Protestaktion vor der Siemens Zentrale auf dem Wittelsbacher Platz | Bildquelle: dpa

Kohle-Projekt in Australien Klimaaktivisten legen sich mit Siemens an

Stand: 13.01.2020 16:59 Uhr

Offensiv ist Siemens-Chef Kaeser mit der Kritik am Kohleprojekt in Australien umgegangen. Aber er bleibt auf Linie: Der Auftrag wird ausgeführt. Doch auch die Klimaaktivisten von "Fridays for Future" geben nicht auf.

Die Initiatoren von "Fridays for Future" haben zu Protesten gegen Siemens aufgerufen. In mehreren Städten gab es Demonstrationen, unter anderem in Dortmund, Freiburg und auch vor der Konzernzentrale in München. Zuvor hatte das Unternehmen noch versucht, auf die Aktivisten zuzugehen. Überzeugt hat der Konzern sie nicht.

Konzernchef Joe Kaeser hatte Vertreter der Bewegung am Freitag zum Gespräch geladen, dabei gleich einen Aufsichtsratsposten angeboten und dann seine Führungsriege zu einer außerordentlichen Vorstandssitzung zusammengerufen - doch nach allen Abwägungen teilte er schließlich mit: Es bleibe dabei, Siemens werde sich an dem Kohle-Projekt in Australien beteiligen. "Wir müssen unsere vertraglichen Verpflichtungen erfüllen."

Siemens hält an Plänen für Kohlemine in Australien fest
tagesschau 17:00 Uhr, 13.01.2020, Johannes Lenz, BR

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Siemens: "Mine würde auch ohne uns gebaut werden"

Nach Abwägung aller Fakten und Gesprächen mit Dritten habe sich der Vorstand entschieden, dem indischen Energiekonzern Adani wie geplant Signaltechnik für die Bahnstrecke zu liefern, auf der die Kohle aus der "Carmichael"-Mine zum Hafen transportiert werden soll. "Wir dürfen kein Unternehmen sein, auf das sich die Kunden nicht verlassen können", schrieb Kaeser auf Twitter. Zudem würde die Mine auch ohne Siemens-Technik gebaut werden.

Die Aktivisten von "Fridays for Future" reagierten enttäuscht - und entschlossen. Nick Heubeck, der gemeinsam mit Luisa Neubauer, Kaesers Gesprächseinlandung gefolgt war, sagte dem Radiosender Bayern2, er habe Kaeser gesagt, dass es ein erster Fehler gewesen sei, den Vertrag zu unterschreiben. "Und dann habe ich ihm ganz klar gesagt, dass es an ihm liegt, ob er einen zweiten Fehler macht." "Fridays for Future" will dran bleiben.

Anlegerschützer: "Kaesers Entscheidung war zwingend"

Noch in der Nacht rief die Bewegung zu weiteren Protesten auf. Die ersten Kundgebungen, erklärte die Bewegung, seien spontan und würden wahrscheinlich nicht sehr groß ausfallen. So war es dann auch. Aber Heubeck kündigte bereits weitere Proteste an, unter anderem bei der Aktionsärsversammlung am 5. Februar in München. "Siemens muss sich bewusst sein, und das soll auch ein Zeichen an die anderen Unternehmen in Deutschland sein, dass man eben nicht öffentlich zu Klimaschutz stehen kann und dann trotzdem Entscheidungen treffen kann, die nicht in dieses Jahrhundert passen", sagte er.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bezeichnete Kaesers Entscheidung als zwingend: "Nachdem der Auftrag unterschrieben wurde, muss sich der Konzern daran halten und vertragstreu bleiben", sagte Vizepräsidentin Daniela Bergdolt der "Rheinischen Post". Der Konzern hätte allerdings schon bei der Vertragsunterzeichnung eine kritischere Haltung zu den Umweltfragen haben können. Auch wenn Siemens lediglich Signaltechnik nach Australien liefere, müssten sich alle Betriebe über die Verwendung ihrer Produkte bewusst sein, erklärte sie weiter.

Eines der größten Kohlebergwerke der Welt

Die Adani Group will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Dabei geht es neben dem Klimaschutz auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt.

alt Kohleförderung Australien (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Ein Megaprojekt: Der Bau der Kohlemine Carmichael in Australien

Die Kohlemine Carmichael im australischen Bundesstaat Queensland ist seit Jahren umstritten. Der indische Adani-Konzern will dort zunächst 27 Millionen Tonnen Kohle jährlich fördern, langfristig sogar bis zu 60 Millionen Tonnen pro Jahr. Das könnte die heute schon hohen Kohleexporte Australiens um 20 Prozent steigern. Die im Tage- und Untertagebau gewonnene Kohle soll über 189 Kilometer mit Zügen zum Kohlehafen Abbot Point gebracht und nach Indien verschifft werden. Siemens soll die Signalanlagen für diese geplante Schienenstrecke liefern.

Befürworter argumentieren, die Mine bringe Tausende Arbeitsplätze nach Queensland. Umweltschützer warnen, die Verbrennung der Kohle werde die Klimaerwärmung verschlimmern; Die Bewegung Fridays for Future kritisiert, das Projekt sei geeignet, im Alleingang das weltweite 1,5-Grad-Ziel zur Begrenzung der Erderwärmung zu gefährden. Umweltschützer vor Ort sehen viele Tierarten bedroht. Abbot Point liegt in der Nähe des weltberühmten Great Barrier Reefs, dem größten Korallenriff der Welt.

Die Regierung von Queensland hatte im Juni 2019 die Genehmigung für den von Adani vorgelegten Plan zum Grundwasserschutz erteilt und damit die letzte große Hürde aus dem Weg geräumt.

Besondere Brisanz hatte das Thema zuletzt auch durch die riesigen Buschbrände in Australien bekommen. Nach langem Leugnen räumte auch die australische Regierung ein, dass es einen Zusammenhang zwischen den ungewöhnlich heftigen Bränden und dem Klimawandel gibt. Für den Klimawandel wird der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) mitverantwortlich gemacht. Kohlekraftwerke stoßen viel CO2 aus und gelten deshalb als besonders umweltschädlich.

Auch australische Aktivisten empört

Auch australische Umweltaktivisten reagierten empört auf die Entscheidung. Der Firmenbeschluss sei nichts weniger als schändlich und ruiniere das Image von Siemens, teilte die Australian Conservation Foundation mit. Die angebliche Klimawandel-Strategie des Konzerns habe sich als inhaltsleer und bedeutungslos entpuppt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Januar 2020 um 12:00 Uhr.

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