Ein Mann simuliert bei einer Übung die Desinfektion eines Tiertransporters | Bildquelle: picture alliance/dpa

Schweinepest in Deutschland Verhängt China einen Importstopp?

Stand: 11.09.2020 10:58 Uhr

China hatte zwei Jahre lang selbst mit der Schweinepest zu kämpfen. Darum gilt in der Volksrepublik große Vorsicht. Trotzdem könnte Deutschland um einen Importstopp herumkommen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

2018 und 2019 war China selbst von der afrikanischen Schweinepest betroffen. Um den Ausbruch in den Griff zu bekommen, ließen die Behörden damals landesweit rund 1,2 Millionen Schweine töten. Diese Zahl ist die offizielle Angabe des chinesischen Landwirtschaftsministeriums. Gut möglich, dass die Dunkelziffer der getöteten Schweine sogar deutlich darüber liegt.

Inzwischen haben die chinesischen Behörden die Lage - nach eigenen Angaben - unter Kontrolle. Die Volksrepublik habe bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest bemerkenswerte Ergebnisse erzielt, stellte Vize-Landwirtschaftsminister Yu Kangzhen bereits im Januar fest. Aber:

"Wir müssen ganz nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass das Virus landesweit viele Gegenstände und Oberflächen kontaminiert hat. Wir erwarten deswegen, dass diese Seuche auch in Zukunft in China auftreten wird. Prävention und Kontrolle bleiben kompliziert."

Seuche ließ Nachfrage nach deutschem Fleisch ansteigen

Als in China die Afrikanische Schweinepest grassierte, stieg die Nachfrage nach importiertem deutschen Schweinefleisch stark an - so stark, dass selbst in Deutschland die Fleischpreise stiegen.

China hat sich seit 2010 zu einem wichtigen Markt für die deutsche Fleischindustrie entwickelt. Zuletzt ging rund ein Viertel aller deutschen Schweinefleisch-Exporte in die Volksrepublik.

In Deutschland Schlachtreste, in China Delikatessen

Etwa 40 Prozent des nach China gelieferten Schweinefleisches sind sogenannte Schlachtnebenprodukte. Das sind Teile vom Schwein, die in Deutschland kaum gegessen werden, in China aber als Delikatesse gelten: Pfoten, Ohren und Rüssel zum Beispiel.

"Vor allem junge Leute essen gerne Schweineohren," sagt diese Verkäuferin in einer Markthalle in Shanghaier Stadtteil Jing'an. "Und die Leute kaufen auch immer noch gerne Schweinezungen, auch wenn die nicht mehr ganz so beliebt sind wie früher." Das sei ein traditionelles Gericht, wenn man zum chinesischen Neujahr Gäste empfange.

Bereits mehrfach Importverbote verhängt

Ob auch künftig deutsches Schweinefleisch in China verkauft werden darf, ist angesichts des Schweinepestfalls aus Brandenburg offen. Denn Chinas Behörden sind streng: Grundsätzlich darf nur Ware aus Ländern eingeführt werden, in denen es keine Schweinepestfälle gibt.

Entsprechend hat China in den vergangenen Jahren immer wieder die Einfuhr aus betroffenen Staaten gestoppt: zum Beispiel aus Belgien, Indien und Südkorea. Entscheidend ist aber: Es gibt keinen Automatismus. Ob ein Einfuhrstopp verhängt wird, ist deswegen in China auch immer Verhandlungssache. Noch ist also offen, ob und wann China den Import von deutschem Schweinefleisch verbietet.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat ihren Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel beauftragt, mit den chinesischen Behörden zu verhandeln. Für die deutsche Fleisch-Lobby dürfte das ein Glücksfall sein: Der CDU-Politiker gilt als sehr gut vernetzt in China.

Afrikanische Schweinepest: China verhängt in der Regel Importverbote
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
11.09.2020 10:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. September 2020 um 06:40 Uhr.

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