Südkoreas Präsident Moon | Bildquelle: dpa

Handelsstreit mit Japan Südkorea nicht mehr auf "Weißer Liste"

Stand: 02.08.2019 09:31 Uhr

Wer auf Japans "Weißer Liste" steht, dem räumt Tokio Handelsprivilegien ein. Südkorea hat diesen Status verloren - zum gewaltigen Ärger der dortigen Regierung. Sie vermutet eine Vergeltungsaktion und droht mit Gegenmaßnahmen.

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In hat die Entscheidung Japans zur Herabstufung des Handelsstatus seines Landes als "egoistische" Aktion kritisiert. Das Vorgehen werde globalen Lieferungsketten schaden. Südkorea sei bereit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Japan sollte mit "riesigen Schäden" rechnen, wenn es absichtlich gegen die südkoreanische Wirtschaft vorgehe.

Finanzminister Hong Nam Ki sagte, die Regierung werde möglicherweise ihrerseits Japan von einer Liste privilegierter Handelspartner nehmen. Das Außenministerium erklärte, man betrachte Japan nicht länger als "befreundete Nation".

Moon sagte, Japans Entscheidung sei eine Vergeltungsaktion wegen eines südkoreanischen Gerichtsurteils, laut dem japanische Unternehmen südkoreanische Kläger wegen Zwangsarbeit während der japanischen Besatzung von 1910 bis 1945 entschädigen müssen. Der Oberste Gerichtshof in Südkorea hatte im vergangenen Jahr in separaten Verfahren Nippon Steel und den Schwerindustriekonzern Mitsubishi Heavy Industries zu entsprechenden Zahlungen angewiesen.

Unter Anspielung auf die gemeinsame Geschichte beider Länder sagte Moon: "Wir werden uns nicht wieder von Japan besiegen lassen." Sein Vize-Sicherheitsberater Kim Hyun Chong sprach von einer "öffentlichen Demütigung" durch Japan.

Protest vor der japanischen Botschaft in Seoul | Bildquelle: AP
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"No Abe" - Südkoreaner protestieren vor der japanischen Botschaft in Seoul gegen Tokios Politik.

Sorge wegen Auswirkungen auf globalen Handel

Die Regierung in Tokio hatte beschlossen, Südkorea als erstes Land von der "Weißen Liste" jener 27 Länder zu streichen, die man bei Handelsgeschäften bevorzugt und die Produkte beziehen, welche für militärische Zwecke benutzt werden können. Auch Deutschland steht auf dieser Liste. Die Maßnahme werde am 28. August in Kraft treten, erklärte Japans Industrieminister Hiroshige Seko. Damit droht der Streit über verschärfte Exportkontrollen Japans zu eskalieren - mit noch nicht absehbaren Folgen für die globalen Lieferketten, wie Experten befürchten.

Japan begründete den Beschluss damit, das gegenseitige Vertrauen sei untergraben. Das werde aber weder Handel noch bilaterale Beziehungen beeinträchtigen.

Beide Länder sind stark vom Export abhängig und kämpfen mit einer nachlassenden chinesischen Nachfrage. Zudem stehen sie eigentlich unter dem Druck, angesichts der Bedrohung aus Nordkorea zusammenzuarbeiten.

Handelsstreit Japan-Südkorea eskaliert
Martin Fritz, ARD Tokio
02.08.2019 09:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 02. August 2019 um 12:39 Uhr.

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