"Wer ins Ausland wollte, ist längst weg" Nur wenige Slowaken wollen in Deutschland arbeiten

Stand: 26.04.2011 12:51 Uhr

In Deutschland fürchten viele einen Ansturm osteuropäischer Arbeitskräfte nach dem 1. Mai. Doch die Öffnung des Arbeitsmarkts stößt in der Slowakei nur auf wenig Interesse. Viele junge Menschen mit guten Qualifikationen gingen schon vor Jahren in andere EU-Staaten.

Von Stefan Heinlein, ARD-Hörfunkstudio Prag

Eine Baustelle in Bratislava: Petr und Jakub verputzen die Wände. Es ist ein harter Job, doch die beiden Bauarbeiter sind zufrieden. Sie gehören zu den Besserverdienenden in der Slowakei. Der Bauboom in der Hauptstadt macht sie zu begehrten Arbeitskräften. Warum also die Heimat verlassen, fragt sich der 22-jährige Jakub. "Ich habe tatsächlich schon darüber nachgedacht. Aber hier gibt es genügend Arbeit - deshalb bleibe ich." Natürlich lasse sich im Ausland mehr verdienen. "Aber wenn man eine Familie hat, überlegt man zweimal, ob es sich lohnt, für einen Job so einfach auszuwandern", sagt er.

In Bratislava herrscht Vollbeschäftigung

Bauarbeiter am Berliner Flughafen
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In Deutschland zu arbeiten, ist für viele Slowaken trotz guter Verdienstmöglichkeiten nicht sehr attraktiv.

Bei rund 770 Euro liegt der slowakische Durchschnittslohn. Im Ballungsraum Bratislava können Facharbeiter aber leicht mehr verdienen. Dort herrscht praktisch Vollbeschäftigung. Anders ist die Situation in der Provinz. An der Grenze zur Ukraine sind die Löhne deutlich niedriger. Die Arbeitslosenquote liegt weit über dem Landesdurchschnitt von 14 Prozent. Betroffen sind vor allem junge Menschen. Jeder Dritte ist ohne Job.

Für sie sei der 1. Mai eine Chance, so der Wirtschaftsexperte Michael Palenik. "Junge Menschen sind mobiler und eher bereit, für eine Stelle ins Ausland zu gehen als die ältere Generation", sagt er. "Dennoch wird die Öffnung der Arbeitsmärkte keinen großen Boom auslösen." Es sei ganz einfach: "Wer etwas in einem begehrten Beruf gelernt hat, kann schon lange im Ausland eine Stelle finden. Wer dagegen wenig qualifiziert ist, für den gibt es auch in Zukunft keine Arbeit in Deutschland oder Österreich."

Viele Arbeiter kehrten zurück

Tatsächlich machten sich nach dem EU-Beitritt 2004 viele Slowaken auf den Weg in Richtung Westen. In England oder Irland schufteten sie häufig für wenig Geld. Viele von ihnen sind inzwischen wieder in der Heimat. Mittlerweile sind die Slowaken selbstbewusster geworden. Für gute Arbeit verlangen auch sie gutes Geld. "Ich bin überzeugt davon, dass alle, die im Ausland arbeiten wollen, schon längst weg sind", erklärt Katerina Dubanova vom Arbeitsamt in Bratislava. "Das zeigt auch unsere Statistik: Es sind nur wenige Slowaken bereit, für einen Job auszuwandern."

Jan Trgala würde sich über mehr Mobilität seiner Landsleute freuen. Er ist der slowakische Direkor der internationalen Arbeitsagentur Trenkwalder. Seine Firma lebt von der Vermittlung von Arbeitskräften. Doch ein großes Geschäfts nach dem 1. Mai erwartet auch er nicht. "Es wird keine Massenwanderungen geben. Die Hürden für die Arbeitnehmer sind noch immer recht hoch", sagt er. "Sie müssen ihre Qualifikation nachweisen und zumindest etwas Deutsch sprechen, wenn sie einen guten Job haben wollen. Außerdem ist das Leben in Deutschland viel teurer. Das lohnt sich nur für hochqualifizierte Arbeitnehmer."

Viele junge gut ausgebildete Slowaken hoffen dennoch auf eine bessere Zukunft im Ausland. Die meisten von ihnen jedoch - so die übereinstimmenden Erwartungen - wollen nicht nach Deutschland, sondern ins Nachbarland Österreich. Von dort ist es nur ein Katzensprung zurück in die Heimat.

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