Umweltaktivistinnen protestieren gegen Siemens in München. | Bildquelle: LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX

Kohle-Auftrag in Australien Siemens grübelt, Greta appelliert

Stand: 12.01.2020 09:11 Uhr

Bis Montag will Siemens über eine Lieferung für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien entscheiden. Das Projekt stößt auf erbitterten Widerstand auch Klimaaktivistin Thunberg hat sich eingeschaltet.

Siemens steht wegen einer Lieferung einer Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien in der Kritik. Bis Montag will der Konzern nun darüber eine Entscheidung treffen. Klimaaktivisten protestierten heftig gegen das Engagement des deutschen Unternehmens.

Nun hat sich auch die prominenteste Umweltaktivistin zu Wort gemeldet: Greta Thunberg. Sie fordert den Konzern auf, das Engagement bei der Erschließung der Kohlemine zu überdenken. Es erscheine so, dass Siemens die Macht besitze, den Bau zu stoppen, zu verzögern oder zumindest zu unterbrechen, schrieb die 17 Jahre alte Schwedin auf Twitter.

"Am Montag werden sie ihre Entscheidung bekanntgeben. Bitte helft dabei, sie dahin zu bringen, dass sie die einzig richtige Entscheidung treffen."

Am Freitag hatte es Proteste von "Fridays for Future" vor Büros des Konzerns in mehreren deutschen Städten gegeben, unter anderem auch am Konzernsitz in München, wo nach Angaben der Organisatoren 57.000 Unterschriften an Siemens übergeben wurden.

Kaeser hatte nach einem Treffen mit der Sprecherin der deutschen Klimaschutzbewegung Fridays for Future, Luisa Neubauer, gesagt, der Auftrag werde geprüft. Er wolle bis Montag im Vorstand beraten, ob Siemens aus dem 18 Millionen Euro schweren Vertrag aussteigen werde.

Neubauer lehnt Siemens-Posten ab

Kaeser bot Neubauer zudem einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy an. Ob es der Aufsichtsrat oder ein anderes Gremium sei, könne Neubauer selbst entscheiden, sagte er. "Ich möchte, dass die Jugend aktiv sich beteiligen kann. Der Konflikt zwischen Jung und Alt muss gelöst werden." Das Jobangebot lehnte Neubauer ab. Sie machte Kaeser aber einen anderen Vorschlag: "Ich werde das Angebot persönlich nicht annehmen können, habe aber Siemens darum gebeten, das Angebot an einen Vertreter oder Vertreterin der Scientists For Future weiterzugeben", sagte sie der der Nachrichtenagentur dpa. "Wenn der Firma ernsthaft an Klimaschutz und "Fridays For Future" gelegen ist, wird sie meine Entscheidung respektieren."

Siemens-Chef Joe Kaeser | Bildquelle: dpa
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Siemens-Chef Joe Kaeser will in Kürze eine Entscheidung über eine Beteiligung am Kohleminen-Großprojekt in Australien mitteilen.

Auch andere Organisationen forderten den Stopp des Siemensauftrags, darunter die Klima-Allianz Deutschland, der nach eigenen Angaben rund 130 Organisationen angehören. In einem Brief an Kaeser warnt die Klima-Allianz, Siemens gefährde bei einer Beteiligung die eigene Glaubwürdigkeit. Der Ausbau der Kohlewirtschaft sei "eine gewaltige Bedrohung für die Zukunft der Welt" ein Ausbau "aus klimapolitischer Verantwortung heraus völlig untragbar".

Der Auftrag für die Lieferung der Zugsignalanlage ist für die Verhältnisse des Siemens-Konzerns mit 18 Millionen Euro verhältnismäßig klein, der Konzern stand dafür aber zuletzt immer stärker in der Kritik. Mitte Dezember hatte Kaeser dann angekündigt, den bereits unterschriebenen Auftrag auf den Prüfstand zu stellen. Besondere Brisanz hatte das Thema zuletzt auch durch die riesigen Buschbrände in Australien bekommen.

Umweltaktivistinnen protestieren gegen Siemens in München. | Bildquelle: LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX
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Fridays für Future-Proteste in München gegen Siemens Beteilgung am Kohleminenprojekt in Australien.

Eines der größten Kohlebergwerke der Welt

Die Adani Group mit Hauptsitz in Indien will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft.

Neben dem Klimaaspekt geht es dabei auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt. Siemens soll für eine Zugstrecke vom Bergwerk zum Hafen Abbots Point Signaltechnik liefern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Januar 2020 um 21:00 Uhr.

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