Würfel auf einem Brettspiel | dpa

"SPIEL.digital 2020" Spiele-Messe in Zeiten von Corona

Stand: 11.12.2020 14:54 Uhr

Gesellschaftsspiele liegen in der Pandemie voll im Trend: Wer zu Hause bleiben soll, braucht einen Zeitvertrieb. Entsprechend hat die digitale Spiele-Messe "SPIEL.digital 2020" großen Zulauf.

Von Julia von Cube, WDR

Für ihre Stammkunden ist es ein ganz besonderer Tag: Nadine Pick ist mit ihrem Spiele-Laden in Köln Teil der weltgrößten Messe für Gesellschaftsspiele. Sie streamt ein analoges Spiel live ins Netz.

Normalerweise drängen sich jedes Jahr mehr als 200.000 Besucherinnen und Besucher zu dieser Zeit durch die Messehallen in Essen - in Corona-Zeiten undenkbar. Deswegen wird dieses Jahr digital und lokal gespielt - überall auf der Welt verteilt. Der Markt der Brettspiele boomt: fast 21 Prozent Zuwachs zuletzt. Und auch Nadine Pick profitiert davon.

"Das Jahr bis jetzt war für uns gut - wie die gesamte Spielebranche haben wir auch davon profitiert, dass die Menschen zu Hause geblieben sind, kaum Geld für andere ausgeben konnten und sich wirklich dann zu Hause beschäftigt haben", erzählt sie.

Monatelange Vorbereitungszeit

Ein Team aus 17 Programmierern hat in den vergangenen Monaten an der Plattform für die erste digitale Ausgabe der Messe gebastelt, der SPIEL.digital 2020. Zum Start sind die Server zunächst überlastet - Anspannung im Team. Doch die Besucher vergleichen das in Online-Kommentaren charmant mit den üblichen Warteschlangen vor den Messehallen.

Der Eintritt ist in diesem Jahr kostenlos. 400 Aussteller aus 41 Nationen sind dabei: Sie stellen ihre Spieleneuheiten vor und streamen live in vielen verschiedenen Sprachen. Dominique Metzler, Veranstalterin der Messe, beobachtet die aktuelle Spielemode: "Dieses Jahr im Trend liegen ganz klar kooperative Spiele. Kooperative Spiele sind Spiele, bei denen die Spieler miteinander versuchen, quasi gegen das Spiel zu spielen. Sie müssen gemeinsam eine Aufgabe lösen."

Neue Spiele für den kleinen Kreis

Der andere Trend gehe hin zu immer mehr Spielen für ein bis zwei Personen: "Das liegt natürlich auch daran, dass wir immer kleinere Haushalte haben und auf der anderen Seite, dass man diese Spiele natürlich auch im ganz engen Familienkreis spielen kann."

Die neuen Trends können von Spiele-Fans direkt getestet werden - wie normalerweise auf der Messe auch. Dieses Jahr gehe das eben an nur virtuellen Spieletischen, erklärt Spieleautor Ulrich Blum. "Es ist natürlich schon was anderes, wenn man direkt am Tisch sitzt, weil das ist ja auch mit das Tollste an Brettspielen überhaupt, dass man sich gegenseitig in die Augen schaut", meitn er. "Das fehlt natürlich ein bisschen. Das ist aber in der aktuellen Situation die beste Möglichkeit, die wir haben."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 22. Oktober 2020 um 22:35 Uhr.