Fragen und Antworten

Überlandleitungen des Stromnetzes

Neue Kabel für die Energiewende Welches Stromnetz braucht das Land?

Stand: 30.05.2012 15:18 Uhr

Was kostet das neue Netz?

Der Bau von 3600 Kilometern Höchstspannungsleitungen über der Erde kostet laut Dena rund zehn Milliarden Euro. Finanzieren sollen das die Verbraucher: Die Kosten werden komplett auf den Strompreis umgelegt. Zunächst müssen die vier Betreiber des Höchstspannungsnetzes, Tennet, 50 Hertz, EnBW und Amprion die Ausbaukosten aber vorschießen.

Bis 2020 wird der Strom darum wohl schrittweise teurer: Pro Haushalt um jährlich 1,62 Euro - so die Prognose der Bundesnetzagentur. 2020 lägen die Kosten jährlich dann etwa 16 Euro höher als heute. Eine komplette Erdverkabelung wäre deutlich teurer: Nach einer Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft lägen die Kosten dafür bei rund 59 Milliarden Euro.

Eine 800 Kilometer lange Höchstspannungsleitung unterirdisch zu verlegen, würde vier Milliarden Euro zusätzlich im Gesamtpaket ausmachen.

Liegt der Netzausbau im Zeitplan?

Im Energieleitungsausbaugesetz EnLAG ist ein Zeitplan für die bundesweit 24 Bauprojekte festgeschrieben. In der ersten Phase bis 2015 sollen 850 Kilometer neue Leitungen stehen - im April 2012 waren davon gerade einmal 214 gebaut und nicht einmal 100 Kilometer in Betrieb genommen. Damit hinkt der Netzausbau den Planungen hinterher. In der zweiten Phase zwischen 2020 und 2025 soll das neue Höchstspannungsnetz mit rund 3600 zusätzlichen Kilometern vollständig ausgebaut sein.

Hochspannungsnetz in Deutschland
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Hochspannungsnetz in Deutschland

Wie hoch ist das Risiko von großen Stromausfällen?

Die Strommenge, die die Windräder in das Netz einspeisen, schwankt je nach Wetterlage. An windigen Tagen produzieren sie mehr Strom als das Land benötigt. Um die Leitungen nicht zu überhitzen, müssen Netzbetreiber den überschüssigen Strom dann im Ausland loswerden. Bei wenig Wind besteht die Gefahr, dass die Netzfrequenz unter 50 Hertz sinkt. Damit wäre das Netz instabil.

Der Strom aus deutschen Steckdosen kann aber auch aus dem Ausland gekauft werden. Schon heute werden Stromkontingente auf europäischen Strombörsen erworben. Ob dieser Strom aus Kohle-, Wind- oder Atomkraftwerken stammt, ist an der Börse nicht nachzuvollziehen. Deswegen ist es trotz Energiewende wahrscheinlich, dass deutsche Haushalte auch künftig Atomenergie aus dem Ausland beziehen.

Netzausbau Energiewende "Smart Grid" "Intelligentes Stromnetz"

Sogenannte "Smart Grid"-Systeme können Stromerzeuger, Speicher, Umspannwerke, Verbraucher und Verteilernetze intelligent miteinander verbinden und den Stromfluss im Netz koordinieren. Die Systeme stellen fest, wo der Stromverbrauch besonders hoch ist, wie stark Leitungen belastet sind und wie viel Strom von wo ins Netz fließt.

Vor allem bei vielen kleinen Erzeugern ist eine intelligente Organisation im Netz wichtig. In Deutschland wird die Effizienz intelligenter Stromnetze zurzeit in sechs Modellregionen erprobt.

Sollte es, etwa im Winter, zu Engpässen auf dem deutschen Markt kommen, sollen Blöcke von zwei Kohlekraftwerken und eines Gaskraftwerkes zusätzlichen Strom liefern.

Wie kann man Strom aus Erneuerbaren speichern?

Pumpspeicherkraftwerk Hohenwarte II in Thüringen
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Pumpspeicherkraftwerk Hohenwarte II in Thüringen.

Pumpspeicherkraftwerke zeigen, wie aufwändig es ist, Strom aus Erneuerbaren zu speichern: In Zeiten mit überschüssigem Strom pumpen sie Wasser aus Tälern in höher gelegene Speicherseen. Sobald dann zusätzlicher Strom im Netz gebraucht wird, fließt das Wasser durch Fallrohre wieder abwärts und treibt Turbinen und damit Generatoren an. Etwa 85 Prozent des überschüssigen Stroms bleiben auf diese Weise erhalten. Gebiete in Süddeutschland und in den Mittelgebirgen würden sich zwar für den Bau weiterer Pumpspeicherkraftwerke eignen. Als massive Eingriffe in die Landschaft stoßen die großen Anlagen aber auf Widerstand. Einige Experten gehen sogar davon aus, dass in Deutschland keine weiteren Speicherseen durchsetzbar sind.

Weil Windenergie aus Nord- und Ostsee auf dem gesamten Kontinent an Bedeutung gewinnt, braucht Europa für die Energiewende eine Art Batterie - und die könnte in Norwegen liegen. Die vielen Pumpspeicher in Norwegen machen schon jetzt die Hälfte aller europäischen Speicherkapazitäten aus. Im Rahmen der Initiativen NorGer und NorLink werden deswegen bereits Leitungen vom norwegischen Süden an die deutsche Nordseeküste verlegt. Kosten: 1,4 Milliarden Euro. Zu 16 Prozent gehören die Leitungen norwegischen Energiekonzernen.

Luftbild des Pumpspeicherkraftwerks Hohenwarte II in Thüringen
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Luftbild des Pumpspeicherkraftwerks Hohenwarte II in Thüringen.

Neben Wasser kann auch Luft als Speichermedium dienen. In Druckluftspeicherkraftwerken werden komprimierte Luftmassen in einen unterirdischen, luftdichten Salzstock gedrückt. Wird Strom benötigt, kann diese Luft erhitzt und durch eine Gasturbine abgelassen werden. Der Wirkungsgrad bei Druckluftspeicherkraftwerken liegt bei bis zu 80 Prozent. Salzstöcke, die als Druckluftspeicher benutzt werden könnten, liegen vor allem im Norden Deutschlands.

Zusammengestellt von Roberto Jurkschat für tagesschau.de.

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