Amazon Scout | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Automatische Zustellung Bahn frei für die Lieferroboter

Stand: 02.07.2021 15:57 Uhr

Das Thema automatisierte Paketzustellung hat durch die Pandemie weiter an Aufmerksamkeit gewonnen. Der Online-Konzern Amazon lässt künftig auch in Finnland die Technologie für seine Lieferroboter entwickeln.

Während der Amazon-Chef Jeff Bezos den Schritt ins Weltall wagen will, plant sein Unternehmen Fortschritte bei der vollautomatisierten Warenzustellung auf Gehwegen: Amazon baut in Finnland ein Entwicklungszentrum für seine "Scout"-Lieferroboter. Das zunächst gut zwei Dutzend Mitarbeiter starke Team in Helsinki solle unter anderem 3D-Software entwickeln, mit der die Fahrzeuge Hindernissen ausweichen, teilte der Online-Händler mit. Die Software solle die Komplexität des wahren Lebens simulieren und sicherstellen, dass der Roboter Waren sicher ausliefern könne, heißt es in einem Firmenblog. Es ist demnach nicht ausgeschlossen, dass das aktuell noch kleine Team wachsen wird.

Ein zukunftsträchtiges Thema

Amazon lässt die kleinen Roboter bisher an vier Orten in den USA fahren. Die Technik dafür wird neben Helsinki auch in Entwicklungszentren in Seattle, Cambridge und auch in Tübingen entwickelt. Das Thema automatische Zustellung von Waren gilt schon seit längerer Zeit als zukunftsträchtig. Für Logistik-Unternehmen und Online-Händler, die wie Amazon auch auf eigene Zustellung setzen, wäre eine ausgereifte Technologie hilfreich, um Kosten zu sparen.

Besonders die sogenannte letzte Meile, also der letzte Zustellschritt bis zur Übergabe der Ware beim Kunden, gilt in der Logistikbranche als ausgesprochen kostenintensiv und deshalb als besonders interessant für Robotertechnologie.

Mehr Aufmerksamkeit durch Corona

Die Corona-Pandemie und die damit zusammenhängenden Ausgangssperren und Lockdowns sowie der Boom des Online-Handels haben die Aufmerksamkeit vieler Investoren noch einmal besonders auf diese Technologie gelenkt, die das Potenzial hat, die Transportbranche völlig zu verändern. Neben Amazon gibt es deshalb noch viele weitere Unternehmen, die sich mit der automatisierten Zustellung befassen.

Zu den bekannten Branchenvertretern gehört Starship, an deren Fahrzeuge auch die Amazon-Variante Scout erinnert. Starship wurde im Jahr 2014 gegründet. Im April 2021 gab das Unternehmen bekannt, bereits 1,5 Millionen autonome Lieferungen durchgeführt zu haben.

Google und FedEX sind dabei

Die Google-Tochter Waymo arbeitet, wie viele andere Start-ups und Technologiefirmen, ebenfalls an Lieferrobotern. Und der Logistikkonzern FedEx hatte vor einigen Tagen eine Zusammenarbeit mit der US-Roboterfirma Nuro mit dem Ziel bekanntgegeben, Roboterfahrzeuge bei der Zustellung einzusetzen. Nuro-Roboter liefern bereits Speisen für die Pizza-Kette Domino's und Waren für die Supermarktkette Kroger in der Gegend um Houston aus.

In China arbeitet die Alibaba-Logistiktochter Cainiao an Lieferrobotern. Für das kommende Jahr plant Cainiao 1000 Roboter in China bereitzustellen, die zunächst auf Universitätsgeländen und in kleineren Wohngemeinden eingesetzt werden sollen.

Gewalt gegen Roboter

Das hängt mit simplen praktischen Problemen zusammen, die sich trotz fortgeschrittener Technologie allen Herstellern noch immer stellen. Lieferroboter tun sich gelegentlich schwer, Bordsteinkanten oder Schlaglöcher zu überwinden, Zusammenstöße im Verkehr sind nicht ausgeschlossen, Straßen müssen überquert werden, oder ein Weg kann plötzlich versperrt sein.

Zu den komplexen Fragen die beantwortet werden müssen, gehört zudem der menschliche Faktor und die Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Es ist nicht ausgeschlossen, dass einige Fußgänger sich gestört oder unwohl fühlen, wenn sie den Bürgersteig künftig mit Robotern teilen müssen.

Vereinzelt sei es zu Akten des Vandalismus gekommen, wie Starship-Mitbegründer Ahti Heinla vor einiger Zeit dem Magazin "Business Insider" berichtete. Passanten hätten den Robotern Tritte versetzt. Ein Problem sei das nicht, die Maschine fahre einfach weiter, so Heinla. Außerdem seien die Geräte mit vielen Kameras und Sirenen ausgerüstet. Wer gewalttätig wird, muss also damit rechnen, entdeckt zu werden.

Über dieses Thema berichtete SWR aktuell am 03. März 2021 um 16:00 Uhr.