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Steigende Zinsen für Staatsanleihen Ist der Finanzkollaps noch zu stoppen?

Stand: 24.05.2013 10:59 Uhr

Welche Folgen haben die steigenden Zinsen?

Vorweg: Kurzfristig sind die Folgen zunächst überschaubar. Wenn die Zinsen für Spanien auf sieben Prozent steigen, bedeutet das nicht, dass es nun für seine Gesamtschulden auf einen Schlag sieben Prozent Zinsen zahlen muss - sondern eben nur für den Teil, der gerade neu finanziert werden musste. Für knapp sieben Prozent lieh sich Spanien zum Beispiel im Sommer 2012 rund 3,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Gesamtverschuldung lag laut IWF Ende 2010 bei knapp 640 Milliarden Euro.

Und auch die oft als "kritisch" bezeichnete Grenze von sieben Prozent gibt es nicht. Italien musste in den Neunzigerjahren deutlich höhere Zinsen bezahlen - und selbst Deutschland verzinste seine Staatsanleihen in den ersten Jahren nach der Einheit mit mehr als sieben Prozent. "Das ist nicht erfreulich, aber ein Land von der Stärke Italiens kann das kurzfristig ohne jede Schwierigkeit meistern", sagt zum Beispiel Jörg Asmussen. Generell gilt: Ein Land, das stark wächst oder zumindest Wachstumspotenzial hat, kann zumindest kurz- und mittelfristig problemlos höhere Zinssätze verkraften. Ein Land, dessen Wirtschaft schrumpft, wird schon erhebliche Probleme bei deutlich niedrigeren Zinssätzen bekommen.

Langfristig sieht das allerdings anders aus - denn je länger ein Land hohe Zinsen zahlen muss, umso höher wird auch der Durchschnittszins für die Gesamtverschuldung. Ein Land, das 100 Milliarden Euro zu höheren Zinsen aufnehmen musste, zahlt für jeden Prozentpunkt, um den die Zinsen gestiegen sind, eine Milliarde Euro Zinsen mehr - und das pro Jahr.

Welche Folgen hat die Krise für Deutschland?

Deutschland hat in der Schuldenkrise bereits erhebliche Verpflichtungen übernommen - etwa bilaterale Kredite an Griechenland im Rahmen des ersten Griechenland-Pakets, die Beteiligung am EFSF, die Haftung im Rahmen der EZB und hinzu kommt noch der dauerhafte Rettungsschirm ESM. Reale Verluste kommen aus dem Schuldenschnitt für Griechenland, an dem sich zwar der Staat nicht direkt beteiligt - aber die Verluste zum Beispiel der HRE-Bad-Bank FSM aus dem Schuldenschnitt gehen eins zu eins zu Lasten der Steuerzahler.

Bei allen anderen Verpflichtungen handelt es sich zumindest bisher nur um Verpflichtungen - in Form von Krediten oder Bürgschaften. Werden die alle bedient, gibt es keine weiteren Belastungen - aber das ist absolut noch nicht absehbar. Theoretisch sind auch Belastungen im hohen dreistelligen Milliardenbereich denkbar.

Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble
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Die Bundesregeirung kann zurzeit die deutschen Schulden extrem günstig finanzieren.

Bislang ist Deutschland vor allem Krisenprofiteur. Gerade weil das Vertrauen in viele Länder wackelt, konzentriert sich das Anlegerinteresse auf das Land, das als "sicherer Hafen" gilt. Sprich: Alle, die in der Eurozone Geld verleihen wollen, wollen es am liebsten an Deutschland verleihen. Und das führt dazu, dass die Zinsen für deutsche Anleihen immer weiter sinken. Die Umlaufrendite, also die durchschnittliche Verzinsung aller deutschen Papiere, liegt seit Mai 2012 meist unterhalb der Marke von 1,5 Prozent. Selbst zehnjährige Staatsanleihen werfen für die Anleger gerade mal um die 1,3 Prozent Zinsen ab - und für Papiere mit Laufzeiten von bis zu zwei Jahren lag der Zinssatz nun schon mehrfach bei null Prozent - oder sogar darunter. Deutschland gilt unter den Anlegern also als so sicher, dass sie sogar reale Verluste in Kauf nehmen, nur um Deutschland Geld leihen zu können - denn die Inflationsrate liegt zurzeit klar über den Zinsen.

Die Folgen sind also bislang vor allem für den Bundesfinanzminister spürbar - er kann die deutschen Schulden so günstig finanzieren wie kaum je zuvor. Und bislang zumindest hält das Vertrauen der Anleger in Deutschland - selbst als die Zinsen der anderen AAA-Staaten erstmals stiegen, sanken die deutschen Zinsen weiter. Noch haben die Investoren also keine Angst, dass sich Deutschland ansteckt.

Sind steigende Zinsen nur schlecht?

Steigende Zinsen können auch eine positive Wirkung haben - nicht nur für Anleger. Staaten, die seit Jahren Probleme vor sich herschieben, werden nun gezwungen, ihre Haushaltsprobleme endlich anzugehen, statt sie immer weiter auf künftige Generationen abzuschieben. Und umgekehrt: Sehr niedrige Zinsen bremsen den Drang, nötige aber vielleicht unpopuläre Entscheidungen anzugehen und verführen die Politik eher dazu, sich das Wohlwollen des Wahlvolks über Steuererleichterungen oder Subventionen zu erkaufen. So geht es in der aktuellen Diskussion im Niedrigzinsland Deutschland nicht primär ums Sparen - obwohl auch Deutschland seit Jahren mit der Höhe seiner Gesamtverschuldung gegen die Maastricht-Kriterien verstößt. Gestritten wird stattdessen über Steuersenkungen.

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