Baustelle des Bahnprojekts Stuttgart 21 | Bildquelle: dpa

Bahn rechnet mit 8,2 Milliarden Stuttgart 21 wird nochmals teurer

Stand: 26.01.2018 15:27 Uhr

Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 verteuert sich erneut. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn erhöhte den Finanzierungsrahmen von 6,5 auf 8,2 Milliarden Euro. Und auch die Eröffnung verschiebt sich.

Es sollte ursprünglich deutlich weniger kosten - nun wird das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 noch einmal teurer als kalkuliert. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn erhöhte den Kostenrahmen von zuletzt 6,5 Milliarden auf 8,2 Milliarden Euro, wie das Unternehmen in Berlin mitteilte. Darin enthalten ist ein Puffer von knapp 500 Millionen Euro. Außerdem wird die Eröffnung des unterirdischen Durchgangsbahnhofs um vier Jahre von 2021 auf 2025 verschoben.

Grund für die Kostensteigerungen seien "erhebliche Baupreissteigerungen" wegen deutlich aufwendigerer Verfahren beim Tunnelbau, erklärte der Aufsichtsrat. Auch umfangreiche Genehmigungsverfahren unter anderem in Folge des Artenschutzes sowie die spätere Inbetriebnahme verteuerten das Projekt. Eine Fortführung sei dennoch wirtschaftlicher als ein Abbruch.

Baustelle des Bahnprojekts Stuttgart 21 | Bildquelle: dpa
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Eine riesige Baustelle in der Stadt: das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21

Rund um das Vorhaben tauchten zudem weitere Probleme und Kosten auf: So wird die Hochgeschwindigkeitstrasse Wendlingen-Ulm zur Anbindung von Stuttgart um 500 Millionen Euro teurer und soll nun insgesamt 3,7 Milliarden Euro kosten. Zudem wird die Trasse erst 2022 fertig. Allerdings gilt die Funktion der Neubaustrecke ohne die parallele Inbetriebnahme von Stuttgart 21 ohnehin als stark eingeschränkt.

Eine längst illusorisch gewordene Planung

Bei dem Projekt soll aus dem Stuttgarter Kopfbahnhof ein Durchgangsbahnhof mit Bahnsteigen unter der Oberfläche werden. An der Station wird seit Februar 2010 gebaut. Ursprünglich sollten der neue Stuttgarter Hauptbahnhof und seine Anschlussstrecken 4,5 Milliarden Euro kosten.

Schon 2013 erweiterte die Bahn den Finanzrahmen aber auf rund 6,5 Milliarden Euro. Im vergangenen November wurde dann inoffiziell bekannt, dass die Kosten noch einmal auf 7,6 Milliarden Euro steigen. Schon damals war die Rede davon, die Eröffnung zu verschieben - zunächst auf 2024 - und weitere 300 Millionen Euro als Risikopuffer einzuplanen.

Und wer trägt die Kosten?

Wer für die Mehrausgaben aufkommt, ist nicht geklärt. Die Bahn, der Bund, die EU, das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart und der örtliche Flughafen hatten 2009 auf Basis der ursprünglichen Kalkulation vereinbart, die Kosten aufzuteilen. Die Bauherrin Deutsche Bahn wurde mit 1,7 Milliarden Euro der größte Finanzier. Für den 2013 festgelegten Aufschlag um zwei Milliarden Euro wollte die Bahn die übrigen Projektbeteiligten in die Pflicht nehmen. Doch die lehnen das ab.

Die heutige Ankündigung der Bahn stieß in der Politik auf erhebliche Kritik. Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel verlangte abermals ein strenges Kostenmanagement. Die Finanzierung durch den Bund dürfe kein Tabu mehr sein, fügte er hinzu. Die Bundesregierung müsse ihre Rolle als Bahn-Eigentümerin "endlich ernst nehmen und Lösungsvorschläge für die aus dem Ruder laufenden Kosten auf den Tisch legen".

Die Bahnexpertin der Linken-Fraktion im Bundestag, Sabine Leidig, nannte Stuttgart 21 "gänzlich unwirtschaftlich". Aufsichtsräte, die auf dieser Basis das Projekt einfach fortführten, stünden "mit einem Bein im Gefängnis", weil sie verpflichtet seien, wirtschaftlichen Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Der Eigentümer Bund müsse "die Notbremse ziehen".

Abspecken - eine Lösung?

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) forderte einen Krisenstab mit den Projektträgern sowie der Landes- und Bundesregierung. Die Gruppe müsse das Projekt in Teilen abspecken, sagte BUND-Landeschefin Brigitte Dahlbender in Stuttgart. Vor allem der extrem aufwendige unterirdische Flughafen-Bahnhof müsse hinterfragt werden.

Gegen Stuttgart 21 hatte es in der baden-württembergischen Landeshauptstadt massive Proteste gegeben. Ruhiger wurde es erst, als sich in einer Volksabstimmung eine Mehrheit für das Projekt aussprach. Das Vorhaben, bei dem unter anderem der Stuttgarter Hauptbahnhof in einen Tiefbahnhof umgebaut wird, ist aber weiterhin umstritten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Januar 2018 um 15:00 Uhr.

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