Einkaufszentrum MyZeil in Frankfurt am Main | Bildquelle: picture alliance / Arne Dedert/d

Studie zu Kaufverhalten Die Zeit der Shoppingcenter ist vorbei

Stand: 14.05.2019 05:16 Uhr

483 Shoppingcenter gibt es in Deutschland. Lange Zeit kannten sie nur Wachstum. Doch Experten glauben, manche Einkaufszentren werden bald schließen. Und es gibt noch einen anderen Trend.

Von Jörg Marksteiner, WDR

200 Geschäfte, 5000 Parkplätze und fast 30.000 Besucher jeden Tag: Heike Marzen ist Center-Managerin in einem der größten Shoppingcenter Deutschlands - dem Rhein-Ruhr-Zentrum an der Stadtgrenze von Essen und Mülheim.

Mit 46 Jahren ist es auch eines der ältesten - und deshalb demnächst eine Baustelle: "Ganz grob bleibt kein Stein auf dem anderen", sagt Marzen. Ein neuer Eingang, mehr Tageslicht, neue Böden, einfachere Laufwege, ein Indoor-Fußballfeld und eine neue Markthalle.

Luftbild des RheinRuhrZentrums aus dem Jahr 2015 | Bildquelle: imago/Hans Blossey
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Das RheinRuhrZentrum, eines der größten Shoppingcenter Deutschlands, wird demnächst komplett umgestaltet.

"Refurbishment" ist Trend

Auch wenn im Rhein-Ruhr-Zentrum besonders viel investiert wird, es ist kein Einzelfall. Das so genannte "Refurbishment" ist ein Trend. In 44 Shoppingcentern bundesweit wird demnächst saniert, renoviert und modernisiert, zählt der Shoppingreport des Kölner EHI Handelsforschungsinstitut. Begründung: "Längst ist sich die Branche einig: Wenn es um das reine Shopping geht, kann das Center-Geschäft mit dem Onlinehandel kaum mithalten."

Center spüren Online-Konkurrenz

Nicht nur Fußgängerzonen, auch viele Center leiden unter der Konkurrenz aus dem Netz. Also soll dem Kunden mehr geboten werden: "Wir merken, dass die Innenarchitektur immer wichtiger wird. Das war früher eher untergeordnet. Heute geht es um das Thema Verweilen, um Lounges und Serviceangebote", sagt Centermanagerin Marzen.

Eingangsbereich eines Lübecker Einkaufszentrums | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Kurze Verschnaufpause in der Lounge: Für viele Kunden zählen nicht mehr nur die Geschäfte.

Die Bereitschaft der Eigentümer, viele Millionen in bestehende Shoppingcenter zu investieren, hat noch einen anderen Grund: Es gibt kaum noch neue Projekte. "Die Entwicklung war jahrelang so, dass zehn bis 15 Center im Jahr eröffneten. Das ist runter gegangen. Wir hatten 2018 nur noch drei Eröffnungen und auch in diesem Jahr wird es wieder so in der Größenordnung sein", sagt EHI-Studienleiter Marco Atzberger.

Rekordzahl an Shoppingcentern

483 Shoppingcenter gibt es bundesweit - so viele wie nie zuvor. Die meisten in NRW (81), gefolgt von Bayern (54) und Baden-Württemberg (45). Insgesamt hat sich Zahl ebenso wie die Verkaufsfläche in den vergangenen 25 Jahren fast verdreifacht. "Wir sehen im deutschen Markt ganz klar eine Sättigung," sagt Atzberger. Der Boom neige sich dem Ende. Das sieht Frank Emmerich ähnlich. Der Einzelhandelsexperte der Immobilienberatung CBRE geht sogar noch weiter. Er vermutet: "Bei den Shoppingcentern sind mit Sicherheit schon einige dabei, die um ihr Überleben kämpfen müssen."

Shopping in einem Einkaufszentrum in Hannover (Archiv) | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Keine weiten Wege mehr: Der Trend geht hin zu kleineren Einkaufszentren.

Läden werden kleiner

Tatsächlich haben einige der klassischen Ankermieter in Einkaufszentren selbst Probleme. "Über einen langen Zeitraum galt die Modebranche als Rückgrat der Center-Industrie", heißt es im EHI-Report. Heute wählten die ihre Flächen wegen der Onlinekonkurrenz aber viel vorsichtiger und im Zweifel kleiner aus. Ähnlich wie Buchhandlungen und Schuhgeschäfte. Auch das ist ein Grund, warum die wenigen neuen Center tendenziell kleiner ausfallen. Oft, aber nicht immer werden frei werdende Flächen dann von Gastronomie-Anbietern übernommen.

Einkaufszentrum Limbecker Platz, Essen | Bildquelle: dpa
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Eine ansprechende Innenarchitektur spielt in Shoppingcentern eine zunehmend wichtige Rolle.

Mischnutzung als neues Allheilmittel?

Hoffnungen setzt die Shoppingcenter-Branche derzeit in den neuen Trend der "Quartierlösungen": Das sind Center, in denen das Shopping nicht unbedingt die Hauptrolle spielt. "Man mischt stärker durch. Mit Büros, mit Fitnessstudios, Unterhaltung und Wohnungen", beobachtet Atzberger. "Man möchte nicht mehr diese Monokultur." Dabei hoffen die Städte auf die Entwicklung und Aufwertung ganzer Viertel - und die privaten Investoren auf krisensichere Mieteinnahmen. "Das ist eine Richtung, wo es hingeht".

Shoppingcenter-Boom geht zu Ende
Jörg Marksteiner, WDR
14.05.2019 07:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 14. Mai 2019 um 06:21 Uhr.

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