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Rekordquartal Ist für Apple jetzt immer Weihnachten?

Stand: 29.04.2021 12:05 Uhr

Apple hat zu Jahresbeginn so viel verdient wie sonst nur im Weihnachtsquartal. Das Hardware-Geschäft mit iPhones, Mac-Computern und Apple Watches boomt - und hat durchaus noch Potenzial.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Apple hat das neue Jahr mit einem Rekord begonnen: 23,6 Milliarden Dollar - so viel hat der Technologiekonzern noch nie in einem Auftaktquartal verdient. Doch 2021 konnten die Kalifornier in den Monaten Januar bis März an das fulminante Weihnachtsquartal nahtlos anknüpfen und ihren Gewinn im Jahresvergleich mehr als verdoppeln. Die Umsätze stiegen ähnlich stark um 54 Prozent auf 89,6 Milliarden Dollar.

Der neue Hardware-Boom

Der Blick ins Detail offenbart dabei eine Trendwende. Vor kurzem noch galt der iPhone-Markt als gesättigt, viele Analysten sahen im Service-Geschäft den neuen Wachstumstreiber bei Apple. Sie dürften sich durch die neuen Zahlen nur zum Teil bestätigt sehen.

Zwar verzeichnete die Service-Sparte Rekorderlöse in Höhe von 16,9 Milliarden Dollar - ein Plus von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal -; doch sowohl mit Blick auf die absoluten Zahlen, als auch mit Blick auf die Wachstumsrate lief es in anderen Apple-Sparten zu Jahresbeginn noch besser. Tatsächlich waren es Geräte wie das iPhone und die Mac-Computer, die im abgelaufenen Quartal besonders stark boomten.

Mac und Chips

Das iPhone trumpfte mit einem Umsatz von knapp 48 Milliarden Dollar auf, 66 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die neuen Mac-Modelle mit Apples hauseigenem M1-Chip trieben die Erlöse bei den Mac-Computern um 70 Prozent auf 9,1 Milliarden Dollar an - ebenfalls ein neuer Rekord.

Die Kalifornier profitierten dabei auch davon, dass sie im Gegensatz zur Konkurrenz nicht unter Lieferengpässen bei Chips zu leiden hatten. Der iPad-Umsatz wuchs um 79 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar.

Ein Katalysator namens Corona

Maßgeblicher Treiber des neuen Hardware-Booms bei Apple war - wenig überraschend - die Corona-Pandemie. Viele Menschen brauchten neue Tablets und Computer, um sich im heimischen Büro einzurichten oder um ihren Kindern das Homeschooling zumindest technisch zu erleichtern. Andere wiederum kauften sich Smartphones, Computer oder Tablets, um sich zu Hause im Lockdown mit Surfen und Gaming besser die Langeweile vertreiben zu können.

Corona wirkt damit wie ein gigantischer Katalysator, der die Apple-Geschäfte auf ein neues Level treibt. Hinzu kommt: Durch die weltweiten Lockdowns hatten sehr viele Menschen auch plötzlich mehr Geld für Technik-Konsum in der Tasche - Reisen und Restaurantbesuche fielen schließlich weg.

Apple Watch weiter auf dem Vormarsch

Doch nicht nur iPhones, iPads und Mac-Computer trieben das Umsatzwachstum bei Apple, auch ein wesentlich kleineres Gerät trug sein Scherflein dazu bei: die Apple Watch. Der Konzern mit Sitz im kalifornischen Cupertino führt seine Smartwatch in der Sparte "Wearables, Home, and Accessories", die im vergangenen Quartal ein Umsatzwachstum von 24 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar verzeichnete.

Laut Apple-Chef Tim Cook war dies vor allem auf die anziehenden Verkäufe der Apple Watch Series 6 und Apple Watch SE zurückzuführen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Apple etwa doppelt so viele Smartwatches verkauft wie die Schweizer Uhrenindustrie an Uhren insgesamt.

Apple iWatch SE

Auch mit der Apple Watch SE macht Apple gute Geschäfte.

Dividendenerhöhung und Aktienrückkaufprogramm

Angesichts seines herausragenden Quartalsgewinns von 23,6 Milliarden Dollar kann es sich Apple durchaus leisten, etwas für seine Aktionäre zu tun: Die Kalifornier kündigten an, die Dividende um sieben Prozent auf 0,22 Dollar je Quartal zu erhöhen. Zudem sind weitere 90 Milliarden Dollar für das Aktienrückkaufprogramm vorgesehen.

Anleger goutierten diese Ankündigung in Kombination mit den Quartalszahlen, die allesamt deutlich über den Erwartungen lagen. Die Apple-Aktie schoss im nachbörslichen US-Handel fast vier Prozent in die Höhe. Im bisherigen Jahresverlauf hatte das Papier mit einem Plus von nur 0,9 Prozent Schwäche gezeigt. Zum Vergleich: Der US-Leitindex Dow Jones Industrial Average konnte seit Jahresbeginn 10,5 Prozent zulegen.

5G-Boom noch ganz am Anfang

Die große Frage, die sich Anleger wie Branchenexperten nun stellen: Wird Apple das hohe Wachstumsniveau in den kommenden Monaten aufrechterhalten können? Wird für Apple auch im Frühsommer und Sommer Weihnachten sein? Nach Meinung von Experten hat Apple durchaus noch Potenzial, das Wachstum insbesondere seiner Gerätesparten über den Corona-Boom hinaus zu forcieren.

So spiegelte sich in den beeindruckenden iPhone-Erlösen des vergangenen Quartals auch der beginnende 5G-Boom wider, der nach Meinung von Analysten noch in seinen Kinderschuhen steckt und dessen ganze Wirkung sich erst in den folgenden Quartalen entfalten dürfte.

AirTags - nicht neu, aber lukrativ

Hinzu kommt: Apple wird offenbar nicht müde, neue Produkte oder neue Features zu entwickeln - auch wenn es dazu bei der Konferenz abkupfern muss, um einen bereits etablierten Markt zu erobern: Das zeigt das Beispiel AirTag. Dabei handelt es sich um ein neues Mini-Zubehör, das Apple im April vorstellte, mit dem sich Schlüssel & Co. leichter aufspüren lassen.

Tile, der bislang unbestrittene Marktführer bei Tracking-Anhängern, sieht sich dadurch einem unfairen Wettbewerb ausgesetzt. Apple-Finanzvorstand Luca Maestri wiederum sieht großes Potenzial für AirTag und die gesamte Sparte "Wearables, Home, and Accessories". Er sei "begeistert über die Zukunftsaussichten dieser Sparte".

Der AirTag von Apple, eine Art Anhänger, um Gegenstände wiederzufinden | via REUTERS

Mit einem AirTag kann man Dinge wie Schlüssel oder Taschen markieren und sie dann mit einer App aufspüren. Bild: via REUTERS

Neue Apple Watch mit "Killer-Funktion"?

Tatsächlich scheint das Wachstum des Segments "Wearables, Home, and Accessories" noch nicht ausgereizt. So könnte die neue Apple Watch 7, die wohl im September Premiere feiern wird, eine Blutzucker-Messfunktion bekommen.

Diese soll über einen optischen Sensor, also ohne Pikser, funktionieren. Analysten sprechen von einer echten "Killer-Funktion", verfügt doch bislang keine Smartwatch oder Sportuhr der Konkurrenz über ein solches Feature.

Über dieses Thema berichtete B5 Börse am 29. April 2021 um 08:43 Uhr.