Hintergrund

Steinkohlebergbau in Deutschland 2018 ist Schicht im Schacht

Stand: 12.03.2008 12:05 Uhr

Seit Jahrhunderten wird Kohle in Deutschland gefördert - 2018 soll die letzte der acht verbliebenen Zechen schließen. Welche das sein wird, ist nach dem Beben an der Saar offener denn je - denn eigentlich stand die Grube, für die zurzeit ein Abbaustopp gilt, ganz am Ende der Schließungsliste.

Bergbau
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2018 soll endgültig Schluss sein mit dem Steinkohleabbau in Deutschland.

Nach Jahren heftiger Debatten haben sich Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften im Frühjahr 2007 auf einen langfristigen Ausstieg aus dem Bergbau geeinigt. 2018 steht nun die letzte Zeche vor dem Aus. Die rund 33.000 Stellen sollen sozialverträglich abgebaut werden, betriebsbedingte Kündigungen sind im Gesetz zur Steinkohlefinanzierung ausgeschlossen.

Insgesamt 130 Milliarden Euro Steuergelder hat sich der Staat die Kohlförderung in den vergangenen 50 Jahren kosten lassen. Denn weil die deutsche Kohle unter schwierigen Bedingungen aus großen Tiefen ans Tageslicht geholt wird, ist sie nur mit hohen Subventionen wettbewerbsfähig. Bis zum Ausstieg werden noch einmal weitere 30 Milliarden Euro veranschlagt, rund zwei Drittel davon gehen als Beihilfen und Anpassungsgelder an die Bergleute.

Infografik: Steinkohlebergbau -  Anzahl der Arbeitnehmer
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Mehr als eine halbe Million Menschen waren in den Fünfzigerjahren im deutschen Steinkohlebergbau beschäftigt - heute sind es noch rund 33.000.

An der Saar ist die Förderung billiger

Nacheinander sollen die noch verbliebenen acht Zechen und Gruben geschlossen werden. Zuerst ist nach den bisherigen Plänen das Bergwerk Walsum bei Duisburg an der Reihe – Mitte des Jahres fahren die rund 2700 Mitarbeiter zum letzten Mal unter Tage. Anfang 2010 dann kommt dann das Aus für die 2300 Kumpel in Lippe, einem der kleinsten Bergwerke in Deutschland, sowie für zwei weitere - noch nicht genannte - Zechen im Ruhrgebiet.

Karte: Kohlezechen
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An diesen Standorten wird zurzeit in Deutschland noch Steinkohle abgebaut.

RAG-Pläne hinfällig?

Doch das Beben an der Saar Ende Februar und der damit verbundene Abbaustopp könnten die Pläne des Zechenbetreibers RAG über den Haufen werfen. Denn die einzig verbliebene Saargrube mit ihren rund 5000 Mitarbeitern stand eigentlich ganz unten auf der Schließungsliste. Der Grund: In Ensdorf wird Kohle wesentlich billiger gefördert als im Ruhrgebiet. 90 Euro pro Tonne kostet hier die Kohleproduktion nach Medienberichten, die nie von der RAG dementiert worden. Der Konzernschnitt liegt laut dem Verein der deutschen Kohleimporteure dagegen bei 160 bis 170 Euro - bei einem Weltmarktpreis von zurzeit 110 Euro pro Tonne.  

Infografik: Steinkohleförderung 1945 - 2007
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Gut 21 Millionen Tonnen Steinkohle hat der Bergbaukonzern RAG 2007 an Ruhr und Saar aus dem Boden geholt, davon entfallen auf Nordrhein-Westfalen knapp 18 Millionen und auf das Saarrevier 3,5 Millionen Tonnen.

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