Die Zentrale des Axel-Springer-Verlags in Berlin | Bildquelle: AFP

Angebot vorgelegt Finanzinvestor steigt bei Springer ein

Stand: 12.06.2019 11:19 Uhr

Digital statt Print - diesen Umbau forciert der Medienkonzern Springer seit Jahren. Helfen soll der Einstieg des US-Finanzinvestors KKR, der den Aktionären nun ein Angebot vorlegte. Denn Springers Umbau ist teuer.

Seit Ende Mai ist die Absicht des US-Finanzinvetsors KKR bekannt, beim Medienkonzern Axel Springer einzusteigen. Nun haben die Amerikanern den Aktionären ein Angebot vorgelegt. Springer will damit seinen Umbau zu einem digitalen Konzern vorantreiben - der gestaltete sich zuletzt schwierig.

KKR strebt einen Mindestanteil an Springer von 20 Prozent an und bietet den Aktionären dafür 63 Euro je Aktie. Springer und KKR hätten sich auf den Einstieg verständigt, teilte das Medienhaus mit. Großaktionärin Friede Springer und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner behalten den Angaben zufolge ihre Anteile. Zusammen kontrollieren sie 45,4 Prozent des Konzerns. Unklar ist noch, ob die beiden Enkel des Firmengründers ihren Anteil verkaufen oder behalten werden - sie kommen auf zehn Prozent der Aktien.

Es soll nicht um kurzfristige Effekte gehen

Der Springer-Konzern, der die Zeitungen "Bild" und "Welt" herausgibt, betonte in der Erklärung die langfristige Perspektive der Partnerschaft. Das Unternehmen profitiere "von einem neuem strategischen und finanziellen Partner, der das langfristige Wachstum und die Investitionsstrategie unterstützt", hieß es in der Erklärung weiter.

KKR (Kohlberg Kravis Roberts) ist eine der größten Beteiligungsgesellschaften weltweit und war in der Vergangenheit an Pro Sieben Sat 1 beteiligt waren und verfügt insofern über Erfahrungen mit dem Medienmarkt. Zusammen mit dem Medienmanager Fred Kogel baut KKR seit Anfang des Jahres zudem rund um Tele München eine unabhängige Fernseh- und Film-Produktions- und Vertriebsfirma auf.

Allerdings bleibt KKR im Durchschnitt nur fünf bis sieben Jahre bei einem Unternehmen. Ein KKR-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Einstieg bei Springer sei zunächst auf fünf Jahre angelegt.

Mathias Döpfner und Friede Springer | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX
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Behalten ihre Anteile: Mathias Döpfner und Friede Springer

Fokus auf den digitalen Markt

Der Einstieg fällt in eine Zeit, in der Springers Gewinne schrumpfen. Das Unternehmen will künftig noch stärker auf digitalen Journalismus und digitale Kleinanzeigen setzen - also Job-, Immobilien- und Autoportale. Damit soll die schwächelnde Entwicklung der Printmedien ausgeglichen werden.

Der Bereich mit Produkten wie Business Insider und dem Jobportal Stepstone erwirtschaftete im vergangenen Jahr bereits 71 Prozent der Umsätze. Die Investitionen für diese Strategie drücken aber auf das Ergebnis. Zudem ist Google soeben in den lukrativen deutschen Markt eingestiegen und bietet auf Google Jobs nun kostenlose Stellenanzeigen. Das dürfte die Gewinne von Springer weiter drücken.

An der Börse gehört die Springer-Aktie schon seit längerem nicht mehr zu den Lieblingen der Anleger. In den vergangenen zwölf Monaten hat der Kurs um 26 Prozent nachgegeben. Damit war das Unternehmen an der Börse vor Bekanntwerden des KKR-Interesses noch fünf Milliarden Euro wert. Seitdem hat der Aktienkurs aber kräftig zugelegt.

Geringere Umsätze

Axel Springer revidierte zugleich seine Prognose für dieses Jahr leicht nach unten und begründete dies mit der "gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" und der in Frankreich verabschiedeten Digitalsteuer. Demnach erwartet der Konzern einen Rückgang der Umsätze "im niedrigen einstelligen Prozentbereich" sowie beim Gewinn im "mittleren einstelligen Prozentbereich".

Bisher war der Konzern bei den Erlösen von einem geringen Wachstum und beim Konzerngewinn von einer Stagnation im Vergleich zum Vorjahr ausgegangen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Juni 2019 um 11:00 Uhr in den Wirtschaftsmeldungen.

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