Spiel und gratulierte seinem Konkurrenten: "Richard Branson und Crew, Glückwünsche zum Flug. Ich kann es nicht warten, dem Club beizutreten".

Jetzt also startet Bezos, und es liegt sozusagen in seiner DNA, dass auch er Rekorde brechen will. Er selbst ist an Bord der "New Shepard"-Kapsel, neben seinem Bruder und - nach Angaben von Blue Origin - dem ältesten und dem jüngsten Menschen, die je im Weltraum waren. Dabei handelt es sich um den 18-jährigen Sohn eines Investment-Bankers aus den Niederlanden und die 82-jährige frühere US-Pilotin Wally Funk, die in den USA eine Legende ist.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Bei den Flügen von Branson und Bezos gibt es einige Gemeinsamkeiten, aber auch einige Unterschiede. Uwe Gradwohl, Raumfahrtexperte beim Südwestrundfunk, erklärt: "Branson nutzte ein Raumflugzeug, das in der letzten Phase der Rückkehr zur Erdoberfläche wie ein Segelflieger zum Startplatz zurückkehren kann. Bezos fliegt in einer Raumkapsel an der Spitze einer wiederverwendbaren Rakete ins All. Diese Kapsel löst sich von der Rakete und landet an Fallschirmen." Beide Flüge, so Gradwohl, seien suborbitale Flüge.

Die beiden Raumfahrzeuge werden bei Weitem nicht schnell genug sein, um dauerhaft in eine Erdumlaufbahn einzutreten. Gradwohl führt aus: "Branson flog auf über 80 Kilometer Höhe und damit über jene Höhenmarke, die für das US-Militär die Grenze zum All definiert. Bezos will über die aus physikalischen Gründen als Grenze zwischen Luft- und Raumfahrt definierte 100-Kilometer-Grenze aufsteigen. Das ist auch die international als Grenzmarke betrachtete Flughöhe."

Da Bezos eine ausbaufähige Rakete und nicht, wie Branson, ein Flugzeug mit vergleichsweise bescheidenem Raketenantrieb entwickelt hat, könnte es für ihn künftig noch etwas weiter ins All hinaus gehen. Im nächsten Schritt will er mit einem weiter entwickelten Raketentyp auch in die Erdumlaufbahn fliegen und ins Satellitengeschäft einsteigen.

Die Rolle von Elon Musk und Space X

Im Zusammenhang mit dem Wettbewerb der Milliardäre im All fällt oft auch der Name Elon Musk. Dem Tesla-Gründer gehört die Weltraumfirma SpaceX. Auch er plant touristische Weltraumflüge; allerdings sind seine Weltraum-Aktivitäten nicht vergleichbar mit denen von Branson und Bezos. Der Deutsche Hans Königsmann, der bis vor Kurzem Vizepräsident von SpaceX war, erklärt:

Die drei Firmen - Virgin Galactic, Blue Origin und SpaceX - haben vollkommen verschiedene Ausrichtungen. Wir, also Space X, sind nach China der größte Launcher der Welt. Nur China hat mehr Raketenstarts. Wir versorgen die Internationale Raumstation ISS mit Astronauten, Essen, Technik und allem, was dazu gehört. Die anderen beiden Unternehmen sind derzeit damit beschäftigt, auf ungefähr 100 km Höhe zu kommen und sozusagen große Parabelflüge zu machen. Das ist für Menschen, die viel Geld dafür ausgeben wollen.

SpaceX hat angekündigt, noch in diesem Jahr mit einer Falcon-9-Rakete und einer Crew-Dragon-Raumkapsel zu starten und mit vier Personen die Erde zu umrunden. Weitere Pläne sind Flüge mit Touristen zur ISS, die dort dann mehrere Tage verbringen sollen.

Visionäre im Weltraum

Bei allen Unterschieden der Ambitionen und Missionen der Milliardäre, eine große Gemeinsamkeit erkennt Königsmann: "Weder Elon Musk, noch Richard Branson oder Jeff Bezos machen das nur deshalb, um Geld zu verdienen. Zumindest ist das nie ihr Antrieb gewesen. Sie haben jeweils eine Vision gehabt und versuchen, diese umzusetzen."

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 20. Juli 2021 um 13:20 Uhr.

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Moderation 20.07.2021 • 17:15 Uhr

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