Wundversorgung durch einen ambulanten Pflegedienst in der Wohnung eines Patienten | Bildquelle: picture alliance / Hans Wiedl/dp

Vorschlag von Spahn Mehr Pflegekräfte aus dem Ausland

Stand: 31.03.2018 07:15 Uhr

Mehr alte Menschen brauchen mehr Pfleger - doch woher sollen die kommen? Gesundheitsminister Spahn will im EU-Ausland anwerben. Dies sei die "nächstliegende Option". Derzeit fehlten knapp 17.000 Pflegekräfte.

Gesundheitsminister Jens Spahn will mehr Pflegekräfte aus dem Ausland nach Deutschland holen. "Pflegekräfte aus unseren Nachbarländern einzuladen, ist die nächstliegende Option", sagte er der "Rheinischen Post". Dies sei durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU möglich. Welchen Beitrag sein Ministerium bei der Anwerbung leisten will, sagte Spahn nicht.

Jens Spahn | Bildquelle: AFP
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17.000 offene Stellen in der Pflege: Gesundheitsminister Spahn muss sich etwas einfallen lassen.

"Die größte Herausforderung wird es werden, diese Arbeitskräfte dann auch tatsächlich zu finden." Derzeit gebe es 17.000 offene Stellen im Pflegebereich. Die Bundesregierung plant ein Gesetz für 8000 zusätzliche Pflegekräfte. Um die Stellen zu besetzen, solle dafür geworben werden, dass ausgebildete Pflegekräfte, die aus dem Beruf ausgeschieden seien, zurückkämen. Zudem müsse der Beruf attraktiver werden zum Beispiel durch flächendeckende Tarifbezahlung, und es müsse mehr ausgebildet werden.

Eile mahnte Spahn bei der Anerkennung von Abschlüssen für Pflegekräfte und Ärzte an. Dabei müsse Deutschland "noch schneller werden". Manchmal seien Ärzte und Pflegekräfte monate- und teils jahrelang in Deutschland, sie könnten aber nicht in ihrem Beruf arbeiten, weil das Verfahren zur Anerkennung ihrer Abschlüsse sich hinziehe. Die ausländische Qualifikation müsse mit der deutschen gleichwertig sein, sagte Spahn.

Zahl der Leiharbeiter gestiegen

Laut einem Medienbericht gibt es immer mehr Leiharbeiter in der Gesundheits- und Krankenpflege, bei Rettungsdiensten und der Geburtshilfe: Vergangenes Jahr waren bundesweit 10.181 Mitarbeiter in diesem Bereich als Leiharbeitskräfte beschäftigt. Das berichtete die "Passauer Neue Presse" unter Berufung auf eine Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion. Im Jahr 2014 seien es demnach 7374 gewesen.

Dem Bericht zufolge verdienen Leiharbeitskräfte deutlich weniger als regulär Beschäftigte. Bei Vollzeit habe deren Bruttolohn in den Bereichen Pflege, Rettungsdienst und Geburtshilfe Ende 2016 bei 3203 Euro monatlich gelegen - bei Leiharbeitskräften bei 2579 Euro. Der Bruttomonatsverdienst für Vollzeitbeschäftigte in der Altenpflege lag demnach Ende 2016 bei 2436 Euro - bei Leiharbeitskräften im Durchschnitt bei 2131 Euro.

Linksfraktion: Fachkräfte kommen nur, wenn die Arbeitsbedingungen passen

Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, sagte der Zeitung: "Beschäftigte im Gesundheitswesen und der Pflege dürfen nicht als billige Arbeitskräfte zur Profitmaximierung von Leiharbeitsunternehmen herhalten." Fachkräfte bekomme Deutschland nur, wenn man gute Arbeitsbedingungen bietet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. März 2018 um 06:00 Uhr.

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