Das Logo am Gebäude des internationalen Pharmakonzerns AstraZeneca. | dpa

Neuer Millionendeal AstraZeneca eifert BioNTech nach

Stand: 23.09.2021 15:19 Uhr

AstraZeneca setzt jetzt auf die nächste Generation der RNA-Technologie. Der britische Pharmakonzern vereinbart eine millionenschwere Kooperation mit dem Startup VaxEquity - nicht nur für Impfstoffe.  

AstraZeneca geht mit dem britischen Startup VaxEquity eine Partnerschaft zur Entwicklung neuer Medikamente auf Basis der RNA-Technologie ein. VaxEquity erhalte dafür von AstraZeneca eine Zahlung von bis zu 195 Millionen Dollar, wenn bestimmte Meilensteine im Zuge der Kooperation erreicht werden, teilte der Konzern mit. Zudem winkten Lizenzgebühren an den Produkten.

Vereinbart wurde den Angaben zufolge ferner eine Kapitalbeteiligung von AstraZeneca und dem Life-Science-Investor Morningside Ventures. VaxEquity wurde im vergangenen Jahr vom Impfstoffexperten Robin Shattock vom Imperial College London gegründet.

Messenger-RNA

Messenger-RNA, kurz mRNA oder auf Deutsch Boten-RNA, ist ein Botenmolekül, das genetische Informationen aus dem Zellkern zu den Ribosomen bringt. Das sind die Bereiche der Zelle, in denen - gewissermaßen nach der Bauanleitung der Erbinformation - Proteine gebildet werden. Bei den Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 wird mRNA genutzt, um den menschlichen Körper dazu anzuregen, eigene Antikörper als "Medikamente" gegen das Coronavirus herzustellen. Impfstoffe auf Basis von mRNA können schneller entwickelt, angepasst und hergestellt werden als herkömmliche Präparate wie Vektor- oder Totimpfstoff.

Zukunftsträchtige Technologie

Die Zusammenarbeit mit VaxEquity füge AstraZenecas Wirkstoffforschung eine vielversprechende neue Plattform hinzu, meint AstraZeneca-Forschungschef Mene Pangalos. Es ist für AstraZeneca der erste Zukauf, um Erfahrungen mit der neuen Technologie zu machen und davon zu profitieren. Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca beruht auf einer herkömmlichen Wirkungsweise. Das Mittel ist ein sogenannter Vektorimpfstoff, der auf Adenoviren von Affen basiert.

Die RNA-Technologie gilt seit den Impfstofferfolgen von BioNTech/Pfizer und Moderna als besonders zukunftsträchtig und soll künftig auch in anderen medizinischen Gebieten angewendet werden.

"Selbstverstärkende RNA-Technologie"

So hat AstraZeneca im Rahmen der Vereinbarung die Möglichkeit, an 26 Wirkstoff-Zielstrukturen für den Einsatz in therapeutischen Gebieten wie Krebs und seltenen genetischen Erkrankungen zusammenzuarbeiten.

Im Fokus der Partnerschaft steht die sogenannte selbstverstärkende RNA-Technologie. Sie funktioniert ähnlich wie die der Boten-RNA-(mRNA)-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna. Ein selbstverstärkender RNA-Impfstoff enthält jedoch nicht nur den genetischen Code, der es Zellen erlaubt, zielgerichtet Proteine herzustellen. Er erstellt auch viele Kopien der RNA, die diese Anweisungen enthält, weshalb die Dosen kleiner und günstiger sein könnten.