Siemens | Bildquelle: REUTERS

Griechische Korruptionsaffäre Haftstrafe für Ex-Siemens-Chef von Pierer

Stand: 02.12.2019 14:57 Uhr

Es geht um 70 Millionen Euro, die Siemens-Mitarbeiter vor 22 Jahren gezahlt haben sollen, um in Griechenland einen Großauftrag zu erhalten. Jetzt wurden mehrere Ex-Manager in Athen zu teils hohen Haftstrafen verurteilt.

Im Prozess um eine Korruptionsaffäre von Siemens in Griechenland hat ein Berufungsgericht mehrere frühere Manager zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die insgesamt 22 Mitarbeiter der Siemens AG und des früheren staatlichen griechischen Telekommunikationsunternehmens OTE erhielten wegen Bestechung und Geldwäsche Strafen zwischen sechs und 15 Jahren. Unter den Verurteilten seien auch sieben Deutsche, berichtete der staatliche Rundfunk ERT - darunter auch der langjährige Vorstands- und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer. Auch der frühere Griechenland-Chef von Siemens, Michalis Christoforakos, der 2009 nach Deutschland floh, und sein Stellvertreter Christos Karavellas, der ebenfalls das Land verlassen hatte, wurden verurteilt.

Der Industriekonzern Siemens soll 1997 etwa 70 Millionen Euro Schmiergelder an OTE gezahlt haben, um einen Großauftrag zu erhalten. Die ersten Ermittlungen begannen vor über zehn Jahren, mittlerweile sind zehn der ursprünglich 64 Verdächtigen verstorben. Angeklagt wegen Korruption und Geldwäsche wurden 54 Menschen - unter ihnen zwölf damalige Angestellte und Manager von Siemens. Gegen die meisten musste die Anklage wegen Verjährung fallengelassen werden.

Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer
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Ex-Siemens-Chef von Pierer

Außergerichtlicher Vergleich 2012

Der 78-jährige von Pierer kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. In seiner Stellungnahme hieß es: "Wir werden außerdem beantragen, dass das Urteil in Deutschland nicht vollzogen wird, weil es gegen elementare rechtsstaatliche Prinzipien verstößt." Das Verfahren in Athen habe sich zu einem großen Teil auf Unterlagen aus einem Ermittlungsverfahren in Deutschland gestützt. Die "sehr intensiven" Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft hätten keinen strafrechtlichen Vorwurf gegen ihn ergeben, so von Pierer.

Die Anklage betraf nicht die Siemens AG als Unternehmen, sondern nur Personen, die in dieser Affäre verwickelt gewesen sein sollen. In einem außergerichtlichen Vergleich hatten Athen und die Siemens AG im Jahr 2012 nach damaligen Angaben des griechischen Finanzministeriums unter anderem auf die Begleichung griechischer Schulden verzichtet und versprochen, Arbeitsplätze in Griechenland zu fördern.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 02. Dezember 2019 um 15:15 Uhr in den Nachrichten.

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