Eine Bankkundin hebt mit ihrer Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Manipulation von Geldautomaten "Skimming" - vor allem in einer Stadt

Stand: 12.01.2019 08:06 Uhr

"Skimming" nennt man das Manipulieren von Geldautomaten, um an Kartendaten zu kommen. Auffällig dabei: Kriminelle haben vor allem eine Stadt im Visier - und das aus einem ganz speziellen Grund.

Kriminelle haben auch im vergangenen Jahr großen Schaden durch das so genannte "Skimming" angerichtet, die Schadenssumme ist allerdings rückläufig. Nach Angaben der Finanzwirtschaft sank der Bruttoschaden in Deutschland auf das Rekordtief von 1,44 Millionen Euro. Im Jahr 2017 hatten sich die "Skimming"-Schäden auf 2,2 Millionen Euro summiert, 2016 waren es 1,9 Millionen Euro.

Die Einrichtung Euro Kartensysteme in Frankfurt/Main erklärt dies damit, dass es für Kriminelle wegen moderner Sicherheitstechnik immer schwieriger werde, Kartendaten und Geheimnummern (PIN) von Bankkunden auszuspähen und zu missbrauchen. Unter "Skimming" versteht man, dass Daten und Geheimnummer (PIN) von EC- oder Kreditkarten etwa mit Hilfe gefälschter Türöffner in Bankfilialen oder einer manipulierten Tastatur am Geldautomaten abgegriffen werden.

Ein Mitarbeiter einer Sparkasse demonstriert an einem Geldautomaten eine "Skimming"-Technik | Bildquelle: dpa
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Ein Mitarbeiter einer Sparkasse demonstriert an einem Geldautomaten eine "Skimming"-Technik: Kriminelle montieren Vorsatzgeräte an den Kartenschlitz des Geldautomaten, um die Kartendaten auszulesen. Mittels einer aufgesetzten Zusatztastatur oder einer Mini-Kamera gelangen sie außerdem an die PIN-Nummer der Karte. (Archivbild)

Karten in Deutschland mit EMV-Technologie

Deutschland setzt seit Ende 2010 auf die so genannte EMV-Technologie. Seither sind Bezahlkarten statt mit vergleichsweise leicht kopierbaren Magnetstreifen mit einer Art Mini-Computer ausgestattet. Der Datensatz wird bei diesem Verfahren verschlüsselt, die Karte bei Gebrauch auf Echtheit geprüft - und zwar bei jedem Einsatz am Geldautomaten wie an der Ladenkasse.

In Deutschland sind 58.000 Geldautomaten, 820.000 Bezahlterminals im Handel und rund 100 Millionen Girocards allesamt mit EMV-Technologie ausgestattet. Kriminelle müssen somit weit reisen, um in Deutschland gestohlenen Kartendaten zu Geld zu machen. Im Grunde funktionieren Kartendubletten nur noch dort, wo Bezahlkarten nach wie vor mit Magnetstreifen ausgerüstet werden - zum Beispiel in den USA.

Auch die Zahl der Fälle ist rückläufig: Im Jahr 2018 wurden insgesamt 449 "Skimming"-Versuche registriert, ein Jahr zuvor hatte es noch 499 Fälle gegeben. Dabei können einzelne Automaten mehrfach angegriffen worden sein.

Regionale Verteilung von "Skimming"
Bundesland20182017
Berlin343287
Nordrhein-Westfalen4870
Hessen1932
Hamburg1853
Bayern720
Baden-Württemberg59
Niedersachsen42
Rheinland-Pfalz211
Schleswig-Holstein13
Bremen16
Mecklenburg-Vorpommern10
Sachsen06
Brandenburg00
Saarland00
Sachsen-Anhalt00
Thüringen00
(Quelle: Euro Kartensysteme/dpa)

Experten: In Berlin geht es um Touristen

Schaut man sich die Zahlen genauer an, fällt aber auf, dass vor allem Berlin davon betroffen ist. Hier stiegen die Fallzahlen sogar. Allein hier wurden 343 mal Geldautomaten manipuliert. Experten vermuten, dass Kriminelle es dort vor allem auf Daten von Touristen aus Ländern abgesehen haben, in denen Bezahlkarten noch mit den relativ leicht kopierbaren Magnetstreifen ausgestattet sind.

In Deutschland müssen Verbraucher, die Opfer von "Skimming" geworden sind, normalerweise keinen finanziellen Nachteil fürchten. In der Regel ersetzen Geldinstitute solche Schäden - vorausgesetzt, die Kunden sind sorgfältig mit ihrer Bankkarte und PIN umgegangen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Januar 2019 um 10:45 Uhr.

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