1 Euro | colourbox.de

Zweieinhalb-Jahres-Hoch Impfstoff-Hoffnungen lassen Euro steigen

Stand: 03.12.2020 11:52 Uhr

Die europäische Gemeinschaftswährung kennt seit Tagen zum US-Dollar nur eine Richtung: aufwärts. Für die Wirtschaft der Eurozone sind das keine guten Nachrichten. Wird die EZB aktiv?

Der Euro baut seine jüngsten Kursgewinne auch am Donnerstag aus. Am Vormittag stieg der Kurs bis auf 1,2139 US-Dollar und erreichte den höchsten Stand seit April 2018. Zuletzt fiel die Gemeinschaftswährung aber wieder etwas zurück und wurde mit 1,2115 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,2066 Dollar festgesetzt.

Der Kurs des Euro setzt damit seine im November begonnene Rally fort. Erstmals seit April 2018 gelang der Gemeinschaftswährung nun der Sprung über die Marke von 1,21 US-Dollar.

Dollar verliert an Attraktivität

Fachleute bringen die jüngste Euro-Stärke mit einer steigenden Risikobereitschaft der Anleger in Verbindung, die mit positiven Nachrichten in Bezug auf Corona-Impfstoffe zusammenhängen. "Der Euro profitiert von der Schwäche des Dollars und den Aussichten auf Impfungen gegen Covid-19", schreiben die Fachleute der Helaba.

Die Aussicht auf eine rasche Überwindung der Corona-Krise mache die Weltleitwährung Dollar als "sicheren Hafen" unattraktiver, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. Investoren wendeten sich riskanteren Währungen zu.

Die Sorge ist, dass sich die europäische Gemeinschaftswährung in Richtung 1,25 US-Dollar orientieren könnte, stellen die Marktbeobachter von IG Markets fest: "Den Marktteilnehmern macht die jüngste Euro-Stärke ein wenig Kopfschmerzen."

Covid-Impfstoff | imago images / Christian Ohde

Der Covid-Impfstoff weckt die Risikofreude bei den Anlegern Bild: imago images / Christian Ohde

Der Export leidet

Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft und die EU-Wirtschaft insgesamt ist ein starker Euro unerwünscht und ein ernster Belastungsfaktor, da ihre Produkte sich außerhalb der Eurozone verteuern. Das geschieht ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Pandemie die Konjunktur ohnehin hart getroffen hat und die europäische Wirtschaft in Schwierigkeiten steckt. Auch der Aktienmarkt leidet unter der starken Währung.

Das werde auch bei der Europäischen Zentralbank für Gesprächsstoff sorgen, sagte Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Brokerhaus Axi. Die EZB dürfte vor einem zu starken Anstieg warnen. "Konkrete Maßnahmen oder eine überzeugende verbale Intervention dürften aber ausbleiben und den Kursanstieg daher nur temporär bremsen."

EZB-Gebäude in Frankfurt | picture alliance / greatif / Florian Gaul

Wird die EZB intervenieren? Bild: picture alliance / greatif / Florian Gaul

Was tut die EZB?

Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, dass die Gemeinschaftswährung in den kommenden Tagen wieder zurückfällt. Jordan Rochester, Währungsstratege bei Nomura, ist der Ansicht, dass Investoren zum einen die Gelegenheit nutzen könnten, um jüngste Währungsgewinne einzustreichen. Auch die Möglichkeit, dass die EZB in der kommenden Woche am 10. Dezember die Geldpolitik weiter lockert, könnte Rochester zufolge den Euro wieder schwächen – auch ohne verbale Intervention.

Der Spielraum der Notenbank sei aber begrenzt, da sie zwar eine Anpassung der Geldpolitik in Aussicht gestellt habe, aber keine weitere Zinssenkung, meint Commerzbank-Devisenexperte Ulrich Leuchtmann.