Batterie eines Elektroautos | picture alliance / dpa

Elektromobilität Wohin mit ausgepowerten E-Auto-Batterien?

Stand: 28.06.2021 08:09 Uhr

Immer mehr Elektroautos rollen über die Straßen. Doch irgendwann haben ihre Batterien ausgedient. Das Recycling und die Wiederverwertung sind ein Zukunftsgeschäft.

Von Claudia Grimmer, BR

Im vergangenem Jahr meldete die E-Auto-Branche einen neuen Rekord: Weltweit wurde die Zehn-Millionen-Grenze geknackt, genau 10,9 Millionen Stromer waren 2020 zugelassen, mehr als drei Millionen Fahrzeuge mehr als noch im Vorjahr. Der Bestand hat sich seit dem Jahr 2012 mehr als verfünfzigfacht. Ein rasanter Anstieg - und damit dann irgendwann auch ein riesiger Berg an Elektroauto-Batterien, wenn sie ausgedient haben.

Deutschland wird sich nur langsam des Problems bewusst. Das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien aus Autos wird aber immer wichtiger, denn schneller als erwartet stehen schon die ersten Stromer zur Ausmusterung an. Die Beseitigung von Fahrzeug- und Industrie-Altbatterien durch Verbrennung oder Deponierung ist untersagt, so lautet die Vorschrift im Batteriegesetz. Eine kostenfreie Rückgabemöglichkeit muss vom Hersteller der E-Autos garantiert werden, dazu gehört auch sicherzustellen, dass alle zurückgenommenen Altbatterien nach dem Stand der Technik behandelt und verwertet werden.

Es geht um Kobalt, Nickel, Lithium

Das Recycling von Fahrzeugbatterien gilt als technisch machbar. Pilotanlagen versuchen dies bereits umzusetzen. "Die Frage ist immer unter welchen Bedingungen, mit welchen Ergebnissen man recycelt", erklärt Denis Stijepic vom Frauenhofer-Institut für System und Innovationsforschung. "Es geht um die Frage: wie viele Stoffe kann man aus der Batterie herausholen, in welcher Qualität, in welchen Mengen, unter welchen Kosten und natürlich auch unter welchen Umweltauswirkungen?"

Derzeit sei man in Europa irgendwo im Kilotonnenbereich, also 1000 Tonnen, sagt Stijepic. "In ein paar Jahrzehnten, also 2040, werden wir vermutlich im Megatonnenbereich sein, und da geht es nur um den Batterierücklauf aus E-Mobilitätsanwendungen in Europa. Heute können wir besonders gut Kobalt und Nickel herausholen, aber wir würden natürlich gerne auch Lithium, Graphit, Mangan herausholen aus den Batterien."

Lebensdauer von zehn Jahren

Die Autohersteller empfehlen ein Auswechseln der Batterie nach acht bis zehn Jahren oder einer Laufleistung von 150.000 Kilometern. Manche Hersteller sprechen sogar von einer Lebensdauer von 15 Jahren. Doch mittlerweile werden die Entsorger der Batterien vom Rücklauf überrollt. Die unterschiedlichsten Akkus aus unterschiedlichsten E-Modellen kommen zurück. Autobatterien in Verbrennerfahrzeugen sind standardisiert, in E-Autos nicht.

Derzeit betreibt der belgische Konzern Umicore eine der größten Recyclinganlagen für E-Auto-Batterien in Deutschland. Die eigene Demontagelinie dazu steht in Hanau. Um den Transport von Batterien aus der Elektromobilität weiter zu erleichtern, hat Umicore ein globales Netzwerk von Abgabestellen installiert, über die Kunden und Hersteller ihre Altbatterien entsorgen können. Auch die Düsseldorfer Recycling-Firma Erlos und die niedersächsische Duesenfeld recyceln Autobatterien und bieten auch mobile Wiederaufbereitungsanlagen an, um teure Gefahrguttransporte zu vermeiden.

In Wernberg-Köblitz will die Firma Roth International im nächsten Jahr eine Anlage eröffnen, die 1,5 Tonnen Kobalt und Nickel in der Stunde verarbeiten soll. Derzeit läuft schon eine Pilotanlage, in der die Batterien nicht von Hand, sondern automatisiert zerlegt werden können. Auch Roth International wird bereits von Anfragen überrannt. Deshalb wagt das Unternehmen in der Oberpfalz eine Investition von rund zehn Millionen Euro, um eine Recycling-Anlage hochzuziehen, die in der Lage sein soll 99 Prozent der Batterien wiederzuverwerten.

Stromspeicher für zuhause oder die Industrie

Die ausgemusterten E-Auto-Batterien haben in der Regel noch einen Energieinhalt von 70 bis 80 Prozent und kommen deshalb auch als Stromspeicher für private Haushalte in Frage - oder auch im industriellen Bereich als Großspeicher. Der mittelfränkische Stromanbieter N-Ergie betreibt so eine Anlage bereits in Wendelstein nahe Nürnberg. Es ist die erste Anlage in Franken, sie wurde 2019 in Betrieb genommen. Rasend schnell wächst im Moment das Angebot an Strom aus Sonnenenergie. Gespeichert werden könne dieser im Moment nicht, so Rainer Kleedörfer von N-Ergie.

Statt für den Netzausbau plädiert er deshalb dafür, schnell den Ausbau solcher Speicherkapazitäten durch "Second-Life-Batterien" voranzutreiben. Wichtig sei ein Ausbau im großen Stil - "da wir ansonsten irrsinnige Energiemengen, die um die Mittagszeit ins Stromnetz drängen, abriegeln müssen, vernichten müssen. Und das ist energiewirtschaftlich und volkswirtschaftlich dumm."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juni 2021 um 13:44 Uhr.