Studie des Familienministeriums Minijobs - eher eine Sackgasse als eine Brücke

Stand: 18.03.2013 11:58 Uhr

Die meisten Frauen, die nur einen oder mehrere Minijobs haben, kommen aus dieser Erwerbsform nicht mehr heraus. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums, über die die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

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Die meisten Frauen bleiben bei ihrem Minijob.

Demnach wird ein Wechsel in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umso unwahrscheinlicher, je länger der Minijob währt. Der Untersuchung zufolge sind Frauen, die ausschließlich einen Minijob haben, im Schnitt sechs Jahre und sieben Monate geringfügig beschäftigt. Bei Verheirateten sind es sogar sieben Jahre und einen Monat.

Nur 14 Prozent der Frauen, die früher einen Minijob als Hauptbeschäftigung ausübten, hätten heute eine Vollzeitstelle, 26 Prozent eine Teilzeitstelle mit mindestens 20 Stunden pro Woche. Mehr als die Hälfte der früheren Minijobber sei nicht mehr am Arbeitsmarkt tätig.

Dies belege, dass Minijobs - anders als von den rot-grünen Arbeitsmarktreformern gewollt - "nicht als Brücke in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wirken", zitiert die Zeitung aus der Studie. Minijobs als Haupterwerb seien im Effekt "ein Programm zur Erzeugung lebenslanger ökonomischer Ohnmacht und Abhängigkeit von Frauen".

Schlechte Bezahlung, kaum Rechte

Eine Frau hält 6,89 Euro in ihrer Hand
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Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro die Stunde sind bei Minijobbern an der Tagesordnung.

Eine weitere Studie kommt zu dem Ergebnis, dass jeder zweite Minijobber weniger als 8,50 Euro die Stunde verdient. Die Untersuchung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung offenbare zudem schwere Verstöße gegen Arbeitsrecht, sagte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). Sein Ministerium hatte die Studie in Auftrag gegeben. Rund 3200 Beschäftigte und Arbeitgeber hatten an der Studie teilgenommen. Nach Angaben Schneiders ist dies die umfassendste Befragung zu Minijobs. Bundesweit gibt es rund sieben Millionen geringfügig Beschäftigte, in NRW 1,7 Millionen.

Zwei Drittel der Minijobber haben der Studie zufolge noch nie den ihnen gesetzlich zustehenden bezahlten Urlaub genommen. 41 Prozent wird bezahlter Urlaub generell verwehrt. "Selbst die Arbeitgeber geben zu, gesetzlich vorgeschriebene Leistungen nicht zu gestatten", kritisierte Schneider. 30 Prozent der Arbeitgeber sagen, dass sie keinen Urlaub gewähren. 40 Prozent zahlen kein Entgelt, wenn der Arbeitstag auf einen Feiertag fällt. 39 Prozent gewähren keine Fortzahlung im Krankheitsfall.

"Obwohl Minijobber arbeitsrechtlich allen anderen Beschäftigten gleichgestellt sind, werden sie von einer Vielzahl von Arbeitgebern als billige Arbeitskräfte zweiter Klasse behandelt", bilanzierte Schneider. Mit einer Bundesratsinitiative wolle sich NRW für gute und faire Arbeitsbedingungen auch für Minijobber starkmachen. "Wir wollen Minijobs nicht abschaffen", betonte der SPD-Politiker. Ein Mindestlohn von 8,50 Euro müsse aber auch hier gelten. Zudem sei ein schärferes Strafinstrumentarium nötig, um arbeits- und tarifrechtliche Bestimmungen auch durchzusetzen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. März um 17:00 Uhr

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