Proteste gegen Siemens Beteilgung am Kohleminenprojekt in Australien | Bildquelle: dpa

Umstrittenes Projekt in Australien Siemens nimmt die Kohle

Stand: 13.01.2020 04:52 Uhr

Es geht um Technik für eine Bahn, die Kohle in Australien transportieren soll. Für Siemens-Verhältnisse bringt der Auftrag nicht besonders viel Geld, dafür aber sehr viel Kritik. Trotzdem hält der Konzern daran fest.

Siemens will den Auftrag im Rahmen eines umstrittenen Kohleminen-Projekts in Australien trotz heftiger Kritik von Umweltverbänden ausführen. "Wir müssen unsere vertraglichen Verpflichtungen erfüllen", schrieb Vorstandschef Joe Kaeser am Abend auf Twitter - nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung.

Trotz Kritik will Siemens an Auftrag in Australien festhalten
tagesschau 12:00 Uhr, 13.01.2020, Johannes Lenz, BR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Nach Abwägung aller Fakten und Gesprächen mit Dritten habe sich der Münchner Industriekonzern entschieden, dem indischen Energiekonzern Adani wie geplant Signaltechnik für die Bahnstrecke zu liefern, auf der die Kohle aus der "Carmichael"-Mine über Hunderte Meilen zum Hafen transportiert werden soll. "Wir dürfen kein Unternehmen sein, auf das sich die Kunden nicht verlassen können", so Kaeser. Zudem würde die Mine auch ohne Siemens-Technik gebaut.

Eines der größten Kohlebergwerke der Welt

Die Adani Group will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Dabei geht es neben dem Klimaschutz auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt.

Besondere Brisanz hatte das Thema zuletzt auch durch die riesigen Buschbrände in Australien bekommen. Nach langem Leugnen räumte auch die australische Regierung ein, dass es einen Zusammenhang zwischen den ungewöhnlich heftigen Bränden und dem Klimawandel gibt. Für den Klimawandel wird der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) mitverantwortlich gemacht. Kohlekraftwerke stoßen viel CO2 aus und gelten deshalb als besonders umweltschädlich.

Australische Umweltaktivisten reagierten empört auf die Entscheidung. Der Firmenbeschluss sei "nichts weniger als schändlich" und ruiniere das Image von Siemens, teilte die Australian Conservation Foundation der "Deutschen Presse-Agentur" mit. Die angebliche Klimawandel-Strategie des Konzerns habe sich als "inhaltsleer und bedeutungslos" entpuppt.

Neubauer: "Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen"

Am Freitag hatte es auch Proteste von "Fridays for Future" vor Siemens-Büros in mehreren deutschen Städten gegeben, unter anderem auch am Konzernsitz in München. Kaeser hatte sich mit der Klima-Aktivistin Luisa Neubauer getroffen und danach erklärt, die Entscheidung für den Auftrag über das Wochenende noch einmal zu überdenken. "Wir sind weit davon weg, perfekt zu sein. Und wir hätten im Vorhinein klüger sein sollen, was dieses Projekt betrifft", schrieb Kaeser in einer ausführlichen Stellungnahme, die Siemens am Sonntag im Internet veröffentlichte. Neubauer warf Kaeser wiederung eine "historische Fehlentscheidung" vor und kündigte neue Proteste gegen Siemens in mehreren deutschen Städten an. 

Der Auftrag in Australien bringt dem Konzern 18 Millionen Euro und ist für Siemens-Verhältnisse damit vergleichsweise klein. Neubauer kritisierte die Entscheidung, an dem Projekt festzuhalten. Sie sei "aus dem Jahrhundert gefallen". Statt Verantwortung für das Pariser Klimaschutz-Abkommen zu übernehmen, gefährde Siemens damit das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad einzudämmen.

Siemens will Nachhaltigkeitsausschuss stärken

Als Konsequenz aus der Kritik will Siemens künftig größeres Augenmerk auf die Folgen seines Tuns für die Umwelt legen. Der existierende Nachhaltigkeitsausschuss des Konzerns soll dazu ein Vetorecht gegen die Beteiligung von Siemens an Projekten wie dem in Australien bekommen. Erstmals sollen auch externe Mitglieder in das Gremium einziehen.

Kaeser hatte Neubauer am Freitag einen Posten im Aufsichtsrat der Energie-Sparte von Siemens oder einem anderen Gremium angeboten - doch die Aktivistin lehnte ab: "Ich wäre in dieser Position nicht mehr in der Lage, Siemens unabhängig zu kommentieren."

Trotz Kritik von Umweltverbänden: Siemens hält an umstrittenes Kohleminen-Projekt in Australien fest
Ulla Herrmann, ARD-Börsenstudio Frankfurt
13.01.2020 11:41 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: