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Pläne der EU Millionen Jobs durch Batteriezellen?

Stand: 12.03.2021 16:26 Uhr

Der Markt für Elektroautos boomt. Bisher kommen die Batteriezellen dafür allerdings aus Asien. Das soll sich nach dem Willen der Europäischen Union in den kommenden Jahren ändern.

Die EU-Kommission setzt auf Batteriezellen aus europäischer Produktion - damit Europa stärker in Konkurrenz zu den asiatischen Herstellern tritt. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Maros Sefcovic, rechnet bis zum Jahr 2025 mit drei bis vier Millionen neuen Arbeitsplätzen in der Batteriezellen-Fertigung. Sie sollen durch insgesamt 70 Industrieprojekte entstehen. Die EU werde in den kommenden vier Jahr "nach China der zweitgrößte Hersteller der Welt" bei Lithium-Ionen-Batterien sein, sagte Sefcovic. Bis dahin werde die EU in der Lage sein, Batterien "für sieben bis acht Millionen Fahrzeuge herzustellen".

Laut Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire reicht es nicht, in Europa nur Elektroautos herzustellen. Auch Batteriezellen müssten hier produziert werden. "Wir müssen investieren, investieren, investieren. Wir müssen mit China und den USA mithalten, um eine Wirtschaftsmacht im 21. Jahrhundert zu bleiben", sagte er. Hunderttausende Arbeiter müssten um- und weitergebildet werden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will ein Drittel der weltweiten Produktion nach Europa holen und so die Abhängigkeit von Asien reduzieren.

China und Südkorea dominieren

Bislang beziehen europäische Automobilhersteller ihre Batteriezellen in erster Linie aus Asien - von Lieferanten wie LG Chem und SK Innovation aus Südkorea und CATL aus China. Die Batteriezellen werden dann häufig in Europa zu fertigen Batteriesystemen zusammengefügt und mit entsprechender Steuerungselektronik versehen. Allerdings gilt dieser Teil der Produktion als nicht so einträglich wie die eigentliche Produktion der Zellen.

Vor vier Jahren hatte die EU eine Batteriezellenallianz mit massiver Staatsfinanzierung ins Leben gerufen, um die Abhängigkeit europäischer Autobauer von asiatischen Herstellern zu verringern. Die Allianz vernetzt 14 EU-Mitgliedstaaten, die Europäische Investitionsbank sowie 500 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen, die sich am Aufbau einer Batterieindustrie beteiligen. Im Januar hatte die Kommission grünes Licht für ein Investitionspaket von 2,9 Milliarden Euro gegeben. Beteiligt sind 42 Unternehmen aus zwölf EU-Ländern.

Zwei große Projekte in Deutschland

Darunter befinden sich auch weltweite bekannte Konzerne, wie der zum Stellantis-Konzern gehörende Autobauer PSA. PSA will mit dem französischen Batteriehersteller Saft eine Produktion von Batteriezellen am Opel-Standort in Kaiserslautern aufbauen. Auch der US-Konzern Tesla ist dabei, der in Brandenburg derzeit seine nächste “Gigafactory” baut. Volkswagen und der schwedische Batteriespezialist Northvolt planen ein Batteriefabrik in Salzgitter.

Doch die Elektromobilität ist wegen des hohen Verbrauchs von Rohstoffen aus zum Teil zweifelhaften Quellen nicht unumstritten. Daher soll verstärkt auf nachhaltige Rohstoffe gesetzt werden. Die EU-Kommission will zu der umweltfreundlichen Beschaffung von Materialien wie Lithium, Nickel und Kupfer einen Runden Tisch einrichten und eine Liste mit Richtlinien veröffentlichen.

Steigende Zulassungszahlen

Das staatliche Engagement fällt in eine Zeit des boomenden Geschäfts mit Elektroautos. Einerseits bringen die Hersteller viele neue Modelle auf den Markt, auch weil die EU strenge CO2-Ziele für Neuwagen ausgegeben hat. Wenn Hersteller diese nicht einhalten, drohen hohe Strafzahlungen.

Außerdem schieben großzügige staatliche Förderungen die Nachfrage an. Lag der Marktanteil von Elektroautos und Plug-In-Hybriden im Februar 2020 in Deutschland bei knapp sieben Prozent, betrug er ein Jahr später bereits bei fast 21 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2021 um 14:00 Uhr.