Ein VW Logo wird in Gerlingen (Baden-Württemberg) vor den Bosch Stammsitz gehalten. | picture alliance / dpa

Automatisiertes Fahren Allianz von VW und Bosch bei Roboterautos

Stand: 25.01.2022 13:00 Uhr

Die VW-Softwaretochter Cariad und der Autozulieferer Bosch wollen gemeinsam Software für das automatisierte Fahren entwickeln. Erste Funktionen sollen schon im kommenden Jahr in die Neuwagen kommen.

Der größte Autobauer Europas und der weltgrößte Automobilzulieferer arbeiten künftig zusammen bei der Entwicklung von Roboterautos: VW und Bosch gaben heute bekannt, dass sie ab sofort gemeinsam eine Software für automatisiertes Fahren entwickeln wollen. Damit gibt es erstmals eine Kooperation eines Zulieferers und eines Autobauers auf Augenhöhe.

"Beste Schule ist Straßenverkehr"

"Zusammen mit Cariad beschleunigen wir jetzt die Markteinführung von teil- und hochautomatisierten Fahrfunktionen in allen Fahrzeugklassen und machen sie damit für jedermann verfügbar. Damit wird der Straßenverkehr sicherer und komfortabler", sagte Markus Heyn, Geschäftsführer von Bosch. Bosch und Cariad, eine Softwaretochter von Volkswagen, wollen künftig mehr als 1000 Fachleute aus beiden Häusern an der Software arbeiten lassen.

Ein wichtiger Vorteil der Zusammenarbeit sei die große Autoflotte, über die VW verfüge. "Für die Entwicklung des automatisierten Fahrens ist die beste Schule der echte Straßenverkehr", sagte Mathias Pillin, Vorsitzender des Bereichsvorstandes von Bosch Cross-Domain Computing Solutions. "Wir gewinnen mithilfe einer der größten vernetzten Fahrzeugflotten weltweit eine riesige Datenbasis."

System für Fahrten auf der Autobahn

Die ersten Funktionen sollen bereits im kommenden Jahr in die Autos von VW kommen. So will der Konzern automatische Abstandhalter in Modellen aller Markengruppen von Volkswagen einführen. Entwickelt werden soll auch ein System, bei dem das Fahrzeug die Fahraufgabe auf der Autobahn übernimmt - abgesehen vom Spurwechsel.

Laut Mitteilung wollen die Partner auch gemeinsame Entwicklungsziele in Richtung vollautomatisiertes Fahren prüfen - der sogenannte "Level 4". Solche Systeme übernehmen dann beispielsweise auch den Spurwechsel auf der Autobahn. Auch im Stadtverkehr sollen Auto praktisch alleine fahren können - der Fahrer muss nur im Notfall eingreifen. Zum ITS- Weltkongress im vergangenen September hatte VW angekündigt, für 2025 eine Flotte von autonom fahrenden Autos zu planen.

Die gemeinsame Software soll nicht exklusiv für den VW-Konzern entwickelt werden: "Wir können die entstehenden Lösungen auch unseren weiteren Kunden anbieten und so neue Standards setzen", sagte Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn. Unklar blieb allerdings, wie lange Cariad mit Bosch beim automatisierten Fahren zusammenarbeiten wird.

Frühere Kooperation mit Daimler beendet

Für den Automobilzulieferer ist es bereits die zweite vergleichbare Kooperation mit einem deutschen Hersteller: Bis zum Herbst vergangenen Jahres hatte Bosch gemeinsam mit Daimler an der Entwicklung des automatisierten Fahrens gearbeitet, auch Testflotten in den USA wurden erprobt. Mitte des vergangenen Jahres hieß es, die Kooperation sei beendet worden.

Im Dezember gab Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz dann bekannt, das Unternehmen habe als erster Hersteller weltweit grünes Licht der Behörden zum Einsatz des hochautomatisierten Fahrens ("Level 3") erhalten. In Deutschland soll das System im ersten Halbjahr diesen Jahres im Luxusmodell S-Klasse eingeführt werden.

Über dieses Thema berichtete ARD Morgenmagazin am 11. Oktober 2021 um 07:44 Uhr.