Aus für Werke in Sachsen

Siemens streicht 3300 Jobs in Deutschland

Stand: 16.11.2017 18:55 Uhr

Die Werke in Leipzig und Görlitz werden geschlossen, deutschlandweit fallen 3300 Stellen weg: Siemens baut in den nächsten Jahren weiter massiv Personal ab. Die IG Metall will das nicht hinnehmen. Sie pocht auf Standort- und Beschäftigungsgarantien.

Der Elektrokonzern Siemens will weltweit rund 6900 Jobs streichen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Zwei Turbinenwerke in Görlitz und in Leipzig mit zusammen 920 Arbeitsplätzen sollen geschlossen werden, teilte das Unternehmen mit. Auch der Standort Offenbach ist bedroht: 700 Beschäftigte planen und bauen dort bislang Kraftwerke, jetzt ist eine Zusammenlegung mit dem Standort Erlangen geplant. Neue Stellen werden in Erlangen aber nach Konzernangaben voraussichtlich nicht entstehen.

Für ein Werk in Erfurt prüft Siemens zudem mehrere Optionen, darunter auch einen Verkauf. Stark betroffen sind auch die Werke in Berlin und Mülheim. An der Ruhr fallen 640 Stellen weg. Das Werk dort soll aber weiterhin ein "Kompetenzzentrum für Dampfturbinen" bleiben, teilte Siemens mit.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte bei der Bilanz-Pressekonferenz bereits "schmerzhafte Einschnitte" angekündigt.

Betroffen von den Stellenstreichungen sind die Bereiche Kraftwerke sowie Prozessindustrie und Antriebe. Schon seit längerem wird Siemens in der Kraftwerkssparte mit weltweit rund 46.800 Beschäftigten vor allem seine großen Gasturbinen in Deutschland und Europa nicht mehr los. Das sorgt für Preisverfall und Überkapazitäten: In der Kraftwerkssparte brach der Umsatz im vierten Quartal um 20 Prozent und der Gewinn sogar um 40 Prozent ein.

Das Geschäftsfeld Prozessindustrie und Antriebe mit zuletzt rund 44.800 Mitarbeitern weltweit bietet etwa Getriebe, Motoren, Antriebe und Kupplungen für die Öl-, Gas- und Bergbauindustrie an. Es ist damit auch stark von den Rohstoffpreisen abhängig. In beiden Sparten hatte Konzernchef Joe Kaeser bereits Jobs gekappt.

Betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen

Die Stellenstreichungen sollten möglichst sozialverträglich gestaltet werden, erklärte der Konzern. "Wir werden diese Maßnahmen sorgfältig, umsichtig und langfristig anlegen", sagte Personalchefin Janina Kugel. So sollten Mitarbeiter die Möglichkeit erhalten, an anderen Standorten weiterbeschäftigt werden oder sich weiterzubilden. Zum Großteil seien nicht Arbeiter betroffen, sondern Ingenieure, IT-Spezialisten und andere hochqualifizierte Fachkräfte. Allerdings schloss Kugel betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern dürften erst im neuen Jahr beginnen, sollen aber spätestens im September 2018 abgeschlossen sein.

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Siemens baut Tausende Stellen ab

tagesschau 20:00 Uhr, 16.11.2017, Martin Vogelmaier, BR

IG Metall kündigt Widerstand an

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich sprach von einer "unverantwortlichen" Entscheidung. Der Konzern lasse jegliche regionale Verantwortung vermissen. Die Gewerkschaft IG Metall kündigte Widerstand an: "Ein Stellenabbau in dieser Größenordnung ist angesichts der hervorragenden Gesamtsituation des Unternehmens völlig inakzeptabel", sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner, der auch im Aufsichtsrat sitzt.

Das Turbinenwerk in Görlitz soll geschlossen werden.

Vorwürfe an Konzernspitze

Kerner warf dem Münchner Konzern vor, "trotz wiederholter Appelle" nicht rechtzeitig auf die Krise in der konventionellen Kraftwerkstechnik reagiert zu haben. Seit dem Jahr 2010 gelte bei Siemens eine Standort- und Beschäftigungssicherung. Betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen seien ausgeschlossen, betonte der IG Metall-Vorstand. Ausnahmen könne es nur geben, wenn das Unternehmen als Ganzes wirtschaftlich gefährdet sei. Davon könne angesichts der Rekordzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr keine Rede sein. Personalchefin Kugel sagte, die Einigung von vor sieben Jahren schließe Entlassungen "nicht für alle Ewigkeit aus".

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries äußerte Verständnis für die Neuaufstellung des Konzerns. In der Kraftwerkstechnik vollziehe sich derzeit ein "grundlegender Strukturwandel". Dennoch müsse ein solcher Wandel "verantwortungsvoll geschehen", erklärte Zypries. Siemens müsse sich in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen um "faire Regelungen" bemühen.

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Margit Siller, BR, zum Stellenabbau bei Siemens

tagesschau24 17:30 Uhr, 16.11.2017