5G-Mobilfunkantenne | dpa
Hintergrund

Schnelles Mobilfunknetz 5G-Ausbau in großen Schritten

Stand: 27.12.2020 07:53 Uhr

Trotz Corona-Pandemie ist der 5G-Ausbau in Deutschland in diesem Jahr rasch vorangekommen. Wie geht es 2021 weiter, wo steht die Technik und welche Probleme gibt es für die Netzbetreiber? Ein Überblick.

Von Christian Kretschmer, SWR

Es klingt in diesen Zeiten besonders überraschend: Während die Corona-Pandemie ganze Branchen lahmgelegt und globale Lieferketten durchbrochen hat, ist der 5G-Ausbau in Deutschland teils schneller vorangekommen als geplant. Das bilanzieren fast alle Netzbetreiber.

Telekom will 2021 Drei-Viertel-Abdeckung erreichen

Insgesamt 45.000 Antennen funken laut Angaben der Deutschen Telekom bereits 5G. Damit sollen zum Jahresende zwei Drittel der Bevölkerung mit dem neuen Mobilfunkstandard versorgt werden - mehr als noch Mitte des Jahres geplant. "Bis Ende kommenden Jahres erreichen wir 80 Prozent der Bevölkerung", sagt Telekom-Chef Timotheus Höttges tagesschau.de.

Konkurrent Vodafone teilt mit, das Unternehmen versorge derzeit 16 Millionen Menschen mit 5G, in einem Jahr solle sich die Zahl verdoppelt haben. Im Oktober 2020 startete auch Telefónica, der Betreiber des Netzes von O2, in den fünf größten deutschen Städten mit 5G. Diese Zahl sei inzwischen auf 15 Städte angewachsen. "Bis Ende 2021 wollen wir bereits 30 Prozent der Bevölkerung mit 5G versorgen", sagt Markus Haas, Vorstandsvorsitzender von Telefónica Deutschland.

Neue Frequenzen werden frei

Der 5G-Schub ist vor allem deshalb möglich, weil die Netzbetreiber dafür teilweise bestehende 4G-Masten nachrüsten können. "Der Ausbau ist bislang zügig vorangegangen", sagt Hans Schotten, der an der Technischen Universität Kaiserslautern zu "Intelligenten Netzen" forscht. Für die Nutzer ist damit vor allem eine bessere Datenrate als beim bisherigen 4G-Standard (LTE) möglich.

Hinzu kommt, dass nächstes Jahr der veraltete Mobilfunkstandard 3G (UMTS) abgeschaltet werden soll. Die Netzbetreiber wollen die frei werdenden Frequenzen für 4G und 5G nutzen - "Refarming" nennt sich das. Der Vorteil für die Betreiber: Sie können 5G anbieten, ohne sich teure Frequenzen ersteigern zu müssen wie zuletzt 2019. Insgesamt 6,5 Milliarden Euro hatten sie damals auf den Tisch gelegt.

Netz-Aufbau von 1&1 verzögert sich

Für rund eine Milliarde Euro hatte damals auch 1&1 Drillisch Frequenzen ersteigert. Im kommenden Jahr wollte das Unternehmen sein eigenes 5G-Mobilfunknetz aufbauen - daraus wird aber wohl erst einmal nichts. Das Unternehmen macht dafür die Verhandlungen mit den anderen Betreibern zum Thema "National Roaming" verantwortlich. Dabei geht es um die Frage, wie 1&1 während des Aufbaus der eigenen Masten die Netze der anderen mitnutzen darf.

"Die Verhandlungen über National Roaming sind sehr zäh und dauern länger als geplant. Wir liegen deshalb knapp ein Jahr hinter unserem ursprünglichen Zeitplan", teilt 1&1 auf Anfrage mit. Zuletzt waren die Verhandlungen des Unternehmens mit Telefónica vorerst gescheitert.

Augmented Reality und autonomes Fahren

Die anderen Netzbetreiber haben zum Teil bereits angekündigt, im kommenden Jahr weitere eigenständige 5G-Masten errichten zu wollen. Dann soll auch verstärkt "5G standalone" angeboten werden, also ein Netz unabhängig von 4G. Die Vorteile: stabilere Datenraten und garantierte Verbindungsqualitäten.

"So werden auch neue Anwendungsszenarien für die Verbraucher möglich, beispielsweise Augmented Reality mit garantierter Qualität und schneller Reaktion", sagt Experte Schotten. Grundlage hierfür sind neben der Infrastruktur auch die passenden Geräte. "2021 werden wir erstmals sehen, dass brauchbare und finanziell sinnvolle 5G-Smartphones in großer Zahl auf den Markt kommen", sagt Schotten. Eine Weiterentwicklung werde es auch im industriellen 5G-Bereich geben, wo etwa autonomes Fahren zunehmend vorangetrieben werde.  

IT-Sicherheitsgesetz wirft Fragen auf

Die Netzbetreiber müssen im kommenden Jahr wohl mit einem großen Unsicherheitsfaktor rechnen: das IT-Sicherheitsgesetz, das die Bundesregierung vor Mitte Dezember auf den Weg gebracht hat und das noch durch den Bundestag muss. Es sieht vor, dass Hersteller von Bauteilen kritischer Infrastruktur - etwa des 5G-Netzes - ausgeschlossen werden können, wenn sie sich als nicht vertrauenswürdig erweisen.

Besonders Huawei könnte das betreffen. Kritiker, darunter die US-Regierung, werfen dem chinesischen Unternehmen Staatsspionage vor. Lange war in Deutschland über einen direkten Ausschluss von Huawei diskutiert worden. Denn auch hierzulande setzen die Netzbetreiber auf Technik von Huawei: zwar nicht mehr im sogenannten Kernnetz, das besonders sicherheitsrelevant ist, aber im Bereich der Masten und Antennen. Inwiefern dieser Einsatz untersagt werden könnte, ist noch unklar. Es würde die Betreiber aber im Netzausbau deutlich zurückwerfen.

Entsprechend fällt die Reaktion der meisten Betreiber auf den Gesetzentwurf aus: "Die Folgen eines möglichen Ausschlusses sind nicht geregelt, es gibt keine ausreichende Rechts- und Planungssicherheit und es droht ein Rückgriff auf Bestandsnetze", teilt Telefónica mit. Ähnliche Kritik kommt von der Telekom; allein Vodafone hält den Gesetzesentwurf für "sinnvoll und gut".

6G-Programm in China

"Bei einem Ausschluss von bestimmten Ausrüstern braucht es eine konsequente und nachhaltige Strategie, wie wir in Europa unsere technologische Souveränität gewährleisten wollen", fordert 5G-Forscher Schotten. Denn während zum Beispiel China bereits ein viele Milliarden Dollar schweres und langfristiges 6G-Programm auf die Beine stelle, fehle darauf bislang eine angemessene europäische Antwort. "Das heißt, dass wir jetzt die Verantwortung haben, selbst etwas zu tun, um handlungsfähig zu bleiben", sagt Schotten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. August 2020 um 11:48 Uhr in der Sendung "Umwelt und Verbraucher".

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