Benzinpreise auf Rekordniveau | picture alliance / SVEN SIMON

Energiekosten Spritpreise steigen auf Rekordhoch

Stand: 07.03.2022 12:06 Uhr

Am Sonntag haben die Spritpreise in Deutschland nach ADAC-Angaben neue Höchststände erreicht. Diesel ist mittlerweile teurer als Super E10. Auch die Preise von Heizöl und Erdgas kennen derzeit kein Halten.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Wie der ADAC gegenüber tagesschau.de mitteilte, haben die Spritpreise am Sonntag neue Höchststände erreicht. Im Durchschnitt kostete ein Liter Super E10 in Deutschland am Sonntag 1,965 Euro. Ein Liter Diesel kostete gestern deutschlandweit im Schnitt 1,984 Euro. Beides sind Rekordpreise. Der Ölpreis treibe die Kraftstoffpreise weiter nach oben, sagte ein ADAC-Sprecher.

Auch beim Heizöl ist der Preisgipfel offenbar noch nicht erreicht. Aktuell liegt der Preis bei rund 170 Euro je 100 Liter. Der Preis für Erdgas springt in Europa ebenfalls von Rekord zu Rekord. Heute wurde am wichtigen niederländischen Handelspunkt TTF eine Megawattstunde zeitweilig für 345 Euro gehandelt, ein Plus von rund 60 Prozent und ein neuer Höchststand.

Energiepreise und Inflation belasten

Verbraucher geraten durch die Preisanstiege in zweierlei Weise unter Druck. Zum einen erhöhen sich die Energie- und Heizkosten für sie zum Teil drastisch. Dass Verbraucher in Deutschland nach Angaben des Portals Check 24 zwischen September 2021 und Februar 2022 etwa drei Prozent weniger Energie fürs Heizen aufwenden mussten als im Vorjahreszeitraum, bringt angesichts der enormen Preissteigerungen keine Entlastung.

Zum anderen machen sich auch die steigenden Produktions- und Transportkosten für Konsumgüter bemerkbar. Beides zusammengenommen heizt den Anstieg der Verbraucherpreise weiter an. Im Februar lag die Inflationsrate bei 5,1 Prozent.         

Fallende Preise eher unwahrscheinlich

Aktuell stehen die Chancen auf nachhaltig sinkende Preise schlecht. Der Ölpreis erreichte heute das Niveau aus dem Jahr 2008. Iran sei der einzige Faktor gewesen, der den Preisdruck hätte mindern können, meint Amrita Sen vom Think Tank Energy Aspects und spielt dabei auf die laufenden Verhandlungen zum iranischen Atomabkommen an. Aber da der Iran-Deal sich verzögere, könnten die Lager sich schneller leeren, insbesondere wenn russisches Öl vom Markt bleiben würde, so Sen. Derzeit beraten die USA und Europa über einen Importstopp für russisches Öl.  

Die Rohstoffanalysten der US-Bank JPMorgan rechnen in diesem Jahr mit einem Preis von 185 Dollar pro Barrel. Einige Fachleute halten mittlerweile selbst das Niveau von 200 Dollar für möglich: "Der Preis der Freiheit liegt bei 200 US-Dollar pro Barrel Rohöl. So viel könnte es kosten, wenn die Welt kein russisches Öl mehr nutzen will", meint Chris Wheaton, Rohstoffexperte bei der Investmentbank Stifel.  

Gebremstes Wachstum, tieferer Ölpreis

Man bräuchte laut Stifel die gesamten weltweiten ungenutzten Ölproduktionskapazitäten, die Rückkehr von mehr iranischem Öl auf den Markt, einen Anstieg der Bohrungen in der US-Schieferindustrie und die Reduktion der Nachfrage durch hohe Preise, um Russlands Beitrag zur weltweiten Ölversorgung zu ersetzen. "Der Iran könnte bis zu 2,5 Millionen Barrel Rohöl täglich exportieren. Die russischen Rohölexporte belaufen sich auf 4,6 Millionen Barrel pro Tag", schreibt Commerzbank-Experte Carsten Fritsch.

Allerdings könnte der Ukraine-Krieg die konjunkturelle Erholung der Weltwirtschaft bremsen. So hatte die chinesische Regierung am Samstag auch deshalb das Wachstumsziel auf den niedrigsten Wert seit 30 Jahren gesenkt.

Das wiederum könnte den Ölpreis durchaus belasten: "Da der Russland-Ukraine-Krieg auch negative Implikationen für die Konjunkturentwicklung hat, wird die Nachfragedynamik bei Öl 2022 zurückgehen, gerade bei den sehr hohen Preisen", schreiben die Marktbeobachter der DZ Bank. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Angebotsreaktionen und der rückläufigen Nachfragedynamik baue sich der Knappheitsgrad mittelfristig wieder etwas ab, lautet ihre These.

Über dieses Thema berichtete NDR1 Welle Nord am 01. März 2022 um 08:00 Uhr.