Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhält symbolisch das letzte aus dem Schacht Franz Haniel gewonnene Steinkohlestück. | Bildquelle: REUTERS

Steinkohleförderung Ein schwerwiegender Schluss

Stand: 21.12.2018 18:53 Uhr

Bundespräsident Steinmeier hat auf der Zeche Prosper-Haniel das letzte Stück Kohle überreicht bekommen. Damit ist die Steinkohleförderung in Deutschland beendet. Das Aus fiel den Bergleuten sichtlich schwer.

Eine Epoche der deutschen Industriegeschichte ist zu Ende gegangen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop das letzte geförderte Kohlestück. "Das ist ein Tag der Trauer für Sie", sagte er, nachdem ihm Reviersteiger Jürgen Jakubeit am Schacht den etwa sieben Kilogramm schweren Kohlebrocken überreicht hatte. Es sei nicht nur ein Stück Kohle, es sei ein Stück Geschichte, das er in der Hand halte, so Steinmeier.

"Heute ist ein schwarzer Tag", sagte der Chef des Bergbaukonzerns RAG, Peter Schrimpf. Die Steinkohleförderung in Deutschland werde "endgültig und unwiderruflich" eingestellt. Diesen Schlusspunkt zu setzen, falle jedem Bergmann schwer. Es lasse sich kaum in Worte fassen, "was unsere Bergleute heute fühlen".

Bergleute halten ein Stück Steinkohle in der Hand. | Bildquelle: dpa
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Sie halten das letzte Stück Steinkohle in Händen, das in Deutschland gefördert wurde.

"Kohle und Wohlstand sind untrennbar"

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hob die europäische Dimension des Bergbaus hervor. Ohne Kohle und Stahl hätte es den Aufbruch zur europäischen Einigung nicht gegeben. "Kohle und Wohlstand sind untrennbar", betonte Juncker vor Beginn des Festakts in Bottrop, zu dem 500 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur eingeladen waren.

Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet betonte die historische Bedeutung der Steinkohleförderung in einer Videobotschaft. "Ein großes Kapitel deutscher Industriegeschichte geht zu Ende", sagte er. "Gerade hier in Nordrhein-Westfalen haben wir der Steinkohle, dem 'schwarzen Gold', so viel zu verdanken: Hunderttausende Arbeitsplätze, Wohlstand für viele Familien und eine Energieversorgung, die die Industrie in unserem Land erst so stark gemacht hat", sagte Laschet. Das Zeitalter der Kohle sei eine Erfolgsgeschichte.

Keine Entlassungen durch Vorruhestandsregelungen

Das Aus für die Steinkohleförderung hatten die Bundesregierung, die Kohleländer Nordrhein-Westfalen und Saarland sowie die Bergbaugewerkschaft IG BCE im Jahr 2007 vereinbart. Rund 33.000 Bergleute und andere Mitarbeiter waren damals auf den Zechen beschäftigt. Zuletzt hatte der Bergbaukonzern RAG noch 3000 Mitarbeiter. Großzügige Vorruhestandsregelungen sorgten dafür, dass es keine Entlassungen beim Personalabbau gab.

In diesem Jahr förderten die Bergleute noch etwa 2,6 Millionen Tonnen Steinkohle. In der Hochzeit der Kohleförderung in den 1950er-Jahren waren es mehr als 150 Millionen Tonnen pro Jahr. Mit der Schließung der letzten Zeche ist der Einsatz der Steinkohle in Deutschland aber nicht zu Ende: Bei der Stromerzeugung und in den Stahlwerken wird sie künftig komplett durch Importkohle ersetzt.

Wie viel Steinkohle in den kommenden Jahren verstromt wird, dürfte auch von den Ergebnissen der Beratungen der derzeit tagenden Kohlekommission abhängen. In diesem Jahr hat Steinkohle zu 13 Prozent der deutschen Stromerzeugung beigetragen.

Steinkohle adé - aber kein Kohleausstieg
tagesthemen 23:25 Uhr, 21.12.2018, Martin Polansky, ARD Berlin

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Dezember 2018 um 17:00 Uhr.

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