Besucher der Shanghai Automesse betrachten das selbst fahrende Elektroauto Icona Nucleus. | AFP

Messe in Shanghai Gesucht: Autokonzept für die Zukunft

Stand: 16.04.2019 09:28 Uhr

Deutsche Hersteller wie BMW, Daimler und VW setzen auf der Automesse in Shanghai auf Elektromobilität. Selbstbewusst treten sie dort auf. Aber passen ihre Autos auch noch zum Markt der Zukunft?

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Zum Auftakt der Shanghaier Automesse präsentieren sich die deutschen Hersteller traditionell mit pompösen Show-Veranstaltungen. Daimler hat zu einer "SUV-Night" in eine frühere Fabrikhalle eingeladen. DJs legen auf. Daimlers China-Chef Hubertus Troska begrüßt das Publikum betont selbstbewusst auf Chinesisch.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Nach wie vor haben die deutschen Autohersteller in China Grund zum selbstbewussten Auftreten. Die Zahl der verkauften Neuwagen geht in China zwar seit einem Dreivierteljahr zurück. Doch für die deutschen Hersteller laufen die Geschäfte auf dem größten Automarkt der Welt immer noch bestens.

Daimler-Chef Dieter Zetsche präsentiert auf der Automesse in Shanghai einen Mercedes GLB. | AFP

Daimler-Chef Dieter Zetsche präsentiert auf der Automesse in Shanghai einen Mercedes GLB. Bild: AFP

Deutsche Premium-Marken begehrt

Während im März in China insgesamt fast sieben Prozent weniger Autos verkauft wurden, als im Vorjahresmonat, legte BMW deutlich zu: um mehr als zwölf Prozent. Auch Daimler und Volkswagen stehen in China noch deutlich besser da als die Konkurrenz. Was nach Ansicht des Shanghaier Auto-Analysten Zeng Zhilin unter anderem daran liegt, dass die deutschen Hersteller in China vor allem den Luxus-Bereich bedienen.

"Die Premium-Marken, vor allem die drei deutschen Hersteller, haben auch 2018 immer noch gut verkauft. Und: Die Deutschen haben in China keine Probleme mit Überkapazitäten", sagt Analyst Zhilin. Anders als heimische Hersteller können deutsche Autobauer fast alle ihre in China produzierten Produkte sofort losschlagen.

Trotz der guten Zahlen müssen sich die deutschen Hersteller in China quasi neu erfinden. So wie die Konkurrenz auch. Denn die gesamte Branche durchlebt in China den fundamentalen Wandel weg vom Verbrennermotor, hin zum Elektro-Antrieb. Mittelfristig bewegt sich die Branche auch in Richtung vernetzte, smarte und digitale Fahrzeuge.

Der BMW X7 ist ebenfalls auf der Automesse in Shanghai zu sehen.  | AFP

Der BMW X7 ist ebenfalls auf der Automesse in Shanghai zu sehen. Bild: AFP

Autos passend für die Digitalwirtschaft

Bill Russo, der Gründer der Shanghaier Beratungsfirma Automobility Limited, beschreibt die Entwicklung folgendermaßen: "Das Auto der Zukunft ist eine Art Service-Plattform. Und genauso müssen es die Hersteller auch designen." Autos müssten künftig passgenau für die Bedürfnisse der Digitalwirtschaft gebaut werden.

Nach Ansicht von Russo verdienen die Autokonzerne in China künftig weniger Geld mit dem Verkauf einzelner Autos an individuelle Kunden. Geschäfte könnten mit Mobilitätsangeboten wie Carsharing, Taxi-Dienste und Mitfahr-Börsen gemacht werden. In China funktioniert das in Ansätzen bereits heute. Viele Pendler in chinesischen Städten verzichten auf den eigenen Wagen und lassen sich stattdessen per Mitfahrtdienst transportieren, spontan und jederzeit buchbar per Smartphone-App.

Experte fordert Konzentration auf Zukunftsthemen

Laut Russo gibt es in China viel mehr Menschen ohne Auto. "Trotzdem sind die Nicht-Auto-Besitzer aber genauso mobil wie diejenigen mit eigenen Wagen."

Dass die Autos der Zukunft elektrisch fahren, steht nach Ansicht von Autoexperte Russo fest. Dieser von China ausgehende Trend sei unumkehrbar. Von den etablierten Herstellern fordert er deswegen: Konzentration auf die Zukunftsthemen der Mobilität: "In China kommt man nicht weiter, indem man in den Rückspiegel schaut. Man muss die Zukunft hier völlig anders betrachten als die Vergangenheit."