Das Apple-Logo am Eingang eines Geschäfts in New York. | REUTERS

Autonomes Fahren Comeback für das Apple Car?

Stand: 10.02.2021 15:08 Uhr

Apple hat zuletzt die Tests seiner selbstfahrenden Autos massiv ausgebaut. Allerdings fehlt noch immer ein Kooperationspartner für die Produktion. Und technisch ist die Konkurrenz auch schon weiter.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Seit Ende 2020 kocht die Gerüchteküche zum Apple Car geradezu über. Dabei hatten zahlreiche Experten ein Roboterauto des Techkonzerns, das bei den Kaliforniern selbst unter dem Codenamen "Project Titan" firmiert, schon für so gut wie tot gehalten. Tatsächlich hörte man lange Zeit gar nichts mehr von Apples Plänen über ein eigenes Auto - in den vergangenen Wochen dafür umso mehr. Was also ist über das Apfel-Auto bekannt?

Fakt ist: Apple hat im vergangenen Jahr die Tests seiner selbstfahrenden Autos massiv ausgebaut. Roboterwagen des iPhone-Konzerns legten von Dezember 2019 bis Ende November 2020 gut 30.000 Kilometer zurück, wie aus der Statistik der kalifornischen Verkehrsbehörde hervorgeht. Im vorherigen Zwölf-Monats-Zeitraum waren es nur 12.000 Kilometer gewesen.

Ein Plus von 150 Prozent - das klingt gewaltig. Doch man muss die Zahlen in Relation zur Konkurrenz sehen. So haben Testfahrzeuge der GM-Roboterwagenfirma Cruise in Kalifornien 2020 eine Strecke von mehr als 1,2 Millionen Kilometern zurückgelegt. Die Alphabet-Tochter Waymo kam auf gut eine Million Kilometer. Zudem mussten die Testfahrer bei Cruise und Waymo deutlich seltener die Kontrolle übernehmen als bei Apple.

Vergleichsgrafik zu gefahrenen Meilen verschiedener Unternehmen im Bereich autonomes Fahren |

Apple kommt bei den autonom gefahrenen Kilometern auf Kaliforniens Straßen nur unter ferner liefen.

Schlägt beim "Project Titan" das Pendel zurück?

Mit anderen Worten: Der Technologievorsprung, den GM und der Google-Mutterkonzern Alphabet in den vergangenen Jahren herausgefahren haben, ist enorm. Andererseits zeugen die frischen Zahlen durchaus von einem wieder gewachsenen Interesse von Apple an der automobilen Zukunft.

Selbstfahrendes Auto, GM, Cruise |

Die GM-Tochter Cruise hat bei den autonom gefahrenen Kilometern die Nase vorn.

2015 gestartet, verfolgte das "Project Titan" wohl zunächst das Ziel, tatsächlich ein Auto zu bauen - auch wenn sich Apple zu derartigen Plänen nie offiziell bekannt hatte. In der Folgezeit fokussierte sich der Techkonzern mehr auf die Software für autonomes Fahren. Besinnen sich die Kalifornier jetzt wieder auf die Wurzeln des Projekts "Titan"?

In Medienberichten war zuletzt von einer Kooperation mit dem südkoreanischen Hyundai-Konzern und seiner Marke Kia die Rede. Die Elektrofahrzeug-Plattform von Hyundai sollte die Basis für die Produktion eines Apple Autos ab 2024 bilden. Anfang der Woche aber teilte Hyundai mit, dass es derzeit keine Gespräche mit Apple über die Entwicklung von selbstfahrenden Autos gebe.

Keine "Marke Eigenbau" bei Apple

Trotz dieses Dementis ist laut Branchenkennern eines gewiss: Sollte Apple jemals ein eigenes Auto bauen, so würde es dieses höchstwahrscheinlich nicht selbst in eigenen Fabriken produzieren. Mangelnde Erfahrung in der Automobilproduktion und fehlende Kontakte zu Zulieferern sind hierbei die Haupthindernisse.

"Ich halte es für realistisch, dass sich Apple mit einem oder auch mehreren etablierten Autoherstellern zusammentut, um ein Apple Car produzieren zu lassen", unterstreicht Frank Schwope, Autoexperte der Nord LB, gegenüber tagesschau.de.

Apple testet selbstfahrende Autos |

Bislang testet Apple seine autonomen Technologien mit umgebauten Autos der Toyota-Marke Lexus.

BMW und Daimler wollten nicht

In der Vergangenheit soll Apple bereits Gespräche mit BMW und Daimler geführt haben. Sie endeten jedoch ergebnislos, laut Marktspekulationen wollten sich die beiden deutschen Premiumautobauer nicht zu reinen Auftragsfertigern degradieren lassen.

"Als Kooperationspartner wären für Apple jetzt westliche Konzerne mit amerikanischem Bezug die naheliegendsten Adressen. Hier kämen in erster Linie Ford, GM oder auch Stellantis infrage", ist Ökonom Schwope überzeugt. Der amerikanische Fernsehsender CNBC spekuliert, dass sich Apple dabei - ähnlich wie beim iPhone mit dem chinesischen Konzern Foxconn - auch mit mehreren Auftragsfertigern zusammentun könnte.

Eine Übernahme als Alternative?

"Theoretisch wäre es für Apple sogar ein Leichtes, einen Autokonzern wie etwa Ford komplett zu übernehmen", ergänzt Schwope. Ende Dezember verfügte Apple über einen Cash-Bestand von 196 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Ford war an der Börse zuletzt rund 47 Milliarden Dollar wert.

Doch Geld ist nicht alles. Die große Frage ist, ob Apple noch zur Konkurrenz aufschließen kann. Denn Waymo & Co. haben nicht nur deutlich mehr Testmeilen auf kalifornischen Straßen abgerissen; sie sind schon einen Schritt weiter.

Cruise, Waymo und Zoox schon ohne Fahrer unterwegs

Neben Cruise und Waymo haben im vergangenen Jahr auch Nuro, AutoX und das von Amazon gekaufte Start-up Zoox eine Lizenz von der kalifornischen Verkehrsbehörde erhalten, autonome Autos ohne Sicherheitsfahrer auf öffentlichen Straßen zu betreiben.

Autonom fahrendes Fahrzeug von Waymo |

Ein autonom fahrendes Auto von Waymo. Der Konzern ist Apple in Sachen Roboterauto weit voraus.

Experten sehen darin einen bedeutenden Fortschritt in der Entwicklung autonomer Fahrzeuge und Robotaxis. "Wer auf der Straße unterwegs ist und Daten sammelt, ist sicherlich ein Stück weiter als jemand, der nur auf der Teststrecke herumkurvt", kommentiert Ökonom Schwope.

Ist das die automobile Zukunft?

Schwope rechnet frühestens 2025 mit einem autonom fahrenden Apple-Auto. "Das wäre dann erst einmal sehr teuer und hauptsächlich etwas für Avantgardisten oder Leute, die ihren Nachbarn beeindrucken wollen und bereit sind, viel Geld auszugeben."

Ähnlich wie einst beim ABS würde die Technologie dann in den folgenden Jahren "nach unten" in die kleineren Fahrzeugsegmente durchgereicht werden, bis sie zehn bis 15 Jahre später sogar zur Vorschrift für Neufahrzeuge werden könnte.

Bundeskabinett macht Weg frei für autonomes Fahren

Schließlich hoffen Verkehrsexperten, die Zahl der Toten und Verletzten im Straßenverkehr mithilfe autonomer Technologien auf nahe Null zu senken. Erste Voraussetzungen für einen verstärkten Einsatz solcher Technologien hat die Bundesregierung bereits heute geschaffen.

Das Bundeskabinett stimmte einem Gesetzentwurf zu, wonach künftig autonome Busse und Autos in festgelegten Zonen im Regelbetrieb fahren dürfen. Die Regelungen gelten für das vollautomatisierte Fahren der Stufe vier, ein Fahrer muss also immer an Bord sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Februar 2021 um 15:00 Uhr und am 08. Februar 2021 um 17:22 Uhr.