Ex-Audi-Chef Stadler | Bildquelle: via REUTERS

Prozess um Diesel-Skandal Kein eigenes Verfahren für Stadler

Stand: 13.10.2020 18:12 Uhr

Ex-Audi-Chef Stadler muss sich auch weiterhin gemeinsam mit drei Motorenentwicklern vor Gericht verantworten. Das Landgericht München hat eine Abspaltung seines Verfahren abgelehnt.

Der frühere Chef des Autobauers Audi, Rupert Stadler, wird auch künftig gemeinsam mit drei Motorenentwicklern auf der Anklagebank sitzen - und zwar möglicherweise noch jahrelang. Das Landgericht München hat heute Stadlers Antrag auf Abtrennung des Verfahrens abgelehnt.

Es sei "zweckmäßig", den Prozess gemeinsam weiterzuführen, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Weickert. Stadlers Rechte würden dadurch nicht übermäßig eingeschränkt. Es werde eine umfangreiche Beweisaufnahme geben, bei der die Verteidigungsrechte aller Beteiligten gewahrt würden.

Stadlers Anwälte verweisen auf unterschiedliche Anklagepunkte

Stadlers Verteidiger hatten beanstandet, es sei nicht sinnvoll, ihren Mandanten gemeinsam mit den drei Mitangeklagten vor Gericht zu stellen. Die Motorenentwickler sollen zusammen von 2008 an Abgasmanipulationen an Audi-Dieselmotoren veranlasst haben.

Stadler hingegen wird vorgeworfen, den Verkauf manipulierter Fahrzeuge von Herbst 2015 an nicht gestoppt zu haben. Die Anwälte des Ex-Konzernchefs führten außerdem ins Feld, dass viele andere Beschuldigte als Zeugen ausfallen könnten, weil sie das Recht auf Aussageverweigerung hätten.

Richter weist Argumentation zurück

Dem hielt Richter Weickert entgegen, dass man sich bei der Auswahl der Beschuldigten in einem Prozess keinesfalls auf einen Kern des Tatvorwurfs fokussieren müsse. Im aktuellen Komplex gehe es um viele Straftaten, die mutmaßlich von vielen Beteiligten unterschiedlicher Hierarchieebenen begangen worden seien.

Es könne durchaus sinnvoll sein, dem anhand ausgewählter Angeklagter nachzukommen. Dass Zeugen möglicherweise die Aussage verweigerten, könne auch bei anderen Verfahrenskombinationen passieren.

Jahrelanges Verfahren erwartet

Der Prozess gegen Stadler und die drei Mitangeklagten hatte Ende September begonnen und kann sich noch jahrelang hinziehen. Die Kammer des Landgerichts München hat Verhandlungstermine bis Dezember 2022 angesetzt, um Licht in den Skandal um manipulierte Abgaswerte bei der Volkswagen-Tochter Audi zu bringen.

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