Auf einer Anzeige an einer Tankstelle in Göttingen werden am 4. September 2022 die Preise für Diesel, Super E10 und Super-Benzin angezeigt. | dpa

Bilanz des ADAC Das teuerste Tankjahr aller Zeiten

Stand: 06.11.2022 08:02 Uhr

Noch nie mussten Autofahrer für Sprit im Jahresdurchschnitt so viel zahlen wie in diesem Jahr. An diesem Rekord lässt sich laut ADAC nicht mehr rütteln - selbst wenn das Tanken ab sofort kostenlos wäre.

Am Samstag wurde an deutschen Zapfsäulen ein Negativrekord geknackt: Noch nie war Tanken im Durchschnitt so teuer wie in diesem Jahr. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Daten des ADAC.

Beim Diesel war die Grenze im Vergleich zu 2012, dem bisherigen Rekordjahr bei den Tankpreisen, demnach bereits vor einem Monat überschritten. Am Samstag fiel die Marke dann auch für Superbenzin der Sorte E10. Selbst wenn Benzin und Diesel ab diesem Sonntag für den Rest des Jahres verschenkt würden, wäre an dem Preisrekord laut ADAC-Angaben nicht mehr zu rütteln.

2012 hatte E10 im Jahresdurchschnitt 1,589 Euro pro Liter gekostet, Diesel lag bei 1,478 Euro. In diesem Jahr habe es noch keinen einzigen Tag gegeben, an dem eine der Kraftstoffsorten im bundesweiten Durchschnitt billiger gewesen wäre, heißt es in dem Bericht weiter.

Alte Rekorde werden "pulverisiert"

Sollten sich die Spritpreise bis Jahresende auf einem ähnlichen Niveau halten wie aktuell an Tankstellen gezahlt werden muss, dann würden die Rekordwerte von 2012 nahezu "pulverisiert", so der ADAC. Bei E10 würde der Jahresdurchschnitt für den Literpreis dann bei 1,88 Euro liegen - und damit etwa 29 Cent über dem Vergleichswert von 2012. Bei Diesel mit einem zu erwartenden aktuellen Jahresdurchschnitt von und 1,98 Euro pro Liter würde die bisherige Rekordmarke von 2012 um etwa 50 Cent überschritten. Und das trotz dreimonatiger Steuersenkung, dem sogenannten Tankrabatt im Sommer, und trotz zwischenzeitlichem Rückgang der Preise, nachdem diese kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf bis zu 2,30 Euro pro Liter für Diesel und 2,20 Euro für Benzin angestiegen waren.

Wie teuer die höheren Tankpreise den Verbraucher zu stehen kommen, hängt von dessen Fahrzeugtyp und Fahrverhalten ab. Ausgehend von den Hochrechnungen des ADAC für das Gesamtjahr 2022 sowie von typischen Fahrzeugtypen und Fahrleistungen hätten Autofahrer in diesem Jahr, verglichen mit den Durchschnittspreisen der vorausgehenden zehn Jahre, Hunderte Euro mehr zahlen müssen. Bei einem Diesel mit einer Jahresfahrleistung von rund 20.000 Kilometern und einem Verbrauch von sechs Litern auf 100 Kilometern steigen die Kosten den ADAC-Prognosen zufolge um rund 860 Euro im Jahr. Benziner legen in der Regel kürzere Strecken zurück, verbrauchen aber mehr. Setzt man hier eine Fahrleistung von 10.500 Kilometern im Jahr und einen Verbrauch von 7,5 Liter auf 100 Kilometer an, liegen die Mehrkosten demnach bei rund 360 Euro.

Mehr Verbraucher wechseln beim Benzin

Infolge der anhaltend hohen Preise wechselten offenbar mehr Fahrerinnen und Fahrer von Benzinern auf die etwas günstigere E10-Sorte. In den ersten sieben Monaten des Jahres lag der Anteil der mit E10 betriebenen Fahrzeuge laut ADAC bei 22,8 Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 15,8 Prozent.

Schädlich für das Fahrzeug ist solch ein Wechsel laut ADAC in den meisten Fällen nicht. "Fast alle Benziner vertragen das, wenn es sich nicht gerade um Oldtimer handelt. Der Preisunterschied beträgt meist fünf bis sechs Cent. Trotzdem wird immer noch viel mehr normales Super als E10 getankt", sagte Christian Laberer vom ADAC der Nachrichtenagentur dpa.

Kaum Anzeichen für Preisrückgang

Von einem Rückgang der Preise geht der ADAC in absehbarer Zeit kaum aus. "Es besteht die Gefahr, dass sich die hohen Preise für längere Zeit am Markt verfestigen", so Laberer weiter. Doch zumindest Besitzerinnen und Besitzer von Benzinern dürften ein klein wenig auf Entspannung hoffen:

Zuletzt schien der Wettbewerb aber zumindest bei Benzin wieder stärker zu greifen, so dass die Preise nicht mehr so deutlich vom Ölpreis entkoppelt sind wie in den Monaten seit Beginn des Ukraine-Krieges. Es gibt aber noch viel Luft nach unten.

Beim Diesel sehe die Lage allerdings etwas anders aus. Hintergrund ist laut Laberer auch, dass die Industrie in der aktuellen Energiekrise Gas teilweise durch Diesel ersetze und auch die Nachfrage nach dem sehr ähnlichen Heizöl steige wieder. "Aber das rechtfertigt nicht, wie stark die aktuellen Preise überhöht sind", betonte Laberer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2022 um 07:00 Uhr.