Proteste gegen Siemens Beteilgung am Kohleminenprojekt in Australien | dpa

Umstrittenes Projekt in Australien Siemens nimmt die Kohle

Stand: 13.01.2020 04:52 Uhr

Es geht um Technik für eine Bahn, die Kohle in Australien transportieren soll. Für Siemens-Verhältnisse bringt der Auftrag nicht besonders viel Geld, dafür aber sehr viel Kritik. Trotzdem hält der Konzern daran fest.

Siemens will den Auftrag im Rahmen eines umstrittenen Kohleminen-Projekts in Australien trotz heftiger Kritik von Umweltverbänden ausführen. "Wir müssen unsere vertraglichen Verpflichtungen erfüllen", schrieb Vorstandschef Joe Kaeser am Abend auf Twitter - nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung.

Nach Abwägung aller Fakten und Gesprächen mit Dritten habe sich der Münchner Industriekonzern entschieden, dem indischen Energiekonzern Adani wie geplant Signaltechnik für die Bahnstrecke zu liefern, auf der die Kohle aus der "Carmichael"-Mine über Hunderte Meilen zum Hafen transportiert werden soll. "Wir dürfen kein Unternehmen sein, auf das sich die Kunden nicht verlassen können", so Kaeser. Zudem würde die Mine auch ohne Siemens-Technik gebaut.

Eines der größten Kohlebergwerke der Welt

Die Adani Group will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Dabei geht es neben dem Klimaschutz auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt.

Besondere Brisanz hatte das Thema zuletzt auch durch die riesigen Buschbrände in Australien bekommen. Nach langem Leugnen räumte auch die australische Regierung ein, dass es einen Zusammenhang zwischen den ungewöhnlich heftigen Bränden und dem Klimawandel gibt. Für den Klimawandel wird der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) mitverantwortlich gemacht. Kohlekraftwerke stoßen viel CO2 aus und gelten deshalb als besonders umweltschädlich.

Australische Umweltaktivisten reagierten empört auf die Entscheidung. Der Firmenbeschluss sei "nichts weniger als schändlich" und ruiniere das Image von Siemens, teilte die Australian Conservation Foundation der "Deutschen Presse-Agentur" mit. Die angebliche Klimawandel-Strategie des Konzerns habe sich als "inhaltsleer und bedeutungslos" entpuppt.

Neubauer: "Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen"

Am Freitag hatte es auch Proteste von "Fridays for Future" vor Siemens-Büros in mehreren deutschen Städten gegeben, unter anderem auch am Konzernsitz in München. Kaeser hatte sich mit der Klima-Aktivistin Luisa Neubauer getroffen und danach erklärt, die Entscheidung für den Auftrag über das Wochenende noch einmal zu überdenken. "Wir sind weit davon weg, perfekt zu sein. Und wir hätten im Vorhinein klüger sein sollen, was dieses Projekt betrifft", schrieb Kaeser in einer ausführlichen Stellungnahme, die Siemens am Sonntag im Internet veröffentlichte. Neubauer warf Kaeser wiederung eine "historische Fehlentscheidung" vor und kündigte neue Proteste gegen Siemens in mehreren deutschen Städten an. 

Der Auftrag in Australien bringt dem Konzern 18 Millionen Euro und ist für Siemens-Verhältnisse damit vergleichsweise klein. Neubauer kritisierte die Entscheidung, an dem Projekt festzuhalten. Sie sei "aus dem Jahrhundert gefallen". Statt Verantwortung für das Pariser Klimaschutz-Abkommen zu übernehmen, gefährde Siemens damit das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad einzudämmen.

Siemens will Nachhaltigkeitsausschuss stärken

Als Konsequenz aus der Kritik will Siemens künftig größeres Augenmerk auf die Folgen seines Tuns für die Umwelt legen. Der existierende Nachhaltigkeitsausschuss des Konzerns soll dazu ein Vetorecht gegen die Beteiligung von Siemens an Projekten wie dem in Australien bekommen. Erstmals sollen auch externe Mitglieder in das Gremium einziehen.

Kaeser hatte Neubauer am Freitag einen Posten im Aufsichtsrat der Energie-Sparte von Siemens oder einem anderen Gremium angeboten - doch die Aktivistin lehnte ab: "Ich wäre in dieser Position nicht mehr in der Lage, Siemens unabhängig zu kommentieren."

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
AktivZuhoeren 12.01.2020 • 22:59 Uhr

Richtige Entscheidung

An den Kommentaren die Frau Neubauer dazu abgegeben hat, sieht man ganz klar, dass sie noch nicht reif ist für eine solche Verhandlung bzw. den Umgang mit Menschen auf CEO Niveau. "Niveau ist keine Creme". Als Erwachsener muss man manchmal auch mit Konsequenzen seiner Entscheidungen klarkommen. Das schliesst anderes Handeln in Zukunft nicht aus. Die Schreihals-Taktik bei den Jugendlichen aktuell geht mir langsam richtig auf den Wecker. Der Ton machts viel aus. Ich bin auch Pro Umweltschutz und daher verzichte ich auf einige Dinge die dem schaden. Aber diese Social Media getriebenen Schrei-Kampagnen finde ich sehr abstoßend und respektlos.