Mobilfunkmast des Anbieters Vodafone | REUTERS

Superschnelle mobile Daten Nächste Stufe im 5G-Netz von Vodafone

Stand: 02.11.2021 12:28 Uhr

Vodafone stellt sein 5G-Mobilfunknetz in Deutschland flächendeckend auf die nächste Entwicklungsstufe um, das Echtzeitnetz "5G-Standalone". Die Konkurrenten Deutsche Telekom und Telefónica sind noch zurückhaltend.

Vodafone stellt sein 5G-Mobilfunknetz in Deutschland auf die nächste Entwicklungsstufe um - ein sogenanntes "Standalone-Netz", das ohne die Vorgängertechnik LTE auskommt. Die neue Technologie soll die Daten-Laufzeiten spürbar verringern. "Unser 5G-Netz reagiert dann so schnell wie das menschliche Nervensystem und braucht immer weniger Strom, um Daten zu übertragen", sagte der Deutschland-Chef von Vodafone, Hannes Ametsreiter.

Echtzeit-Fernsteuerung von Geräten

Eine erheblich schnellere Datenübertragung ist vor allem für kommerzielle Anwender interessant. Unternehmen können damit beispielsweise aus der Ferne technische Geräte ohne jeden Zeitverzug steuern.

Auch das sogenannte Network Slicing wird möglich: Darunter versteht man das Bereitstellen von separaten Teilnetzen mit garantierten Leistungsdaten für Spezial-Anwendungen, beispielsweise in Fabrikhallen oder Fußballstadien, wie es von Vodafone heißt.

Private Nutzer profitieren etwa bei Online-Computerspielen von den kurzen Datenlaufzeiten. Auch Anwendungen der "Augmented Reality" (AR) werden erleichtert, bei der virtuelle Inhalte in eine reale Umgebung in Echtzeit eingeblendet werden. Vor einigen Tagen hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg angekündigt, dass er in in einem zunehmend "dreidimensionalen" Internet die Zukunft seines Sozialen Netzwerks sieht.

Reichweite für bald 60 Millionen Nutzer

"Im Frühjahr haben wir die ersten Stationen in unserem 5G-Netz von der bestehenden LTE-Infrastruktur befreit. Jetzt bringen wir Echtzeit als erster Anbieter ins ganze Land", sagt Vodafone-Technik-Chef Gerhard Mack. Derzeit ist "5G-Standalone" nach Vodafone-Angaben für rund zehn Millionen Menschen verfügbar. Theoretisch könnte die Reichweite bis Ende 2022 auf 60 Millionen erhöht werden.

In der Praxis wird die Zahl der Nutzer allerdings viel geringer ausfallen, weil bislang nur wenige Smartphone-Modelle etwa der Hersteller Samsung und Oppo "5G-Standalone" unterstützen.

Wettbewerber sind zurückhaltender

Das ist auch der Grund, warum sich die Vodafone-Wettbewerber noch mit einem großangelegten Ausbau der neuen Technik zurückhalten. Die Deutsche Telekom testet "5G-Standalone" seit Februar in Garching bei München, hat bislang aber noch keinen größeren Live-Betrieb in der Fläche angekündigt. Im März dieses Jahres hatte Michael Dittrich, technischer Leiter für die 5G-Einführung, erklärt, dass man sich bis zur kommerziellen Nutzung noch ein wenig gedulden müsse.

Wettbewerber Telefónica (O2) hat unter anderem mit Computerspielen in einem Testnetz mit "5G-Standalone" experimentiert. In einem Interview mit "Heise Online" hatte Technikvorstand Mallik Rao von Telefónica Deutschland im August angekündigt, sobald es einen echten Mehrwert für den Massenmarkt gebe, werde man die Technologie bundesweit aktivieren. Das sei der Fall, wenn genügend Smartphones "5G-Standalone" technisch unterstützten.

Was tut Apple?

Einen großen Schub beim Ausbau der Technik könnte im kommenden Jahr allerdings von Apple kommen. Das neue iPhone 13 ist mit seiner Hardware bereits für die Echtzeit-Variante von 5G vorbereitet. Die Funktion muss allerdings noch durch ein Software-Update freigeschaltet werden.

Wann es kommt, ist noch unklar. Experten rechnen aber damit, dass der iPhone-Hersteller das Update noch vor der Vorstellung seiner nächsten Smartphone-Modellreihe im Herbst 2022 veröffentlichen wird.

Über dieses Thema berichtete die Hessenschau am 02. November 2021 um 06:16 Uhr.