Ein Airbus A380 der arabischen Fluggesellschaft Emirates im Luftraum über dem Hamburger Flughafen. | dpa

Neue Mobilfunktechnik Airbus und Boeing warnen vor 5G-Start

Stand: 22.12.2021 09:17 Uhr

Im Streit um die Sicherheit von 5G in der Luftfahrtindustrie haben sich Airbus und Boeing gegen den Start der Technik in den USA positioniert. Die Flugzeugbauer warnten vor "enormen negativen Auswirkungen auf die Luftfahrtindustrie".

In den USA schaukelt sich kurz vor der geplanten Einführung von 5G-Mobilfunk der Streit über Risiken für die Flugsicherheit hoch. Die beiden Flugzeughersteller Boeing und Airbus forderten die Regierung auf, die für Anfang Januar geplante Einführung von 5G-Mobilfunk im C-Band-Spektrum von AT&T und Verizon wegen Sicherheitsbedenken zu verschieben.

"5G-Interferenzen könnten die Sicherheit des Flugbetriebs beeinträchtigen und enorme negative Auswirkungen auf die Luftfahrtindustrie haben", hieß es in einem Brief der Unternehmen an das US-Verkehrsministerium, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

US-Airlines warnten vor möglichen Interferenzen

Zuvor hatten bereits Fluggesellschaften und die US-Flugbehörde FAA Bedenken über mögliche Interferenzen von 5G mit empfindlicher Flugzeugelektronik wie Funkhöhenmessern geäußert. Die Pläne der Telekommunikationsanbieter AT&T und Verizon, das C-Band-Spektrum für 5G-Mobilfunkdienste zu nutzen, sei "das größte und schädlichste Problem, dem wir gegenüberstehen. Wir wollen nichts mehr, als an einer Lösung zu arbeiten", sagte Scott Kirby, Konzernchef von United Airlines bei einer Anhörung vor dem US-Senat.

Die Handelsgruppe Airlines for America (A4A) führte an, wenn die jüngsten Vorschriften der US-Flugaufsichtsbehörde FAA zum Umgang mit potenziellen Störungen durch 5G beispielsweise im Jahr 2019 vor der Pandemie in Kraft gewesen wäre, "etwa 345.000 Passagierflüge, 32 Millionen Passagiere und 5400 Frachtflüge in Form von verspäteten Flügen, Umleitungen oder Annullierungen betroffen gewesen wären."

Gary Kelly, Chef von Southwest Airlines, sagte, dass die FAA-Richtlinie "unseren Betrieb erheblich beeinträchtigen wird, sobald sie am 5. Januar in Kraft tritt."

In ihrer jüngsten Richtlinie verlangt die FAA eine Überarbeitung der Flughandbücher für Flugzeuge und Hubschrauber: Einige Flugmanöver, die Funkhöhenmesserdaten erfordern, sollen aus Sicherheitsgründen verboten werden, wenn 5G-C-Band-Breitbandsignale vorhanden sind. 5G könnte zu möglichen Interferenzen mit der empfindlichen Flugzeugelektronik führen.

Mobilfunkverband kritisiert Luftfahrtindustrie

Im November hatten sich AT&T und Verizon bereit erklärt, die kommerzielle Einführung des drahtlosen C-Band-Dienstes bis zum 5. Januar zu verschieben, nachdem die FAA Bedenken angemeldet hatte. Der Mobilfunkverband CTIA erklärte, 5G sei sicher und warf der Luftfahrtindustrie vor, Angst zu schüren und Fakten zu verdrehen.

Von der US-Pilotenvereinigung hieß es, dass die Diskussion in einer Sackgasse stecke. "Das ist ein großes Problem für Passagiere, Spediteure und die amerikanische Wirtschaft."

Auch EASA untersucht mögliche 5G-Störungen

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) untersucht schon länger, ob 5G die in der Luftfahrt genutzten Funkhöhenmesser stören kann. Die 5G-Frequenzbänder in Europa liegen nicht so nah wie das in den USA geplante an dem von Flugzeugen genutzten Frequenzband.

Bisher seien in Europa keine Vorfälle bekannt oder aus vorliegenden technischen Daten von Flugzeug- und Ausrüstungsherstellern abzuleiten, erklärte eine EASA-Sprecherin. Gleichwohl werde die Situation weiter genau beobachtet. Die Behörde tausche sich zudem mit der US-Luftsicherheitsbehörde FAA über deren Bedenken aus. Auch die Deutsche Flugsicherung (DFS) erklärte, bisher sei es nicht zu einer Störung der Bordelektronik gekommen.

Zuständig für die Platzierung von Mobilfunkstationen in der Nähe von Flughäfen seien die Mitgliedstaaten in der Europäischen Union, erklärte die EASA. Verschiedene Länder nutzten - so wie in den USA geplant - das C-Band. Die EASA sei mit den betreffenden Staaten und auch mit dem europäischen Pendant der Bundesnetzagentur CEPT im Gespräch. Die CEPT arbeite an einer Studie zum sicheren parallelen Einsatz von 5G und Funkhöhenmessern.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 22. Dezember 2021 um 10:006 Uhr.