Die roten Positionslichter an Windenergieanlagen in Jacobsdorf in Brandenburg erhellen den Nachthimmel und die Landschaft. | dpa

Strommix im ersten Halbjahr Ökostromanteil deutlich gestiegen

Stand: 06.07.2022 15:42 Uhr

Fast die Hälfte der Stromproduktion kam in den ersten sechs Monaten aus erneuerbaren Energien. Vor allem die Wind- und Solaranlagen produzierten mehr Energie. Insgesamt wurde weniger Strom verbraucht.

Von Januar bis Juni haben die erneuerbaren Energien 49 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland abgedeckt. Das ergaben vorläufige Berechnungen des Branchenverbandes BDEW und des Stuttgarter Forschungsinstitutes ZSW. Gegenüber dem Vorjahr war dies eine Steigerung um sechs Prozentpunkte. Gute Wind- und Solarerträge im Frühjahr sind laut den Angaben dafür hauptverantwortlich gewesen.

Wind an Land trägt am meisten bei

Für 21 Prozent der deutschen Stromerzeugung sorgten Windräder an Land, im Vorjahrszeitraum waren es 17 Prozent. Mit Solaranlagen wurden zwölf Prozent des Stroms erzeugt, ein Jahr zuvor waren es zehn Prozent. Angaben zu den genauen Anteilen von Kohle, Gas und Atomkraft machte der Branchenverband noch nicht.

Die Deutschen haben im ersten Halbjahr insgesamt weniger Strom verbraucht. Der Stromverbrauch sank um zwei Milliarden Kilowattstunden auf voraussichtlich rund 281 Milliarden. Mit Sonne, Wind und anderen erneuerbaren Quellen wurden 139 Milliarden Kilowattstunden erzeugt, während konventionelle Energieträger auf 159 Milliarden Kilowattstunden kamen. Die Differenz zwischen den insgesamt erzeugten 298 Milliarden und den verbrauchten 281 Milliarden Kilowattstunden wurde ins Ausland exportiert.

Ausbau der erneuerbaren Energien gefordert

BDEW-Chefin Kerstin Andreae forderte einen zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien: "Sie sind der Schlüssel zu einer grünen Strom- und Wärmeversorgung, einer mit Wasserstoff produzierenden Industrie und einer klimaneutralen Mobilität." Besonders bei der Windenergie an Land bestehe dringender Handlungsbedarf. Dabei fehlten weiterhin ausgewiesene Flächen. Der Ausbau der Windkraft an Land ist in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten. Branchenvertreter sehen auch zu lange Planungs- und Genehmigungsverfahren als Grund dafür.

Ökostromanteil: Zwei Berechnungsmöglichkeiten

Der Anteil Erneuerbarer Energien bezogen auf den Bruttostromverbrauch im ersten Quartal 2022 beträgt 50 Prozent. Den Ökostromanteil am Bruttostromverbrauch zu bemessen, ist die gängige Berechnungsgrundlage. Sie geht zurück auf europäische Vorgaben und steht im Einklang mit den Zieldefinitionen der Bundesregierung zum Ausbau der Erneuerbaren Energien. Der Bruttostromverbrauch bildet das gesamte Stromsystem eines Landes ab.

Eine andere Möglichkeit ist, den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung zu messen. Sie umfasst die gesamte in Deutschland erzeugte Strommenge, also auch die exportierten Strommengen. Der Anteil erneuerbarer Energien im ersten Quartal 2022 auf Basis der Bruttostromerzeugung beträgt 46 Prozent - und damit sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahresquartal.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Juli 2022 um 09:00 Uhr.