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Automarke Skoda Mobilität aus Böhmen

Stand: 18.12.2020 10:57 Uhr

Skoda ist einer der ältesten Autohersteller der Welt. Bereits 1905 startete die Produktion. Das Fundament legten zwei leidenschaftliche Radfahrer - eine Tradition, an die das Unternehmen anknüpft.

Von Lothar Gries, tagesschau.de

Als der Mechaniker Vaclav Laurin und der Buchhändler Vaclav Klement am 18. Dezember 1895 die Gründung ihrer Fahrradwerkstatt L&K beurkunden ließen, ahnten sie sicher nicht, dass ihr kleines Unternehmen wenige Jahre später Automobilgeschichte schreiben würde - allerdings unter einem anderen Namen und einem neuen Besitzer.

Laurin und Klement erkennen schnell die Zeichen der Zeit und entwickeln in ihrem Werk in der mittelböhmischen Stadt Mlada Bolesla (Jungbunzlau) ein Automobil, das sie nach dem damals vorherrschenden französischen Geschmack Voiturette nannten, also kleines Auto. Damit war das Fundament für den Aufstieg zu einem bis heute existierenden Automobilhersteller gelegt.

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Vaclav Klement (l.) und Vaclav Laurin gründen 1895 eine Fahrradfabrik, das Fundament für die späteren Skoda-Automobile.

Statt Pferdestärken Verbrennungsmotoren

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand die individuelle Mobilität genauso vor einer Zeitenwende wie heute. Statt Pferdestärken waren plötzlich Verbrennungsmotoren gefragt. Damit begann der Siegeszug des Automobils gegenüber anderen Formen des Individualverkehrs - und die beiden tschechischen Unternehmer wollten daran teilhaben.

Zunächst mit Erfolg. Bis 1925 baute L&K rund 60 verschiedene Automodelle. Doch das Unternehmen hatte durch den Ersten Weltkrieg, als es Rüstungsgüter herstellte, einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Die Wagen verkauften sich nicht mehr so gut, weil sie im Vergleich zur Konkurrenz zu teuer waren.

1925 beginnt die Ära Skoda

Zwar erkannte Klement, dass nur die Massenproduktion ein Überleben seines Unternehmens sichern werde, doch für die dazu notwendigen Investitionen mangelte es ihm am nötigen Kleingeld. So wurde L&K 1925 an den Pilsener Maschinenbauer Skoda verkauft, der als Waffenschmiede der österreichisch-ungarischen Armee groß geworden war. Laurin blieb zunächst technischer Direktor, doch die gebauten Autos wurden nun unter dem Namen Skoda vertrieben. Die Herstellung von Fahr- und Motorrädern wurde komplett eingestellt.

Für die Autoproduktion erwies sich die Übernahme durch Skoda als ein Segen. Das Unternehmen florierte und entwickelte sich zu einem der führenden Hersteller in Europa. Wesentlich dazu beigetragen haben die verschiedenen Superb-Modelle.

Zu einem erneuten Rückschlag kam es am 10. Mai 1945, zwei Tage nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. An diesem Tag wurde die Hauptwerkshalle in Mlada Boleslav von Bombern angegriffen. Dabei wurden die Karosseriewerkstätten, das Physik- und Chemielabor und das Konstruktionsbüro mit allen Plänen zerstört. Und nur fünf Monate später folgte der nächste Schlag: Am 25. Oktober 1945 entschieden die neuen kommunistischen Machthaber, Skoda zu verstaatlichen.

Ein Skoda Superb 640 von 1934 | dpa

Der Skoda Superb 640 von 1934 gehörte zu den erfolgreichsten Modellen des tschechischen Herstellers in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Bild: dpa

Die bleiernen Jahre

Es begannen 45 bleierne Jahre, in denen Skoda immer weiter zurückfiel und sich gegenüber der westlichen Konkurrenz nur noch als angestaubter Nischenplayer behaupten konnte. Versuche, mit Hilfe von innovativen Fahrzeugen, etwa mit Frontmotor und Automatikgetriebe, wieder Marktanteile zu gewinnen, wurden von kommunistischen Herrschern als zu "westlich" untersagt.

Trotzdem hatten die Wettbewerber aus dem Westen Skoda nie aus den Augen verloren. So zögerten sie nach dem Fall der Mauer nicht eine Minute, das Unternehmen zu umwerben. Vor allem Volkswagen hatte rasch das Potenzial der Tschechen erkannt. Auch Renault und BMW sollen um die Tschechen gebuhlt haben. Doch das Rennen machten bekanntlich die Wolfsburger. Am 16. April 1991 wurde Skoda die vierte Marke des Volkswagen-Konzerns.

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Der in den 60ger Jahren entwickelte 1000 MB war mit Heckmotor ausgestattet, was eine neue Epoche bei Škoda einläutete

Wiederaufstieg unter Führung von VW

Damit begann ein beispielloser Wiederaufstieg. Dafür investierte die Marke allein in Tschechien mehr als 11,5 Milliarden Euro in neue Fertigungsprozesse und Fabriken. 2014 produzierte Skoda erstmals mehr als eine Million Fahrzeuge in einem Kalenderjahr. 2017 rollte das 20-millionste Automobil seit Bestehen des Unternehmens vom Band.

Doch die sich abzeichnenden Umbrüche in der Autoindustrie, die allgemeine Skepsis gegenüber dem Automobil sowie die jüngste Corona-Krise haben auch Skoda hart zugesetzt. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres ist der Absatz um fast 26 Prozent eingebrochen, die Umsatzrendite von 7,9 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 3,9 Prozent gesunken.

E-Autos, SUVs und Billigmodelle

Sein Heil sieht das Unternehmen in der Elektrifizierung seiner Modellpalette. So sollen bis zum Jahr 2025 fünf rein elektrisch angetriebene Wagen in verschiedenen Segmenten angeboten werden. Sie sollen am Stammsitz in Mlada Boleslav gefertigt werden.

Wachsen will Skoda auch mit einem zusätzlichen Angebot im Einstiegssegment und mit der Expansion in Schwellenländer, etwa in Indien. Dort könnten bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr gebaut werden. Auch hat Skoda in den vergangenen Jahren viele neue SUVs auf den Markt gebracht.

Für den neuen Skoda-Chef Thomas Schäfer steht fest, dass das Unternehmen ein ausreichend großes Portfolio an Elektroautos braucht, wenn es in Europa bestehen will. "Für Skoda bedeutet das, dass wir auf jeden Fall mindestens noch ein kleineres E-Auto als Einstiegsmodell unterhalb des Enyaq iV benötigen, der nächstes Jahr in den Handel kommt", so Schäfer im November gegenüber dem "Handelsblatt". Mittelfristig peilt das Unternehmen eine jährliche Stückzahl von 1,4 bis 1,5 Millionen Autos an. 2019 waren es 1,25 Millionen.

Fahrräder gehören übrigens auch wieder zu den Produkten von Skoda. Sogar E-Mountainbikes hat das Unternehmen seit diesem Jahr wieder im Angebot. Damit verfügen die Tschechen über eine umfassendere Palette an Fahrrädern als die Gründerväter vor 125 Jahren.

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Der Vision iV ist das neueste Elektro-SUV von Skoda in diesem Jahr